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Zum Papstabschied – Lob, Kritik und Satire

Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. Um genau 20 Uhr verlässt er nach acht Jahren aus gesundheitlichen Gründen den Stuhl Petri. Kirchenvertreter haben den Pontifex nun gewürdigt, vor allem Journalisten finden kritische Worte zum Abschied.

Von PRO

Foto: Daniel Godin (Wikipedia/CC-BY-NC 2.0)

Ein fast ganz normaler Arbeitstag sollte der Donnerstag für den 85-jährigen Papst sein. Auf der Tagesordnung stand die Verabschiedung von den Kardinälen, um 17 Uhr sollte er mit dem Hubschrauber zur päpstlichen Residenz Castel Gandolfo fliegen, wo er zunächst wohnen wird. Bereits am Mittwoch hatte sich Benedikt XVI. bei einer letzten Generalaudienz von tausenden Gläubigen verabschiedet: „Wie Petrus und die Jünger im Boot auf dem See von Galiläa wusste

ich, der Herr ist im Boot, ja, es ist sein Boot. Er führt das Schiff der Kirche. Nichts kann diese Gewissheit verdunkeln. Ich lade euch ein, in diesem Jahr des Glaubens euer Vertrauen in den Herrn zu erneuern; sein Arm hält uns, auch und gerade in der Mühsal. Mein Wunsch ist, dass alle die Freude spüren, wie schön es ist, Christ zu sein und zur Kirche zu gehören”, sagte er.

„Christus treu geblieben”

Zum Abschied hat ihm die eigene Kirche Respekt gezollt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte in einem Dankgottesdienst in der Kirche Santa Maria in Traspontina am Mittwoch, Benedikt XVI. sei eine Person, die „sich selbst so treu geblieben ist, wie selten ein Mensch – einfach, weil er Christus und seiner Botschaft treu geblieben ist”. Weiter hieß es: „Wie viel Widerspruch, Ablehnung, Verständnislosigkeit und Desinteresse unser Glaube derzeit erfährt, war auch Papst Benedikt XVI. bestens vertraut; auch die Versuche, den Glauben ins Private zurückzudrängen, und nicht zuletzt die schrecklichen Christenverfolgungen in vielen Ländern der Erde.” Er habe es jedoch verstanden, der „markante Fels in der mitunter stürmischen Brandung des Zeitgeistes zu sein”. Der Papst habe in seinem Pontifikat deutlich werden lassen, dass es unverzichtbar zum Kern des Papstamtes gehöre, „sich einzusetzen und unermüdlich zu werben für das große Ziel der Einheit der Christen”.

Das sieht nicht jeder so. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kritisierte am Donnerstag im Deutschlandfunk, Benedikt habe keine weitere Annäherung zwischen katholischer und protestantischer Kirche möglich gemacht. Vom nächsten Papst wünsche er sich, dass dieser weiter das Gespräch mit den Kirchen der Reformation sucht. Ein wichtiges Ziel wäre das gemeinsame Abendmahl katholischer und evangelischer Christen. In einem offiziellen Schreiben fand Schneider auch anerkennende Worte:

Benedikt XVI. habe über 60 Jahre als Priester und Professor, als Erzbischof von München und Freising, als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation sowie als Bischof von Rom mit großer Pflichterfüllung und Treue als „einfacher und bescheidener Arbeiter im Weinberg des Herrn” gedient. Es sei Benedikt bei der Ausübung seiner Ämter immer wichtig gewesen, „zuerst auf unseren Herrn Jesus Christus hinzuweisen”.

Grenzen der Ökumene

„Besonders dankbar” äußerte sich der Ratsvorsitzende in seinem Brief zum Besuch des scheidenden Papstes im Augustinerkloster zu Erfurt am 23. September 2011: „Dass Sie damals unserer Einladung nach Erfurt folgten und somit als erster Papst und Bischof von Rom einen Ort besuchten, an dem Martin Luther gelebt und gewirkt hat, haben wir als ein großes Zeichen der Wertschätzung empfunden. In Ihrer Ansprache im Kapitelsaal des Augustinerklosters haben Sie eindrucksvoll bekannt, dass Martin Luthers existentielle Frage ‚Wie kriege ich einen gnädigen Gott’ Sie selbst immer wieder ins Herz treffe und uns alle daran erinnere, dass die Frage nach Gott auch unsere Frage werden müsse und dass das Mitleben und die Liebe zu Christus unser Leben bestimmen müsse.”

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber, betonte den unermüdlichen Einsatz des Papstes, „den Glauben zu Gehör zu bringen”. Der scheidende Papst sei stets „ein intellektuell beeindruckender Gesprächspartner” gewesen. Zugleich könne aus evangelischer Perspektive eine erste, vorläufige Bilanz gezogen werden, die auch die Grenzen der ökumenischen Bemühungen benennt. „Generell waren seine Predigten und Ansprachen immer wieder von einer beeindruckenden Christusbezogenheit geprägt, die von evangelischer Seite nur gewürdigt werden kann.” Allerdings seien die ökumenischen Chancen des Erfurter Besuches nicht voll genutzt worden. „In Erinnerung wird wohl vielmehr die unglückliche Äußerung des Papstes bleiben, dass er kein ökumenisches Gastgeschenk habe mitbringen können.”

Gewohnt kritische Worte fand der Theologe Hans Küng am Donnerstag im RBB-Inforadio: Während seines knapp achtjährigen Pontifikats habe der Papst wichtige Reformen verhindert. Sowohl unter dem Vorgänger Johannes Paul II. als auch unter Benedikt habe es einen „Reformstau sondergleichen” gegeben. Bei Fragen zu Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsabbruch und Ehescheidung müsse sich die Kirche bewegen, um nicht noch mehr Anhänger zu verlieren. Der Riss zwischen Vatikan und Kirchenbasis sei größer geworden. „Die Kirche ist jetzt in einer tiefen Krise.” Notwendig sei ein mutiger Nachfolger, um die Probleme zu lösen.

Rücktritt verweltlicht Pontifikat

Die Zeitung Die Welt warf dem Papst am Donnerstag eine Verweltlichung seines Amtes vor. Richard Herzinger kommentierte: „Indem Josef Ratzinger angab, er könne das schwere Amt des Kirchenführers aus nachlassender physischer Kraft nicht mehr mit der nötigen Leistungsfähigkeit ausüben, sprach er wie ein Regierungschef oder Vorstandsvorsitzender eines Konzerns, nicht wie ein Heiliger Mann, der durch seine Transzendierung in die Sphäre des Sakralen der Diesseitigkeit bereits entrückt war.” Weiter schrieb er: „Dieser Eindruck wird noch verschärft, wenn zutreffen sollte, dass der Papst in Wirklichkeit vor dem Ausmaß von Bestechlichkeit, Missbrauch und Ausschweifungen im Vatikan und in der Kirche das Handtuch geworfen hat. Es entsteht dadurch das Bild eines überforderten Managers, der den eigenen Laden nicht im Griff hat und entnervt die Brocken hinwirft.”

Als „Fahnenflucht” bezeichnete Spiegel Online den Rücktritt des Pontifex. Autor Frank Hornig schrieb: „Irdische Maßstäbe können nicht gelten, wenn es, aus systemimmanenter Sicht, um höchste Werte geht. Im Lichte der Ewigkeit nämlich ist Benedikts Rücktritt kein weiser Beschluss zum Wohl der Kirche.” Seine Papstwerdung sei ein Akt des Glaubens, seine Entpapstlichung ein Akt der Vernunft. „Menschlich verständlich, theologisch gesehen aber ein Skandal: Der Heilige Vater stuft sich zum Heiligen Opa herab. Er, der gegenüber seinen Gläubigen soviel Strenge bewies, zeigt Milde gegenüber sich selbst.”

Daniel Deckers von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warf einen Blick auf die ökumenische Bilanz Benedikts: „Ein Besuch an einer der Wirkungsstätten Luthers in Erfurt war das Äußerste, was er dem Protestantismus westlicher Prägung an Respekt zollte. Für die evangelikalen und pfingstkirchlichen Strömungen, die in manchen Ländern des Südens mittlerweile mehr Anhänger haben als alle anderen christlichen Kirchen zusammen, fand er nicht einmal Worte. Der Horizont seines Denkens und Handelns blieb zeitlebens die Alte Welt.”

Satire zum Abschied

Mit beißendem Humor verabschiedete sich das französische Magazin Charlie Hebdo vom höchsten Katholiken. Auf dem aktuellen Titel der Satirezeitschrift ist das Konklave zur Papstwahl als Schwulentreffen abgebildet. Die Zeichnung mit dem Untertitel „Gay-Lobby im Konklave – Wann kommt der Rauch denn?” zeigt die Kardinäle nackt beim Kreistanz mit hochgezogenen Gewändern. Vergangene Woche hatte die italienische Presse einen Zusammenhang zwischen einer angeblichen Schwulen-Lobby im Vatikan und Papst Benedikts Rücktritt hergestellt. (pro/dpa)

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