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Zensur bei der taz?

Hat die Tageszeitung (taz) einen Grünen-kritischen Beitrag nicht abgedruckt, weil es dem Wahlkampf der Partei schaden könnte? Das zumindest vermutet Medienjournalist Stefan Niggemeier in seinem Blog.

Von PRO

Foto: boellstiftung/CC BY-SA 2.0

In der Wochenendausgabe der taz sei ein breit angelegter Artikel zum Thema Pädophilie bei den Grünen geplant gewesen, berichtete Niggemeier am Sonntag in seinem Blog. Darin arbeite sich der Autor Christian Füller am Thema ab, schreibe unter anderem: „Pädophilie aber war keine Nebensache bei den Grünen, sondern in der Ideologie angelegt.” Füller kommt zu dem Schluss, die katholische Kirche arbeite den Missbrauch „besser und gründlicher” auf als die Grünen. Dort weigere sich „Bischof Trittin” standhaft, eine Anlaufstelle für die Opfer grüner Päderasten einzurichten.

Kurz vor Erscheinen habe Chefredakteurin Ines Pohl die Ressortleitung angewiesen, den Artikel aus der Wochenendausgabe zu entfernen. Er strotze vor falschen Tatsachenbehauptungen und habe keinen aktuellen Kontext, habe sie ihre Entscheidung begründet. Zuvor war der Beitrag vom Justiziar der Zeitung als juristisch unbedenklich eingestuft worden. In einer weiteren Besprechung zu dem Thema am Montag habe Pohl sich über falsche Kausalzusammenhänge empört. Am vergangenen Dienstag hatte die taz hingegen auf der Titelseite erklärt, die pädophilen Verstrickungen der Partei in ihren Anfangsjahren seien erledigt. „Aufgeklärt!” hieß es da neben dem Logo der Grünen in einer Titelzeile. Die Grünen hätten sich längst von den Pädophilen ihrer früheren Zeit abgegrenzt, erklärt ein Politologe in der Ausgabe.

„Das war alles nackte Nazisprache”

Niggemeier zeigt in seinem Artikel zudem Verstrickungen zwischen Grünen und taz auf: So habe der Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit im Frühjahr über die taz gesagt: „Das ist unsere Zeitung.” Der Journalist Christian Füller habe den Verdacht, dass das in der taz umgekehrt ähnlich gesehen werde. So habe ihm ein kritischer Artikel über Cohn-Bendit in der Redaktion verächtliche Reaktionen eingebracht, eine geplante Debatte zum Thema Cohn-Bendit habe Ines Pohl nach einem Gespräch mit dem Politiker untersagt. Nun wirft Füller der Zeitung Zensur vor.

Am Montag griff auch die Tageszeitung Die Welt das Thema auf und warf der taz vor, bei anderen Themen weit weniger selektiv vorzugehen: „Andere Texte durften erscheinen. Zum Beispiel Ende 2012 einer über Thilo Sarrazin, in dem stand, auch wenn man wisse, dass Sarrazin einen Schlaganfall gehabt habe, dürfe man ihn ‚eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen’ und ihm nur wünschen, ‚der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten’.” Oder einer über möglicherweise vor der Entlassung stehende Kollegen der zum Springer-Verlag gehörenden BZ: „Die Arbeitslosigkeit dieser Kollegen ist ein Gewinn für die Stadt”, schrieb die taz. Die arbeitslosen Redakteure hätten die Chance, „doch noch zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft” zu werden. Die Welt schlussfolgert: „Das war alles nackte Nazisprache, und daran störte sich in der ‚taz’ kaum jemand.” (pro)

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