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Zehn Gebote für die Postmoderne

Wie zeitgemäß sind die zehn Gebote? Dieser Frage widmet sich das Schweizer Magazin "Der Beobachter" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Redaktion überträgt die Weisungen Gottes auf die Postmoderne. Da werden Handys zur Fremdgehfalle und die Musikindustrie zum Verbreitungsorgan für Blasphemie.   

Von PRO

Foto: Der Beobachter

"Die Zehn Gebote, oder wesentliche Teile davon, sind moralische Regeln, die als eine Art Ur-Software seit je die menschlichen Kulturen steuern. Wo sie nicht mehr funktionieren, wo wesentliche Regeln ausser Kraft sind, ist eine Kultur von innen her bedroht", heißt es im Editorial des "Beobachters". Je zwei Artikel widmet das Magazin den einzelnen Geboten und fragt, welche Werte überhaupt noch gelten. Eine Umfrage des Magazins unter 1.000 Männern und Frauen verrät: Am wichtigsten ist den Schweizern ihre Gesundheit, das Familienleben und die persönliche Sicherheit. Wichtiger geworden ist die Pflege von Freundschaften, Respekt, Wertschätzung und Toleranz. Zudem sorgen sich die Befragten um die Umwelt und wünschen sich Frieden. Sie stellen ein Schwinden von Ehrlichkeit und Solidarität fest. Religion und die Pflege von Traditionen empfinden nur noch wenige als wichtig. Falls doch, sehen sie diese Werte bedroht.

Wirtschaft: Der Tanz ums goldene Kalb

Im Artikel "Dicke Fische, fette Beute" zeigen die Autoren den Bankerkampf um Bonuszahlungen als modernen "Tanz ums goldene Kalb" auf und die Wirtschaftskrise als Folge der Erhebung des Geldes zum Gott. Beim Thema Blasphemie steht die Musikindustrie im Vordergrund. Die Autoren bemerken: "Der Tabubruch hat sich abgenutzt, die Blasphemie ist so kommerzialisiert, dass sie ihren Schrecken verloren hat. Gotteslästerung holt keinen mehr hinter dem Ofen hervor, provozieren lässt sich allenfalls noch mit Nazisymbolik, wie die deutsche Gruppe Rammstein es vorexerziert. Wer als Musiker aber wirklich für Aufhorchen sorgen will, preist den Namen des Herrn, wie die Söhne Mannheims es tun." Zehn "Fluchregeln" sollen das Thema weiter in die Moderne übertragen.

Das Thema Sonntagsruhe bearbeitete der "Beobachter" mit einem Selbstversuch. Drei Tage und Nächte lang sollte sich eine Autorin der absoluten Stille ausliefern. Zurückgezogen am Zürichsee tat sie 73 Stunden lang nichts, weder lesen noch TV sind erlaubt. "Bekannten, denen ich von meinem Vorhaben erzählte, entfuhr meist unwillkürlich ein ‘Oh Gott, das wird sicher extrem langweilig werden’, als sprächen sie vom Unaussprechlichen, von Satan selbst. Allmählich dämmerte mir, worauf ich mich da eingelassen hatte", schreibt sie und schließt das Experiment am Morgen des dritten Tages mit den Worten ab: "Heute darf ich heim! Nach genau 73 Stunden und 32 Minuten schließe ich die Türe zu meinem Refugium ab. Mitnehmen werde ich die Erkenntnis, dass Nichtstun – zumindest in Teilen – die Kindheit zurückbringen kann. Und dass es trotz allem eine gute Idee war, das mit dem Ruhen."

"Fast nicht möglich, treu zu sein"

"Wenn Kinder ihre Eltern schlagen" ist ein Thema des Magazins ebenso wie Suizid und Patientenverfügungen. "Handys haben das Fremdgehen revolutioniert", meint Paartherapeut Klaus Heer zum sechsten Gebot. Weiter erklärt er: "Es ist fast nicht möglich, ein ganzes Leben lang immer treu zu sein. Weil man unvollkommen ist. Und manchmal lebenslustig." Dennoch sei jede Untreue eine "Naturkatastrophe" für die Beziehung. "Wenn ein Mensch die Bibel zu seiner Richtschnur wählt, ist das alles andere als Blödsinn. Dann ist dieses Gebot genau richtig. Orientiert sich jemand eher an Werten wie ‘mehr Selbstbestimmung’ oder ‘mehr Lebendigkeit’, will er sich nicht von außen leiten lassen", heißt es weiter. Dazu gibt der "Beobachter" Tipps zur Belebung einer Beziehung.

Um das Gebot "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus" zu illustrieren, unternimmt das Magazin einen Ausflug nach Afrika. Dort sprechen Experten mittlerweile von einem "neuen Kolonialismus". Gemeint ist: "Reiche Länder kaufen sich südlich der Sahara massenweise Landwirtschaftsland zusammen.(…) Mit dabei sind vor allem Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar, die reich an Öl, aber arm an fruchtbarem Land sind, sowie Schwellenländer wie China. Aber auch immer mehr multinationale Konzerne und zunehmend institutionelle Anleger wie Pensionskassen sind in Afrika auf Shoppingtour", schreibt der "Beobachter".

Gebote, die Mose nicht aufschrieb

"Für die Kirche ist Neid eine Todsünde. Doch wer sich ihm stellt und die richtigen Schlüsse zieht, kann davon profitieren. Denn oft ist Neid eine treibende Kraft für Innovation", heißt es in einem Artikel zum zehnten Gebot "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib". Zu den biblischen zehn Geboten fügt der "Beobachter" noch ein elftes hinzu, "Du sollst deine Umwelt bewahren", weil es "die Zeit verlangt", wie Abenteurer und Arzt Bertrand Piccard fordert. Deshalb arbeitet er an einem Projekt, das es ermöglichen soll, mit einem Solarflugzeug die Welt zu umrunden.

"Jammerschade" findet es der "Beobachter", dass Gott mit seinen Geboten nicht "noch ein paar andere Dinge ein für allemal hätte regeln können." In einer Glosse macht das Magazin Vorschläge: "Dieser Tage zum Beispiel vermisste ich folgendes Gebot: Du sollst im Tram nach dem Einsteigen den Türbereich freigeben und weitergehen, damit dein Nächster auch noch Platz finde." Ein weiteres Anliegen: "Du sollst den Tag des Herrn nicht ent­weihen, indem du um fünf Uhr morgens Schnee räumest, so dass die Schaufel auf dem Asphalt kratzet. Das sollst du vor allem dann nicht tun, wenn es noch schneit und sowieso niemand so früh aus den Federn will." Oder zu guter Letzt: "Im Sommer dürfte übrigens gern das Am-Wochenende-sollst-du-den-lärmenden-Rasenmäher-ruhen-lassen-Gebot zum Tragen kommen." (pro)

http://www.beobachter.ch/die-10-gebote/
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