Das christliche Medienmagazin

Wulffs Werk und Diekmanns Beitrag

Ist Bundespräsident Christian Wulff ein Opfer der Medien oder seines eigenen Handelns? Diese Frage wird derzeit nicht nur im Netz heiß diskutiert. Der Medienethiker Alexander Filipovic meint: Der Bundespräsident hat die Medien immer als Bühne missverstanden. Aber auch viele Journalisten haben sich zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert.

Von PRO

Foto: Martina Nolte/ Philipp Neuhaus/ Collage pro

Bundespräsident Christian Wulff hat aus Sicht eines Medienethikers als Staatsmann versagt, verdient aber als Mensch eine zweite Chance. "Jeder Mensch hat eine Chance verdient, wenn es um Moral geht, um gutes, menschliches Miteinander", sagte Filipovic der "Deutschen Presse-Agentur" (dpa) in Münster.

Filipovic ist Ethikexperte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft und am Institut für Christliche Sozialwissenschaft der Universität Münster beschäftigt. Aus seiner Sicht ist es erklärbar, dass die Mehrheit der Bundesbürger Wulff einen Neuanfang gönnt, obwohl er nur noch das Vertrauen der Minderheit genießt. Laut Filipovic zählt, ob Wulff sich strafbar gemacht hat oder nicht. "Wenn ein Bundespräsident tatsächlich gegen Recht verstößt, dann kann er nicht Staatsoberhaupt bleiben."

Der erste Mann im Staate habe ein verzerrtes Bild von der Aufgabe der Medien, sagte der Ethikexperte. "Wulffs Aktionen zeigen für mich ganz eindeutig, dass er die Medien nicht als kritische Öffentlichkeit mit einer wichtigen Aufgabe begreift, sondern als Bühne, auf der man gut und schlecht dastehen kann."

"Schuld ist Wulff"

Genauso bedenklich sei aus ethischer Sicht aber auch die Reaktion vieler Medien, sagte Filipovic. "Wenn Christian Wulff demontiert wird, und er ist Bundespräsident, dann nimmt natürlich auch das Amt Schaden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man nicht richtig trennen kann – vor allem auf der Ebene der Bilder und Emotionen – zwischen dem Amt und der Person, die das Amt ausübt."

Hier seien viele Journalisten ihrer Rolle nicht gerecht geworden. "Es gibt eine emotionale Berichterstattung – statt einer sachlichen." Filipovic warnt: "Ich glaube, dass der Unterhaltungsjournalismus die politischen Dimensionen ausblendet und seiner politischen Verantwortung nicht gerecht wird." Dennoch sei der Auslöser klar: "Schuld daran ist Wulff – mit diesem äußerst peinlichen Anruf."

Damit spielte der Ethikexperte auf den Anruf auf die Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann an, mit dem Wulff eine Berichterstattung über die Finanzierung seines Privathauses verzögern oder verhindern wollte. (dpa/pro)

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