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„Wort zum Sonntag“: Nächstenliebe vor Recht in der Coronakrise

Wenn Christen auf dem Recht zur Öffnung von Kirchen und Gottesdiensten pochen, dürfe nicht der Egoismus im Vordergrund stehen. Nächstenliebe bedeute auch, den anderen zu schützen – vor Corona. Das sagte der freikirchliche Pastor Christian Rommert im „Wort zum Sonntag“ im Ersten.
Von Jörn Schumacher
Pastor Christian Rommert im „Wort zum Sonntag“: Ob Gottesdienste in der Coronakrise stattfinden sollen, ist auch eine Frage des Schutzes vor Ansteckung

Foto: ARD / Wort zum Sonntag

Pastor Christian Rommert im „Wort zum Sonntag“: Ob Gottesdienste in der Coronakrise stattfinden sollen, ist auch eine Frage des Schutzes vor Ansteckung

Er sei am Freitag mit dem Bus in die Innenstadt gefahren, sagte Christian Rommert, Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), am Samstagabend in der ARD-Sendung „Das Wort zum Sonntag“. Ihm sei aufgefallen, dass sowohl im Bus, als auch in der Innenstadt kaum etwas von Rücksichtnahme zu spüren gewesen sei. „Irgendwie will niemand ausweichen oder Abstand halten. Und keiner trägt eine Maske“, so Rommert. Außerdem habe er eine kleine Ansammlung von Menschen gesehen.

Die Lockerungen im Kampf gegen das Corona-Virus seien gerade ein paar Tage alt, so Rommert, aber er vermisse das notwendige Verantwortungsbewusstsein. Stattdessen sehe er „Shopping und Flanieren, bis das Ordnungsamt kommt“. Er frage sich: „Geht es in diesen Tagen eigentlich nur mit Zwang?“

Rommert betont, dass die Masken verhindern sollen, Mitmenschen anzustecken. „Als Pastor würde ich Ihnen gerne erzählen, dass wenigstens Kirchen und Christen ein leuchtendes Beispiel für verantwortungsvolles Handeln abgeben. Dass sie alles tun, damit es den anderen gut geht. Machen viele ja auch. Aber zugleich höre ich da: ‚Warum darf der Friseur öffnen, und wir dürfen nicht in den Gottesdienst?‘“ Er könne zwar die Forderung nach Wiederöffnung der Kirchen nachvollziehen, sehe darin aber auch eine Spur von Egoismus.

Rommert ist mit Verweis auf die Bibel der Meinung: Ein guter Gottesdienst ist der: den Waisen und Witwen in ihrer Not beistehen und sich an dem ungerechten Treiben dieser Welt nicht beteiligen. Daraus folgert er: Nächstenliebe bedeute auch, einzugestehen, dass mit der Öffnung der Kirchen noch gewartet wird. Dass den Geschäften erlaubt wird zu öffnen, habe damit zu tun, einen wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. „Wer irgendwie kann, sollte sich jetzt freiwillig hinten anstellen. Egal welches Recht es gibt, das er einfordern kann.“

Christian Rommert war neun Jahre als Pastor in der Immanuelskirche Bochum und sechs Jahre als Geschäftsführer des Gemeindejugendwerkes des BEFG in Elstal. Inzwischen lebt er wieder im Ruhrgebiet und engagiert sich als Redner, Autor und Initiator kirchlicher Kampagnen.

Katholische Kirche erinnert an das Recht der freien Religionsausübung

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am Freitag „Eckpunkte einer verantwortlichen Gestaltung von Gottesdiensten“ im Hinblick auf eventuelle Lockerungen des Versammlungsverbotes vorgestellt. Darin mahnt sie auch eine Selbstverpflichtung an, die neben „strenger Hygieneauflagen“ für Gottesdienste auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz im Gottesdienstes und einen Verzicht auf liturgische Berührungen vorsieht. Vom gemeinsames Singen soll in den Gottesdiensten wegen des „besonders hohen Infektionsrisikos” abgesehen werden.

Der Katholik Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zeigt sich deutlich kritischer und erklärte am 15. April: „Das Verbot öffentlicher gemeinsamer Gottesdienste greift allerdings tief in das Recht der freien Religionsausübung ein und war insbesondere während der Kar- und Ostergottesdienste für viele Gläubige nur schwer zu ertragen.“

Von: Jörn Schumacher

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