Das christliche Medienmagazin

Wo chrismon draufsteht, muss Christusrelevantes drin sein

Das evangelische Magazin chrismon ist grafisch pfiffig, nicht frömmelnd und weltoffen. Etwas mehr Evangelium darf aber sein. Eine Kolumne von Jürgen Mette
Von PRO
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Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.
Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Kennen Sie das chrismon-Versteckspiel? Wer zuerst einen Artikel mit einer christlichen Aussage findet, hat gewonnen. Am 4. Januar haben wir es mal wieder gespielt. Ich hab gewonnen.

Sie kennen doch chrismon, das „evangelische“ Magazin der EKD. Als Abonnent der ZEIT erhalte ich das Heft als Beilage der Wochenzeitung. Gratis. Das Blatt muss sich nicht rentieren, schließlich schießt die EKD jährlich vier Millionen Euro zu. Und an Geld fehlt es offenbar nicht. Also für mich als Kirchensteuerzahler doch nicht ganz gratis. Aber ich lese gern dieses Monatsperiodikum mit einer Reichweite von 1,5 Millionen Leser. Das Blatt ist grafisch pfiffig gemacht, es kommt nicht frömmelnd daher und lässt nicht die Spur eines vehementen Sendungsbewusstseins erkennen. Unaufdringlich, unterhaltsam, niederschwellig, weltoffen. Wenn mir ein Artikel besonders gut gefällt, dann bedanke ich mich bei den beiden Chefs, die ich persönlich kenne und schätze. Wir kennen uns vom Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd. Arnd Brummer als Chefredakteur und GeP-Direktor Jörg Bollmann als chrismon Geschäftsführer. Beide nette und talentierte Kollegen. Unvergessen Jörg Bollmanns grandiose Vorträge zur christlichen Publizistik. Fachlich tiefschürfend, scharf beobachtend und immer mit reichlich Wortwitz pointiert.

So lange ich chrismon lese, frage ich mich immer und zunehmend, worin das evangelische Profil zum Ausdruck kommt. Ich lese gut gemachte Artikel, aber mir erschließt sich das Evangelische nicht. Was ist originär evangelisch und was bekomme ich auch bei meiner Friseur-Lektüre in der Apothekenrundschau, in der Gala, GeoSaison oder im Gourmet zu lesen?

Die Titelstory interessiert mich. Bastian Pastewka und Bärbel Schäfer plaudern über das Altern. Das zweite Topthema handelt von gelingenden Sprechstunden. Ich versenke mich in die Lektüre und stelle fest, es gibt nicht ansatzweise einen Bezug zum christlichen Glauben. Sehr eindringlich hingegen der Artikel über Leon Weintraub, der Auschwitz überlebt hat.

Zur Marke stehen

Ich suche weiter und werde fündig. Die exklusiv evangelische – das heißt die glaubensstärkende und Glauben weckende Aussage – steht auf Seite 22. Dirk von Nayhauß interviewt die Schriftstellerin Charlotte Link, die ihre Schwester verloren hat. Und so liest sich das, wonach ich so gesucht habe: „Die Auferstehung der Toten und das ewige Leben, diese Worte im Glaubensbekenntnis sind meine ganze Hoffnung! Ich freue mich darauf, ihr wieder zu begegnen. Diese Vorstellung finde ich unglaublich tröstlich.“

Was für ein glaubensstarkes Zitat. Das ist es, was den Unterschied macht. Das Zeugnis von Jesus Christus. Bitte mehr davon. Wo chrismon draufsteht, muss reichlich Christusrelevantes drin sein. Fairerweise muss ich hinzufügen, dass es auf den 56 Seiten auch einen (!) biblischen Bezug gibt, nämlich bei Eduard Kopps Beitrag zur Gewissensfreiheit. Immerhin. Oder habe ich weitere biblische Bezüge übersehen?

Ich ermutige die chrismon-Redaktion ausdrücklich zu mehr Evangelium. Alles andere kriegen die Leser sonst wo. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe.

Von: Jürgen Mette

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