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Wirtschaften Protestanten besser?

Vor etwa 100 Jahren stellte der Religionssoziologe Max Weber seine berühmte These auf, nach der es einen Zusammenhang zwischen Protestantismus und wirtschaftlichem Erfolg gibt. Die aktuelle Finanzkrise scheint diese These zu bestätigen, wie eine aktuelle Studie des englischen Wirtschaftsforschers Sascha O. Becker zeigt.
Von PRO

Foto: University of Warwick

Die Reformation wirke bis heute nach – nicht nur im religiösen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne, schreibt die Tageszeitung "Die Welt" und beruft sich dabei auf die Studie des Ökonomen von der Universität Warwick in England. Demnach bilde die aktuelle europäische Finanzkrise das Missverhältnis zwischen protestantischer Arbeitsmoral und dem früheren katholischen Bildungsrückstand ab. So könnten die überwiegend protestantischen Länder Nordeuropas besser mit Finanzen umgehen als die überwiegend katholischen südeuropäischen Länder.

In Deutschland, so Becker laut "Welt", habe sich der Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten nach dem Zweiten Weltkrieg zwar angeglichen. Doch selbst zur Jahrtausendwende seien noch Unterschiede feststellbar: Im Durchschnitt investierten Protestanten ein Jahr mehr in die eigene Ausbildung, hätten ein höheres Bildungsniveau und ein um fünf Prozent höheres Einkommen als Katholiken. Zwar sei dieses Phänomen nicht nur auf die Religion zurückzuführen, "aber durch ihr stärkeres Bildungsstreben haben sich die Protestanten bis heute einen wirtschaftlichen Vorteil verschafft", zitiert die "Welt" den Ökonomen.

Auch für Jan Fleischhauer, konservativer Spiegel-Redakteur und Blogger auf "Spiegel Online", zeigt die aktuelle Finanzkrise in Europa den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Protestantismus. Er vermutet, dass der Streit um den richtigen Weg aus der Finanzkrise entlang der Konfessionsgrenzen verläuft. Während der katholische Süden die Gelddruckmaschinen anwerfen und weiter auf faule Kredite bauen wolle, dränge der protestantische Norden auf eine Politik der Entschuldung. Diese Einstellung des Nordens sieht Fleischhauer im reformatorischen Denken angelegt: "Tatsächlich geht mit der aufgeklärten Rationalität des evangelischen Denkens eine Geschäftsklugheit einher, die wesentlich zur Wohlstandsproduktion in Europa beigetragen hat."

Die diskutierte These geht auf den Religionssoziologen Max Weber zurück. In seinem berühmten Werk "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" zeigt er, wie die verschiedenen Konfessionen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, zu einem höheren Bildungsniveau der Bevölkerung und zum wirtschaftlich-nüchternen Denken beigetragen haben. Insbesondere der Calvinismus habe dieses Denken gefördert, da er die Ansicht vertrat, die Erwählung Gottes sei zwar unverfügbar, zeige sich aber mitunter im wirtschaftlichen Erfolg. (pro)

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