Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler warnte davor, sich allein auf nationales Wirtschaften zu konzentrieren

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler warnte davor, sich allein auf nationales Wirtschaften zu konzentrieren

„Wenn man sich auf seine Werte besinnt, kann man erfolgreich sein“

Auf christlichen Werten basierender Handel ist zukunftsfähig. Das hat der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler in Nürnberg gesagt. Er warnte gleichzeitig davor, sich zu sehr auf nationales Wirtschaften zu konzentrieren.

Werteorientiertes Wirtschaften ist zukunftsfähig. Das hat der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler beim Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg erklärt. Es gehe darum, seine Werte im Alltag zu leben. Rösler bezog das vor allem auf Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ländern und Unternehmen. „Man muss deutlich machen, dass man aufgrund von Werten handelt. Das wird spannend gefunden."

Bei seiner Arbeit als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des World Economic Forums habe er oft erfahren, dass das unternehmerische Handeln der Deutschen international beeindrucke. Deutsches Unternehmertum sei „absolut wertegeleitet“. Weltweit sei es nicht selbstverständlich, als Grundprinzip für den Handel die Würde des Menschen zu vertreten, so wie es in Deutschland gehandhabt werde. Auch beim Thema fairer Handel agiere kaum ein Land so konsequent wie Deutschland. Das zeige ihm: „Wen man sich auf seine Werte besinnt und nicht jedem Trend folgt, kann man auch in Zukunft erfolgreich sein."

Den anderen mit seinen Werten stehen lassen

Die soziale Marktwirtschaft, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, sei dafür verantwortlich, dass in Deutschland diese Standards herrschten. Der christliche Glaube mit seinen Werten habe großen Einfluss darauf gehabt. „Die soziale Marktwirtschaft ist weit mehr als nur ein Wirtschaftssystem“, sagte Rösler. Er sei „fest davon überzeugt“, dass es das beste System ist, was man sich denken könne.

Auch wenn einem das Handeln nach einen christlichen Wertebild wichtig sei, dürfe man nicht „missionieren“ wollen. Gerade in der Weltwirtschaft komme es darauf an, den anderen mit seinen anderen Werten und Überzeugungen stehen zu lassen. „Weltweit werden Werte völlig unterschiedlich beurteilt", sagte Rösler. Seine eigenen Vorstellungen dürfe man deshalb nicht einfach übertragen. Als Beispiel verglich er westliche Länder und Asien miteinander: „Im Westen soll vor allem die Freiheit des Einzelnen gegen eine Diktatur der Mehrheit verteidigt werden. In Asien geht es darum, die Gemeinschaft gegen den Missbrauch durch Einzelne zu schützen."

Rösler: Nicht nur auf nationale Wirtschaft konzentrieren

Rösler ging auch auf das Erstarken national orientierter Parteien in Europa ein. Trotz der Standards der sozialen Marktwirtschaft seien viele Menschen von Wirtschaft und Politik enttäuscht. „Die Werte, die man versprochen hat, sind bei vielen Menschen nicht angekommen. Weder in Asien, Europa oder in den USA.“ Mit Hinblick auf den Brexit und die US-Wahl sagte Rösler, viele wollten deshalb komplett aussteigen, anstatt die Fehler nur zu beheben.

Bei den Kongress-Besuchern war ein Foto mit Rösler begehrt

Bei den Kongress-Besuchern war ein Foto mit Rösler begehrt

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister warnte jedoch davor, sich zu stark auf die nationale Wirtschaftspolitik zu konzentrieren. „Die Wirtschaft wird sich trotzdem weiter ausbreiten.“ Je weniger multilaterale Abkommen es gebe, desto unkontrollierter werde das aber geschehen. „Der Welt ging es immer vergleichsweise dann gut, wenn man kooperiert hat", fügte Rösler hinzu. Diejenigen, die für mehr nationale Wirtschaft plädierten, müsse man jedoch ernst nehmen. „Man darf nicht sagen: ,Die sind doof.'", sagte Rösler. Stattdessen müsse man ihre Sorgen ernst nehmen und versuchen, daran anzuknüpfen. (pro)

Von: sz

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