Plansecur-Chef Johannes Sczepan

Plansecur-Chef Johannes Sczepan

Plansecur-Chef: „Wer Treue hat im Geben, wird bekommen, was er zum Leben braucht“

Wirtschaftsfachleute sagen, dass der gewohnte Besitzstand nach der Corona-Krise nicht gehalten werden kann. Plansecur-Chef Johannes Sczepan rät, Vermögen zu streuen und auch in der Krise wirtschaftliche Sorgen im Gebet abzugeben.

Der Finanzdienstleister Plansecur ist eine konzernunabhängige Unternehmensgruppe für Finanzplanung und Vermittlung, die sich seit ihrer Gründung 1986 zu ethischen Grundsätzen bekennt. Geschäftsführer des Unternehmens ist Johannes Sczepan. pro hat mit dem Betriebswirt, Finanzexperten und Christ über die wirtschaflichen Folgen der Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Altersvorsorge gesprochen.

pro: Die Bundesregierung hilft wegen der Corona-Krise mit hunderten Milliarden Euro der Wirtschaft, um so Firmenpleiten abzuwenden und drohender Arbeitslosigkeit zu wehren. Das bedeutet auch, dass die Geldmenge wächst, das Angebot aber stagniert und die Menschen können ohnehin nur wenig konsumieren, weil sie daheimbleiben müssen. Was bedeutet das für das Ersparte von Oma Lieschen Müller?

Johannes Sczepan: Das, was bereits seit Jahren mit dem Ersparten passiert. Durch die sehr lange Zeit der nahezu Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine Geldentwertung da, die wir bisher noch nicht deutlich in Inflationsraten, unabhängig von der Coronakrise, gesehen haben. Die Welt ist geflutet mit Geld. Alle Notenbanken, wie die EZB, die FED, die Bank of England und andere drucken Mengen davon und damit ist zu viel Geld im Umlauf. Das entwertet die Anlagen der Sparer. Es werden seit Jahren die bevorteilt, die Schulden machen, und das ist nicht gut. Die „Null-Neuschulden-Politik“ der Bundesregierung ist nun auch durchbrochen worden. Im verabschiedeten Hilfspaket sprechen wir nicht mehr über Milliarden, sondern wir reden wegen der Coronakrise mittlerweile von rund einer Billion Euro, und das geht nur mit einer Neuverschuldung. Und diese Summen, die sind nur schwer zu verkraften. Normale Sparer können kaum noch Zinsen erwarten.

War denn aus Ihrer Sicht der Shutdown falsch?

Das kann ich nicht sagen. Aber wenn ich daran denke, habe ich ein zweifelhaftes Gefühl. Richtig ist, dafür zu sorgen, dass die exponentielle Entwicklung des Coronavirus nicht weiter fortschreitet. Aber die Frage drängt sich auf: Hätte der Shutdown nicht das letzte Mittel sein müssen, wenn alle anderen Mittel durch Schutzkleidung und so weiter nicht funktioniert haben? Hier wird eines deutlich: Es ist versäumt worden, entsprechende Vorkehrungen zu treffen und Schutzkleidung ausreichend vorzuhalten. Das Versagen ist weltweit. Mit dem schärfsten Mittel - dem Kontaktverbot und damit auch dem Wirtschafts- und Handelsverbot – wurde die Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Es muss sichergestellt werden, dass die Wirtschaft in den nächsten drei bis vier Wochen wieder anlaufen kann.

Womit muss man schlimmstenfalls rechnen?

Der Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise 1929 steht im Raum. In Österreich haben in den vergangenen drei Wochen so viele Menschen ihre Arbeit verloren, dass in diesem März 52 Prozent mehr Menschen arbeitslos sind, als es im März 2019 waren. Da bekommt man eine leise Ahnung, was passieren wird, wenn nicht in den nächsten Wochen der Apparat der Wirtschaft wieder angefahren werden kann. Dann wird selbst das Geld, das jetzt in die Wirtschaft gepumpt wird, nicht reichen. Wenn die aktuellen Maßnahmen des Kontaktverbotes nicht ausreichen oder sogar noch verschärft und verlängert werden müssen, dann wird das für die Wirtschaft katastrophal.

Womit rechnen Sie, wenn der Shutdown bis Ende Juni oder gar länger andauern würde?

Die Wirtschaftsinstitute, die das viel besser bewerten können als ich, sagen: Das ist nicht finanzierbar. Das Ifo-Institut hat eine ganz klare Aussage gemacht: Jeder Monat Stillstand bedeutet minus zwei Prozent Wirtschaftswachstum. Das ist nicht lange zu verkraften. Es kann einfach nicht bis Juni gehen. Das müssen die jetzt verabschiedeten Kontakt- und Ausgangsverbote erreichen.

Warum wird es dann brenzlig?

Weil dann viele Unternehmen pleitegehen, viele Selbstständige aufgeben müssen. Dann sind die Milliarden weg, die zur Stützung in die Wirtschaft gepumpt werden. Die Dauer würde dann verhindern, dass das Geld für diese Maßnahme reicht. Das wäre ein Desaster sowohl im Hinblick auf die Steigerung bei den Arbeitslosenzahlen wie auch bei der Zahl der Insolvenzen.

Was bedeutet das alles für die Altersvorsorge?

Generell muss in der Beratung jeder Kunde individuell angeschaut werden. Wie hat er seine Altersvorsorge aufgebaut und strukturiert? Dabei spielt das Alter eine große Rolle. Wer heute 50 Jahre alt und jünger ist, hat gute Chancen, dass er langfristig im Wiederaufschwung die Verluste aufholt, wenn er das investierte Geld heute nicht braucht. Die Wirtschaft wird relativ schnell nach Aufhebung des Shutdowns anziehen, weil die Bedarfe der Konsumenten da sind und auch die Kurse an der Börse sich erholen werden. Wer über fondsgebundene Lebensversicherungen seine Altersvorsorge geregelt hat, sieht sehr genau in den Jahresmeldungen der einzelnen Versicherer, wie sich die Ablaufleistung zum Auszahlungszeitpunkt verändert. Das hat ebenfalls mit Wertschwankungen in den Investments der jeweiligen Versicherungspolice zu tun. Wer über Liquidität verfügt, kann die Lücken in seiner Vorsorge durch Erhöhung der Beiträge dann noch auffüllen, weil ihm die Zeit vom Alter her noch gegeben ist.

Wer heute 60 Jahre oder älter ist und damit kurz vor der Rente steht, hat ein Problem, weil die Zeit, um die Verluste auszugleichen, wahrscheinlich fehlt. Mittlerweile sagen viele Wirtschaftsfachleute, dass der Besitzstand wahrscheinlich nicht mehr in der Höhe gehalten werden kann wie vor der Krise.

Was bedeuten dieses Schuldenpaket für die nächste Generation?

Das werden die nächsten Generationen zurückzahlen müssen. Die Gelder sind Unterstützungsmaßnahmen, um den Ausfall, der durch den Shutdown entsteht, aufzufangen. Sie werden aus meiner Sicht zum Teil in Firmen investiert, die trotzdem nicht durch die Krise kommen. Wenn diese Firmen letztlich pleitegehen, ist das Geld schlicht weg und muss von den zukünftigen Steuerzahlern wieder erwirtschaftet werden.

Sollen Sparer ihre Konten räumen, in Aktien investieren oder Gold ankaufen – oder einfach die Füße ruhig halten?

Geld auf dem Konto war noch nie eine gute Lösung. Der Minuszins für Geld auf dem Konto kommt ab einer bestimmten Summe – unterschiedlich je nach Bank. Und letztendlich gibt es auch aktuell Anlagemöglichkeiten, die zumindest im Vergleich zu Null- oder Minuszinsen eine gute Rendite bringen können. Wichtig ist, sein Vermögen zu streuen. Wer gewisse Renditeerwartungen hat, der muss in Aktien gehen. Die vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben bewiesen, dass die Aktien immer wieder gute Erträge gebracht haben. Damit meine ich nicht Einzeltitel, die werden wegen des Risikos im Controlling von uns nicht beraten. Aber in Aktienfonds zu investieren, die aktiv betreut werden, kann ein Teil der Vermögensanlage sein. Auch Gold oder andere Edelmetalle sind eine gute Anlageform zum Werterhalt, und ein weiterer Teil einer Anlagestrategie. Immobilien sind nach wie vor eine werthaltige Anlageform – auch jetzt in der Coronakrise. Vermögen sollte also breit gestreut sein, damit, wenn Einbrüche kommen, nicht das gesamte Vermögen betroffen ist.

Was haben Sie für einen Tipp aus christlicher Perspektive für Menschen, die sich jetzt Sorgen um ihr Geld machen?

Sich Sorgen zu machen, ist als Christ eigentlich überflüssig. Im ersten Petrusbrief steht: „All eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch!“ Wenn ich die Sorgen im Gebet abgebe, finde ich Ruhe. Das muss jetzt gerade in der Krise gelten, wo sich viele um ihr Vermögen Sorgen machen. Wir haben in der Regel ohnehin mehr, als wir eigentlich zum Leben bräuchten. Insofern ist „sorgen“ nicht der richtige Begriff. Alles, was ich habe, gehört Gott. Wenn ich Treue habe im Geben, wenn ich also etwas von meinen Mitteln für ihn einsetze, werde ich auch zur rechten Zeit bekommen, was ich zum Leben brauche, das ist meine persönliche Lebenserfahrung mit immerhin 62 Jahren. Manche Christen spenden den zehnten Teil ihres Einkommens. Aber die Frage ist: Kann ich mit den restlichen 90 Prozent alles tun, was ich will? Kann ein Teil des Geldes verlustig werden in Vermögensanlagen, was ich vielleicht hätte Gott geben können? Diese Frage muss sich jeder stellen. Das hat jeder in seinem persönlichen Glauben, in seiner persönlichen Beziehung zu Jesus zu klären und zu verantworten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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