René Linek ist davon überzeugt, dass sich die Digitalisierung auf jede einzelne Position in der Kirchenverwaltung auswirken wird.

René Linek ist davon überzeugt, dass sich die Digitalisierung auf jede einzelne Position in der Kirchenverwaltung auswirken wird.

„Transparenz ist enorm wichtig"

Mittlerweile gibt es erste Versuche mit Apps, mit denen Gottesdienstbesucher ihre Kollekte per Smartphone bezahlen können. Damit hält auch in den Kirchen die Digitalisierung Einzug. Pro hat mit dem Marketingleiter und Crowdfunding-Experten der Evangelischen Bank in Kassel, René Linek, über diese Herausforderungen gesprochen. Die Fragen stellte Norbert Schäfer

Herr Linek, was sollten Kirchengemeinden beim Thema Digitalisierung beachten?

René Linek: Zunächst gilt, dass Digitalisierung mehr ist als Technik oder irgendwelche Prozesse. Mit der Digitalisierung vollzieht sich ein gesellschaftlicher Wandel, dem sich auch die Kirchen stellen müssen. Die Menschen wollen die Dinge schnell selbst erledigen. Außerdem beschaffen sie sich ihre Informationen nicht mehr nur klassisch im Gottesdienst, im Gemeindebrief oder beim Pfarrer, sondern auch online und in den sozialen Medien.

Was bedeutet das konkret?

Für eine Bank bedeutet das, dass sie dort sein muss, wo der Kunde sie sucht. Bei den Kirchen ist das ähnlich. Kirche muss Informationen liefern, wo die Menschen sie suchen. Transparenz ist hier enorm wichtig. Menschen wollen wissen, womit sie es zu tun haben und was mit ihrer Kirchensteuer passiert. Sie wollen nicht jeden Cent nachgewiesen haben, aber sie wollen grundsätzlich wissen, wo mit ihrem Geld Gutes getan wird. Es gibt gute erste Schritte von Kirchen, die zeigen, wohin die Gelder fließen. Die Landeskirchen sind bei dem Thema unterschiedlich weit, auch was den Bereich der sozialen Medien angeht.

Wo erwarten Sie den höchsten Veränderungsdruck?

Die Digitalisierung wird sich auf jede einzelne Position in der Kirchenverwaltung auswirken. Die beleghafte Verwaltung, das Führen von Fahrtenbüchern und Abrechnungen auf dem Papier gehören der Vergangenheit an: das wird alles digital werden. Einige Kirchen, vor allem im Norden, sind da schon sehr weit und nutzen zum Beispiel digitale Rechnungsprozesse.

Wo sehen Sie Lernbedarf?

Wir sehen zum Beispiel einen Aufbruch in die digitale Denkweise beim Thema Fundraising. Dazu bieten wir onlinebasierte Softwarelösungen an, die auf der eigenen Internetseite eingebunden werden können. Wir wollen unseren Kunden vor allem die Funktionsweise und die Mechanismen der Digitalisierung erklären und unseren Partner Wissen vermitteln und sie beraten. Crowdfunding eröffnet tolle Möglichkeiten mit einer hohen Reichweite und minimalen Kosten. Als Bank sind wir aber keine Beratungsfirma. Wir können aber unsere Kunden sensibilisieren. Was sich ändern wird, sind Anforderungsprofile und Aufgaben in der kirchlichen Verwaltung und in der Kommunikation untereinander. Dazu ist Weiterbildung notwendig und die Mitarbeiter müssen mitgenommen werden.

Worum sollten sich die Gemeinden zuerst kümmern?

Ein Hauptthema bei Kirche ist das Thema Bargeld. Wohin mit der Kollekte? Banken müssen das Münzgeld sehr aufwendig prüfen. Dafür berechnen sie Gebühren. Einzahlungen in bar kosten Geld. Dafür müssen Lösungen her. In Dänemark finden Sie einen Kollektomat in der Kirche. Dort können sie mit einem NFC-Chip der Kreditkarte ihre Kollekte einlegen. In Deutschland sind wir noch nicht ganz so weit. Warum sollten wir keinen digitalen Opferstock einrichten, welchen man auch durch die Kirchenreihen geben kann? Hierzu arbeiten wir gerade an digitalen Lösungen zur Umsetzung in allen Kirchen der EKD. Klar sind diese Lösungen auch nicht kostenlos, werden aber die zukünftigen Mehrausgaben durch die Bargeldabwicklung kompensieren und werden für den Kunden einfacher und transparenter in der Abwicklung sein.

Wie kann eine konkrete Lösung aussehen?

Es gibt bereits innerkirchliche Lösungsansätze. Manche Gemeinden geben Kollektenbons aus. Ihre Gemeindemitglieder kaufen sich ein Gutscheinheft und werfen im Gottesdienst einen Bon in die Kollekte. Dies können aus meiner Sicht aber nur temporäre Lösungen sein. Denkbar sind auch QR-Codes in Gesangbüchern. Wer dann im Gottesdienst mit dem Smartphone einen bestimmend Code scannt, würde damit über Onlinebanking digital eine Spende übertragen. Damit würde auch die Erfassung im Kollektenbuch wegfallen. Wir beschäftigen uns mit unserem Digitalisierungsansatz mit der gesamten Prozesskette der Kollekte um auch die Verwaltung so schlank wie möglich zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Evangelische Bank in Kassel ist eine Genossenschaftsbank. Sie ist Teil des Netzwerks von Kirche und Diakonie, der Caritas und der Wohlfahrtspflege. Bei der Bank sind Organisationen der Kirchen als Mitglieder in der Genossenschaft eingebunden.

Von: Norbert Schäfer

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