Ein Reporter der Süddeutschen Zeitung blickte hinter die Kulissen der Vatikanbank
Ein Reporter der Süddeutschen Zeitung blickte hinter die Kulissen der Vatikanbank

Von Schwarzgeld bis Mafia: Die Vatikanbank

Seit Jahrzehnten ranken sich dunkle Gerüchte um die Geschäfte der Vatikanbank in Rom. Erstmals dürfen Journalisten hinter die Mauern des katholischen Geldinstitutes blicken. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hat das getan und berichtet von Korruption und Geldwäsche, aber auch von dem Wunsch nach Veränderung.

„Braucht der Vatikan eine Bank?“ fragte Papst Franziskus nach seinem Amtsantritt. Wie um zu verdeutlichen, dass es sich um eine rhetorische Frage handelte, fügte er hinzu: „Petrus hatte auch kein Konto.“ Eine Antwort auf die Frage findet SZ-Reporter Matthias Drobinski nicht, doch fasst er in seinem Artikel die Geschichte der Vatikanbank zusammen und sprach zudem mit dem neuen Chef der Bank, dem Deutschen Ernst von Freyberg.

„Istituto per le Opere di Religione“, Institut für religiöse Werke, lautet der offizielle Name der Vatikanbank. Deren Direktor ist seit dem 26. Februar 2013 Ernst von Freyberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Werft Blohm und Voss. Der 55-Jährige soll dafür sorgen, dass zwischen den Worten des neuen Papstes von Reformation und dem Handeln der Bank kein Widerspruch steht. Wie die SZ berichtet, hat er bereits einen Kontrolleur namens Battista Ricca sowie eine Kommission eingesetzt, die bewerten soll, ob die katholische Kirche eine Bank braucht.

Mafia-Geld und ein toter Bankchef

Von Freybergs Vorgänger Ettore Gotti Tedesci trat mit dem Vorhaben an, die Bank zu reformieren, die als „Offshore-Paradies am Tiber“ galt. Die SZ schreibt: „Doch Tedesci verkrachte sich mit dem damaligen, mächtigen Kardinalsstaatssekretär Tarcisio Bertone; als er gehen musste, ließ er durchblicken, dass er um sein Leben fürchte.“

Die „Kommission für fromme Zwecke“, die Papst Leo XIII. im Jahr 1887 ins Leben rief, sei eine „Art Versteck für das Vermögen der katholischen Kirche“, schreibt die Zeitung, und weiter: „Es ist das Ziel der Kommission, Besitz zu verbergen und zu verschleiern.“ Das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR), die Vatikanbank, wurde 1942 von Papst Pius XII. ins Leben gerufen. „Das IOR ist geschaffen im Bewusstsein, dass man sich der weltlichen Kampfmittel bedienen muss, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen“, schreibt Drobinski.

Es sei in den Siebziger- und Achtzigerjahren ein Absturz in einen moralischen Abgrund gefolgt, „ebenso kriminell wie größenwahnsinnig“. Am Ende war die mit der Vatikanbank eng verbundene Ambrosiano-Bank pleite, und deren Direktor hing an einer Londoner Brücke – offenbar ermordet.

Im Jahr 2009 gab es Enthüllungen über Mafia-Geld, das in der Vatikanbank gewaschen wurde sowie über Politiker, die bestochen wurden. Eigentlich dürfen nur Kleriker, Orden und mit der Kirche verbundene Christen ein Konto beim IOR haben, was offenbar nicht immer ein Hindernis für illegale Machenschaften war.

Mehr Transparenz wagen

Für die Vatikanbank arbeiten heute 104 Angestellte, berichtet die SZ. Das Institut lege rund fünf Prozent seines Geldes an, vor allem in Staatsanleihen und Bankbeteiligungen. „Der Gewinn ist mit 87 Millionen Euro nicht übermäßig hoch, für den Vatikan aber viel Geld“, schreibt die Zeitung.

Bereits Papst Benedikt XVI. verordnete der Bank Transparenz. Nun sitzen im Büro ihres Präsidenten zwei Dutzend Angestellte der amerikanischen Unternehmensberatung Promotory Group, welche die knapp 19.000 Konten des Instituts auf möglich Korruption und Geldwäsche untersuchen sollen.

„Vor Kurzem hatte das IOR noch 20.000 Konten – dann bekamen mehr als 1.000 Inhaber Post: Die Vatikanbank beendet hiermit die Zusammenarbeit.“ Das Magazin Spiegel berichtete, dass auf den 1.000 Konten insgesamt 300 Millionen Euro gelegen hätten – meist Schwarzgeld. (pro)

Von: js

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