Reinhard Kardinal Marx gehört zu den Kapitalismuskritikern. In einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordert er die Kirche auf, bei den Armen zu sein
Reinhard Kardinal Marx gehört zu den Kapitalismuskritikern. In einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordert er die Kirche auf, bei den Armen zu sein

Marx: „Kirche muss bei den Armen sein“

Die Wirtschaft soll den Menschen dienen. Dafür plädiert Reinhard Kardinal Marx in einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Theologe nimmt dabei die von Papst Franziskus angestoßene Debatte über die Tyrannei der Märkte auf.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche hatte mit seiner Aussage „Die Wirtschaft tötet“ eine Debatte ausgelöst. Marx relativiert das Ganze: „Ohne eine Sensibilisierung für unserer gemeinsame weltweite Verantwortung kann auch die politische Arbeit am Weltgemeinwohl nicht vorankommen.“ Ziel müssten politische Rahmenbedingungen sein, die sich am Wohl aller Völker orientierten.

Aufrüttelnde Botschaft

Viele wünschten sich, dass sich die Religion nur auf die Frage nach dem Seelenheil beschränke, aber gerade Politik, Wirtschaft und Kultur gehörten „in den Evangelisierungsauftrag der Kirche hinein“, meint Marx. Vor allem die pointierten Aussagen des Papstes zur Wirtschaft hätten aufgerüttelt. Die Krise des Kapitalismus existiere schon seit den neunziger Jahren durch eine sich „verschärfende Entwicklung hin zum Finanzkapitalismus“. Der Papst habe keine Wirtschafts-Abhandlung verfassen, sondern es sei ihm um die Verkündigung der Frohen Botschaft von Jesus Christus gegangen.

Dieser Aufruf habe sowohl kirchenintern als auch nach außen hin Konsequenzen. Intern gehe es darum, nicht nur Glaubensinhalte zu vermitteln, sondern auch eine „neue Art des Lebens zu finden von der Zukunft aller Menschen: Es geht um eine ganzheitliche Evangelisierung, die Kultur, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft einschließt“. Nach außen hin gehe es darum, den Blick auf das Ganze zu wagen. Gerade die Ökonomisierung aller Lebensbereiche kritisiere der Papst zu recht. Dies bedeute, den Rhythmus der Gesellschaft von den Verwaltungsinteressen des Kapitals abhängig zu machen.

Blick für Einzelschicksale fehlt

„Der Kapitalismus darf nicht zum Gesellschaftsmodell werden“, fordert Mary, weil ihm der Blick für Einzelschicksale fehle. Dies alles habe nichts mit der „Ablehnung der Marktwirtschaft“ zu tun. Die Kirche verachte auch nicht die Reichen, wie es Rainer Hank in einem FAS-Beitrag vor zwei Wochen geschrieben habe. Sie erinnere daran, dass Güter Mittel zum Zweck und nicht der „Sinn unseres Lebens“ sind: „Eine Gesellschaft, in der zum ‚Lob der Gier‘ öffentlich aufgerufen werden kann, ist auf dem Weg der Entfremdung und trennt die Menschen voneinander“, betont der Erzbischof von München und Freising.

Der Papst wolle die Armen nicht arm lassen, sondern eine Gesellschaft der Inklusion und Partizipation schaffen. Genau deswegen müsse die Kirche bei den Armen sein und sie einbeziehen: „Wir sehen die Welt nicht richtig, wenn wir nicht versuchen, sie mit den Augen der Armen zu sehen. Ohne diesen Blick haben wir eine unvollständige Vorstellung von der Wirklichkeit.“ Der Aufruf sei deswegen kein Kampf gegen die Marktwirtschaft, sondern ein Aufruf, die Prioritäten neu zu ordnen: hin zu „einem Leitbild verantwortlicher Freiheit und die nicht akzeptiert, dass Völker, Gruppen und Einzelne ausgeschlossen und marginalisiert werden“, schreibt Marx und stellt die abschließende Frage: „Ist das wirklich so abwegig und weltfremd?“

Von: jw

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