Jochen Mai findet: "Man kann sich auf Gott verlassen, aber sollte sich nicht allein auf ihm ausruhen."
Jochen Mai findet: "Man kann sich auf Gott verlassen, aber sollte sich nicht allein auf ihm ausruhen."
Jochen Mai im September 2012 auf der Christlichen Bloggertagung in Berlin
Jochen Mai im September 2012 auf der Christlichen Bloggertagung in Berlin

Vertrauen ist gut, Zutrauen ist besser

Jochen Mai hatte schon viele Tätigkeiten: Social Media Manager, Gründer des Karriereberatungs-Blogs Karrierebibel.de oder Ressortleiter bei der Wirtschaftswoche. Ab Dezember startet er in die Freiberuflichkeit. Ein unsicherer Job? pro hat mit dem Christ über Vertrauen gesprochen.

Als Redakteur, später Ressortleiter und Social Media Manager wechselte Mai 2011 von der Wirtschaftswoche zum Energie-Anbieter Yello Strom. Der auf zwei Jahre befristete Vertrag endet mit dem November. In ein neues Angestelltenverhältnis zurückgehen wollte Mai nicht, obwohl er interessante Angebote hatte, sagt er. Ab Dezember arbeitet er freiberuflich als Berater und Keynote-Speaker. Als Referent sprach er bereits bei Bloggertagungen der Christlichen Medienakademie.

pro: Herr Mai, gab es einen ausschlaggebenden Punkt für Ihren Entschluss, sich selbstständig zu machen?

Nein, den gab es nicht. Ich habe das Thema oft „umbetet“ und irgendwann den Entschluss dazu gefasst. Es war ein langer Weg bis dahin, aber irgendwann hatte ich Gewissheit und die Ruhe für diesen Entschluss. Es war schon immer ein Traum - und den muss man irgendwann realisieren. Wenn es nicht klappt, hab ich zumindest die Gewissheit, es wenigstens probiert zu haben. Ich war schon einmal selbstständig - als Photograph, Journalist, Autor und Berater. Das war noch bevor ich bei der Wirtschaftswoche anfing. Eine schöne, sehr abwechslungsreiche Zeit. Man arbeitet selbst – und ständig, aber es macht eben auch viel Spaß.

Auf was vertrauen Sie bei Ihrem Start in die Selbstständigkeit?

Natürlich vertraue ich dabei stark auf Gott, weil ich glaube, dass viele Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, genau zu dieser Entscheidung geführt haben. Ich habe das mit meiner Frau besprochen. Wir hatten viele verschiedene Eindrücke, die alle in diese Richtung führten. Ich vertraue darauf, dass Gott mich auf diesem Weg führte und entsprechend auch für das Weitere sorgen wird.

Aber das ist auch kein Selbstläufer. Ich vertraue natürlich auch ein Stück weit auf meine eigenen Erfahrung, Know-how, mein Netzwerk, auf mich selbst. Ich würde jedem davon abraten, völlig blauäugig in eine Selbstständigkeit zu gehen. Man braucht viel Selbstdisziplin, ein hohes Maß an Eigenmotivation, gute Organisation und auch Verkäufertalent. Es ist einfach ein ganz anderes Arbeiten als als Angestellter. Gerade am Anfang wird es mit Sicherheit nicht leichter, sondern eher anstrengender werden.

Freiberuflichkeit bringt eine gewisse Unsicherheit mit sich. Geht berufliche Selbstständigkeit ohne Vertrauen?

Klar haben Christen einen unglaublichen Vorteil, weil sie sich auf Gott verlassen können und viele Sorgen abgeben können. Ich glaube aber, man kann und darf sich darauf auch nicht ausruhen. Das ist kein Ruhekissen, wo man sagen kann: Herr, du machst das schon, ich lehne mich mal zurück und warte, bis mir die Aufträge in die Bude fliegen. Wer diesen Schritt geht, braucht auch eine gehörige Portion Zutrauen: Man muss an seine eigene Idee glauben und bereit sein, für diese Idee zu kämpfen.

Haben Sie Tipps für andere?

Das Vertrauen auf Gott ist ein super Back-up, das beruhigt enorm. Aber im Alltag müssen Sie letztendlich Ihre Idee verkaufen. Es ist wichtig, eine Art „proof of concept“ zu haben, also den Beweis, dass das eigene Geschäftsmodell funktionieren kann. Oder wie in meinem Fall: Wobei ich heute berate, habe ich selbst schon oft erfolgreich umgesetzt. Das ist eben nicht nur Berater-Theorie, sondern erprobte Praxis. Und ich entscheide mich jetzt nicht aus der Not heraus, sondern bewusst - trotz Alternativen. Ich warne davor, sich mangels Jobangebot selbstständig zu machen. Das ist eine Notlösung, aber keine Leidenschaft - und so etwas ist nie wirklich fruchtbar.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Schubert.

Von: ms

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