Direkt neben der "Gurke" im Londoner Finanzviertel suchen viele Banker in der Kirche St. Helen's Zuflucht in der Mittagspause, berichtet Die Welt

Aus der Finanzwelt in die Kirche

Nach enormen Einbrüchen bei den Banken vor allem im Zentrum Londons suchen immer mehr Angestellte der Branche Zuflucht in den Kirchen. Die Tageszeitung Die Welt hat eine Kirche mitten im Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt porträtiert, die in der Mittagspause Seelenheil für Banker anbietet.

„Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise erfreuen sich die Bibelpausen großer Beliebtheit“, schreibt Nina Trentmann in ihrem Bericht aus London. Sie besuchte in der „City of London“, wie das Finanzviertel der Hauptstadt genannt wird, die Kirche St. Helen's, direkt neben der „Gurke“, dem Markenzeichen der Stadt. „Geld, Gier – und Glauben“ überschreibt sie ihren Artikel im Wirtschafsteil der Welt.

In der Mittagspause fülle sich die Kirche mit Bankern. „Sie haben nicht viel Zeit; müssen gleich wieder an ihren Schreibtischen sitzen. Für ein paar ruhige Gedanken bleibt da wenig Zeit“, heißt es im Text. Doch in der St. Helens nähmen sich viele Banker dennoch ein wenig Zeit für ein paar ruhige Gedanken. „Sie sind an diesem Mittag in die reich geschmückte Kirche gekommen, um – welche Ironie – über Gott, Geld und Gier zu sprechen.“ Denn der Glaube habe im Leben der meisten Banker eher wenig Raum. „Mehr als 100.000 Menschen arbeiten in der britischen Hauptstadt bei Banken, Versicherungen und Maklerfirmen, 400 oder 500 kommen regelmäßig zur Mittagspause nach St. Helen's in Bishopsgate“, schreibt Trentmann.

Geld ist nicht alles

Simon Johnson, der „einer von ihnen“ ist und bei einer Vermögensverwaltung ganz in der Nähe arbeitet, hält an diesem Tag einen Vortrag in der Kirche. „Die, die nur reich werden wollen, die werden fallen“, sagt er. „In meiner ganzen Karriere, da ging es immer um Geld. Bei den meisten kam die Unzufriedenheit dazu – obwohl wir alle vermutlich mehr verdienen als wir jemals brauchen werden." Johnson fügt hinzu: „Viele von uns wissen nicht, wie sie mit Reichtum umgehen sollen.“ Weiter heißt es im Text: „Die Banker nicken und schauen in die Bibeln, die vor ihnen liegen.“

Im 1. Timotheus-Brief, Kapital sechs, stehe: Arroganz und Stolz sind gefährlich, ebenso sei es der Materialismus, die Gier nach mehr. „Früher oder später platzt jede Blase. Früher oder später wird aus Gier immer Angst“, sagt Johnson. Gier und Materialismus zerstöre die Beziehungen. „Wir sollten uns auf jemanden verlassen, nicht auf etwas“, sagt er. „Viele von uns sind den Verführungen erlegen. Trotzdem ist die Gier nach Geld nie befriedigt.“

Vor fünf Jahren sei die US-Bank Lehman Brothers pleite gegangen und habe damit Schockwellen in der gesamten Finanzwelt ausgelöst, schreibt Trentmann. „Tausende strömten in den Wochen danach in die Kirchen, auch nach St. Helen's, und schienen zur Umkehr bereit.“ Doch die Reue und die Nachdenklichkeit hielten bei den meisten nur eine kurze Zeit an, erinnert sich Helen Selvarajan, eine der Organisatorinnen der Bibelpausen. „Viele sind schnell wieder in ihr altes Leben zurückgekehrt“, sagt die junge Frau. Einige hätten verstanden, dass sie sich nicht nur auf ihr Gehalt verlassen können. (pro)

Von: js

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