Leid im Angesicht der Moderne: Für den Westen sind Smartphones und Tablets ein Segen, für Minenarbeiter im Kongo ein Fluch.
Unmenschlicher Bergbau im Kongo

Der Smartphone-Fluch

Nichts läuft mehr ohne Smartphones und Tablet-PCs. Die modernen Geräte wurden zum Heilsbringer der Medienlandschaft erklärt, machen das Arbeiten rund um die Uhr möglich und uns permanent erreichbar. Wie schnell der Segen moderner Medien zum Fluch werden kann, zeigt ein Blick ans andere Ende der Welt.

Es wurde schon viel darüber geschrieben, was die technischen Neuerungen der vergangenen Jahre mit uns machen: Die Selbstverständlichkeit permanenter Erreichbarkeit, oder die schleichende Ausgrenzung derer, die sich den Innovationen auch nach Jahren noch verweigern. Doch selbst jene, die selbst niemals auf Smartphone oder Tablet-PC angewiesen sein werden, leiden unter dem Medienkonsum westlicher Gesellschaften. Schauen wir an den Anfang der Lieferkette, in den Osten der Demokratischen Republik Kongo, laut den Vereinten Nationen das ärmste Land der Welt.

Nach Schätzungen befinden sich im Kongo ungefähr 80 Prozent der weltweiten Vorkommen des Erzes Coltan, eines Rohstoffes, der in der Elektronikindustrie aktuell unverzichtbar ist. Ob Smartphone, Laptop, Flachbildschirm oder Kamera – es gibt kein Elektronikgerät, das ohne das im Erz enthaltene Metall Tantal auskommt.

Der Coltanbergbau findet in einer Weise statt, wie sie unmenschlicher kaum sein könnte. Die Arbeiter benutzen einfache Werkzeuge, die Minen sind ungesichert, Kinderarbeit ist an der Tagesordnung. Da die Schürfgebiete von Rebellengruppen kontrolliert werden, entscheiden die Rebellenführer über die Minenarbeiter wie über Leibeigene.

Aber das ist noch nicht alles. Seit 1996 finanzieren verschiedene Rebellengruppen mit dem Rohstoffhandel im Ostkongo einen der blutigsten Konflikte seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr als fünf Millionen Menschen sind dem Kongokrieg bereits zum Opfer gefallen. Auch heute flammt immer wieder Gewalt auf. Besonders brutal ist die systematische Vergewaltigung von Frauen, die darauf abzielt, Familienstrukturen zu zerstören. So wird jeglicher Widerstand in der Bevölkerung unterdrückt.

Erste Schritte auf dem Weg zu mehr Transparenz

Schon seit über zehn Jahren wissen Elektronikkonzerne um die problematischen Folgen des Abbaus von Coltan und anderer begehrter Mineralien im rohstoffreichen Ostkongo. Aber erst in den vergangenen Jahren ist tatsächlich etwas in Bewegung gekommen. Vor allem, weil Kampagnen und informierte Konsumenten Druck gemacht haben.

Eine Studie der Kampagne "Raise Hope for Congo" hat bereits zwei Mal verschiedene Hersteller unter die Lupe genommen. Auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent misst die Erhebung das Engagement für eine transparente Lieferkette, in der nachweislich keine Mineralien verarbeitet werden, die Kriege finanzieren. Während 2010 lediglich ein einziger Elektronikkonzern mehr als 30 Prozent erreichte, waren es 2012 bereits mehr als die Hälfte aller untersuchten Firmen. Das sind erste erfreuliche Schritte auf einem langen Weg zu mehr Transparenz.

Aber auch auf politischer Ebene hat sich mittlerweile etwas getan. Im Zuge der Börsenreform in den USA wurden Gesetze verabschiedet, die mehr Transparenz von Rohstoffkonzernen fordern. Nun zieht die Europäische Union nach. Sie diskutiert aktuell Richtlinien, die Öl- und Bergbaukonzerne dazu verpflichten, offenzulegen, was sie zahlen, wenn sie sich Zugang zu Rohstoffen verschaffen. Treten diese Richtlinien in Kraft, könnten engagierte Bürger rohstoffreicher Ländern bei ihren Regierungen einfordern, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffhandel etwa in die Gesundheitsversorgung und in Bildung investiert werden und somit auch zur Bekämpfung von Armut beitragen.

Diese Art von Transparenz würde zum Beispiel Korruption und Steuerflucht massiv erschweren. Darüber hinaus hat die Europäische Union angekündigt, dass sie eine Gesetzesinitiative starten will, die Konzerne dazu verpflichtet, eine konfliktfreie Lieferkette nachzuweisen.

Licht im Dunkel

Auch wenn die Bibel das Wort "Transparenz" nicht kennt, so spricht sie an sehr vielen Stellen vom Licht, das in die Dunkelheit kommt und Veränderung bewirkt. Im Epheser-Brief heißt es: "Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." (Epheser 5, 9). Die Micha-Initiative ist davon überzeugt, dass bei Gott Transparenz und Gerechtigkeit zusammengehören.

Daher hat die Initiative, die sich für die Bekämpfung von Armut und für globale Gerechtigkeit einsetzt, mit ihrer Kampagne "fair.liebt.transparent." Christen zum Beten und Handeln eingeladen.

Unser Medien- und Elektronikkonsum hat Schattenseiten – bei uns und in anderen Teilen der Welt. Aber wir können etwas dazu beitragen, dass es sich ändert. Wir können uns als Konsumenten fragen, was wir tatsächlich brauchen und können die Firmen unterstützen, die Verantwortung übernehmen. Und als Bürger einer Demokratie dürfen wir Politiker darum bitten, sich für politische Rahmenbedingungen einzusetzen, die mehr Transparenz und Gerechtigkeit ermöglichen.

Der Rohstoffreichtum Afrikas ist ein enormes Potential des Kontinents. Helfen wir dabei, dass Rohstoffe für Länder wie den Kongo nicht länger ein Fluch sind, sondern zum Segen werden.

Der pro-Gastautor Alexander Gentsch ist Koordinator der Micha-Initiative Deutschland. Die Micha-Initiative ist eine weltweite Kampagne, die sich gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit einsetzt. In Deutschland wird sie von der Deutschen Evangelischen Allianz getragen und von mehr als 40 christlichen Organisationen unterstützt.

"Der Smartphone-Fluch" ist in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos unter Tel. 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder über das Öffnet externen Link in neuem FensterFormular  auf dieser Seite.

Von: Alexander Gentsch

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