Martin Beck berät Unternehmen - auf dem Führungskräftekongress gab er einen Einblick in seine Arbeit.

Tipps für christliche Arbeitgeber

Christliche Unternehmensführer sollten Mission am Arbeitsplatz nicht dulden. Das erklärte der Unternehmensberater Martin Beck auf dem "Kongress christlicher Führungskräfte" in Leipzig. Sein Kollege Eberhard Jung wundert sich über das Thema Werte als "Mode-Trend".

Christen seien nicht ohne Fehl und Tadel, erklärte Beck: "Sie sind auch nicht alle fleißig, ja noch nicht einmal alle ehrlich und loyal." Demut werde bei Christen zum Beispiel leicht zu Hochmut, frei nach dem Motto: "An Demut übertrifft mich keiner." Anlass für den Vortrag war eine Aussage des Unternehmers Günter Veit im Magazin "Faktor C". Darin hatte dieser behauptet, Christen würden ihre Kraft hauptsächlich in das nebenberufliche christliche Engagement – außerhalb der Firma – investieren. Beck sagte: "Diese Aussage geht mir zu weit."

Christlichen Arbeitgebern gab er Tipps: "Bevorzugen Sie keine Glaubensrichtung.
Lassen Sie Missionstätigkeit im Unternehmen nicht zu, egal von welcher Seite.
Behandeln Sie fromme Faulpelze nicht anders als weltliche. Messen Sie gläubige
Mitarbeiter an ihren Taten. Fördern Sie das ehrenamtliche Engagement, aber verlangen Sie Leistung im Geschäft."

Martin Beck ist Honorarprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt
Nürtingen-Geislingen, Unternehmensberater und Aufsichtsrat in der Industrie und
Autor.

Nein zu "Schaufensterwerten"


In einem anderen Seminar im Rahmen des Kongresses erklärte der Unternehmensberater Eberhard Jung, wie er Werte definiert: "Die Dinge, die mir wichtig sind, das sind meine Werte. Werte sind die Dinge, die am Ende des Tages vor Gott Bestand haben." Christen liefen oftmals Gefahr, Gott darum zu bitten, ihr Tun zu segnen. "Was wäre, wenn wir damit aufhören würden, und stattdessen beginnen würden zu tun, was Gott segnet?"

Jung bezeichnete es als eine "Bankrotterklärung", dass das Thema Werte seit einigen Jahren ein "Modethema" in der Wirtschaft geworden sei. "Seit wann muss man Themen wie Wahrheit, Ehrlichkeit und Vertrauen diskutieren, schriftlich festhalten und in seinen Statuten festschreiben? Diese Werte sollten selbstverständlich sein!" Sobals sie den ökonomischen Raum beträten, würden Menschen ihr Grundvertrauen verlieren. Jung appellierte daher an seine Zuhörer, ihre Werte Handlungsgrundlage zu benutzen - "sonst verkommen die Werte zur Verpackung, zur Schaufensterauslage".

"Unternehmen müssen zuhören"


Wie wichtig Facebook und Twitter für Unternehmen sind, hat der Internet-Marketing-Experte Sanjay Sauldie in einem Seminar erklärt. Die Möglichkeiten des Internets seien heute so groß wie nie zuvor. Vielen Chefs sei zum Beispiel nicht bekannt, dass es Bewertungsplattformen wie "Kununu.com" gebe, bei denen Arbeitnehmer ihre Meinung über ihren Arbeitgeber äußern könnten – anonym.  Wenn ein Vorgesetzter eine negative Bewertung lese, sollte man nicht juristisch dagegen vorgehen, sondern dankbar für die Kritik sein, um daraus für die Zukunft zu lernen. Ignorieren dürfe man Social Web jedenfalls nicht: "Manche Menschen meinen, dass die Sender aufhören zu sehen, wenn man das Radio ausschaltet. Unternehmen, die nicht bereit sind, zuzuhören, werden es spüren" – zum Beispiel an sinkender Glaubwürdigkeit und fallenden Umsätzen. Auch werde Facebook und Twitter in viel zu geringem Maße genutzt, um potenzielle Kunden zu erreichen. "Kunden empfehlen unsere Ideen und Wünsche weiter – das sollten wir nutzen!" Facebook biete darüber hinaus viele Möglichkeiten, Werbeanzeigen zu schalten, die auf eine genau vorher festgelegte Zielgruppe ausgerichtet ist. Facebook sei in erster Linie ein Marketingtool für Unternehmer. Sauldie ist Direktor des "Europäischen Internet Marketing Instituts und Akademie".

Netzwerken im 21. Jahrhundert


Über das Thema "Christliche Führungsethik trifft Wirklichkeit" sprach Arne Bär,
Geschäftsführer der Fleischhauer Bremen GmbH, in einem weiteren Seminar. "Ich will der Welt beweisen, dass man mit guten christlichen Grundsätzen ein Unternehmen führen kann", sagt er über sich selbst.

Im 21. Jahrhundert bedeute Führung, dass "ich wichtig bin, der andere aber auch."
Durch Innovationen wie das Internet sei die Welt nicht nur komplexer, sondern auch schneller geworden. "Wir kommen an die Grenze unseres Könnens." Die Geschwindigkeit werde immer höher, gleichzeitig wachse aber auch die Erwartungshaltung. Kunden erwarten sofort Antworten, Mitarbeiter ein schnelles Feedback. "Um die hohe Komplexität schnell zu meistern, muss ich heute jemanden kennen, der mir helfen kann. Ich brauche ein Netzwerk", sagte Bär.

Damit Netzwerke funktionieren, brauche es Vertrauen. Grundvoraussetzungen für Vertrauen seien Ehrlichkeit, Klarheit und Vergebung. Um ehrlich, klar und nicht nachtragend seien zu können, brauche es Wertschätzung. "Es kommt auf die innere Haltung an", erklärte Bär. "Damit Wertschätzung funktioniert, braucht es ein 'geliebt werden' durch Gott." (pro)

Von: nf/mb/str

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