Verleger Dirk Ippen erhielt am Donnerstag die Luther-Rose.
Wieviel Christsein verträgt die Wirtschaft? Es diskutierten: (v.l.) Peter Kowalsky, Friedhelm Loh, Moderator Michael Inacker, Sven Giegold und Reinhard Bingener
Rief die Kirchen zu einem klaren Bekenntnis auf: Andreas Püttmann

"Unternehmer sind keine Heiligen"

Der Verleger Dirk Ippen ist am Donnerstag in Berlin mit der Luther-Rose für Unternehmercourage ausgezeichnet worden. Zuvor diskutierten Politiker, Journalisten und Unternehmer darüber, ob Glaube und Wirtschaft sich überhaupt vertragen. In einer Festrede rief der katholische Publizist Andreas Püttmann die Kirchen dazu auf, mehr Profil zu zeigen.

Als einen "der wichtigsten Verleger und Meinungsmacher Deutschlands" bezeichnete Laudator John C. Kornblum, Vorstandsmitglied der "Internationalen Martin Luther Stiftung", den Verleger Dirk Ippen. Der 71-jährige Preisträger leitet den "Münchener Zeitungs-Verlag", der unter anderem den "Münchner Merkur" herausgibt. Kornblum nannte ihn einen "engagierten Idealisten", der "konsequent unternehmerische Freiheit und unternehmerische Verantwortung miteinander verbindet". Ippen selbst betonte: "Unternehmer sind keine Heiligen." Leitendes Prinzip seines Handeln sei es aber, aus Fehlern zu lernen. Die "Internationale Martin Luther Stiftung" vergibt die Luther-Rose regelmäßig an Größen aus der Wirtschaft. Auch der bekennende Christ Heinz Horst Deichmann gehört zu den Preisträgern.

Der Preisverleihung in Berlin vorangegangen war eine Debatte über die Frage, ob sich "die Freiheit eines Christenmenschen und die Freiheit der Wirtschaft" überhaupt vertragen. Dazu diskutierten der Unternehmer Friedhelm Loh, der Bionade-Hersteller Peter Kowalsky, der Grünen-Politiker Sven Giegold und der Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Reinhard Bingener. Loh erklärte, wie er bei Schwierigkeiten im Unternehmen vorgeht: "Das erste, was ich tue, ist beten." Dann suche er sich Rat bei Menschen, die sich mit dem entsprechenden Themengebiet auskennen. Optimal empfände er es, wenn diese zugleich auch Theologen seien. "Davon haben wir aber nur sehr sehr wenige", führte Loh fort. Kowalsky erklärte, gutes Unternehmertum setze gute Produkte voraus. Firmen könnten nur dann überleben, wenn sie auch als zuverlässig anerkannt würden und der Unternehmer "nicht nur an sich selber denkt". So könne er etwa nicht nachvollziehen, wie jemand beispielsweise Alkopops herstellen könne. "Da muss man schon skrupellos sein", sagte er im Hinblick auf die oft jungen und maßlosen Konsumenten der süßen Alkohol-Misch-Getränke.

Nur mit Luther lässt sich keine Firma führen

Der Journalist Bingener findet, nur mit Luther lasse sich kein Unternehmen führen. Die Frage sei vielmehr: Wo können Kirchen den Verantwortlichen helfen? Aufgabe der christlichen Gemeinden sei es, die christlichen Maßstäbe klar darzulegen. Er bedauerte jedoch auch, dass die kirchlichen Gremien oft sehr einseitig in ihren Ergebnissen seien. Die Vielschichtigkeit der biblischen Botschaft werde meist nicht ausreichend wahrgenommen. Für den Politiker Giegold hingegen gibt die Bibel eindeutige Handlungsanweisungen, etwa wenn es um den Umgang mit den Armen dieser Welt gehe. "Dort gibt es einen klaren Auftrag zum Eintreten der Christen für die Schwächsten", sagte er und verwies auf die Verantwortung Gläubiger, etwa wenn es um den Klimaschutz gehe. Für ihn bedeutet die "Freiheit des Christenmenschen" auch, die "Forderung der Liebe" umzusetzen. Unternehmer dürften demnach nicht willkürlich handeln, sondern seien angehalten zu verhindern, dass Dritte durch sie zu Schaden kommen.

Der Publizist Andreas Püttmann forderte die Kirchen in seiner Festrede dazu auf, öffentlich klar Stellung zu beziehen, auch wenn das ungemütlich werden könne. "Ein Christentum à la 'Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb' wäre ein degeneriertes", sagte er und verwies auf Jesus, der Händler aus dem Tempel peitschte und "böse Zeitgenossen" als "Schlangenbrut" bezeichnete. Püttmann fuhr fort: "Wer gehört werden will, dessen Rede muss, soweit die Sache es hergibt, scharfe Konturen haben. Unsere Gesellschaft braucht Weckrufe, nicht einschläfernde Beiträge zum allgemeinen Rauschen im Ohr. Sie bedarf, um beim Beispiel Kirche zu bleiben, prophetisch aufrüttelnder Bischofspredigten statt pontifikaler Sonntagsreden im Bürgermeisterstil oder konsensplanierter gemeinsamer Worte kirchlicher Apparate, zu denen praktisch jeder nur gähnend nicken kann."

"Intelligent kämpferisch und einladend missionarisch"

Weil die Medien die Mehrheitsmeinung bestimmten, sei das Engagement von Christen besonders da gefordert. Gegen den Medientenor anzusprechen sei Herausforderung für jeden Gläubigen. "Wo alles gleich gültig ist, wird bald alles gleichgültig", sagte Püttmann und rief die Zuhörer auf: "Das abendländische Christentum muss ein intelligent kämpferisches und einladend missionarisches werden." (pro)

Von: aw

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