Auf der "Hannover Messe": Ronald Pofalla (CDU, Kanzleramtsminister), Friedhelm Loh (Inhaber und Vorstandsvorsitzender von Rittal), David McAllister (CDU, Ministerpräsident Niedersachsen).

"Nur die Starken können den Schwachen helfen"

Der bekannte evangelische Unternehmer Friedhelm Loh hat mit der "Süddeutschen Zeitung" über die oft schwierigen Beziehungen von Kirche und Wirtschaft gesprochen. Eines seiner Unternehmen feierte am Montag auf der "Hannover Messe" sein 50-jähriges Bestehen.

"Durch meinen Glauben weiß ich: Ich bin nicht die oberste Instanz", sagt Loh. "Das ist entlastend. Ich kann für richtige Entscheidungen beten und weiß, dass es Vergebung für meine Fehler gibt." Er wolle jedoch keine Verantwortung an Gott "wegdelegieren". Anlass des Interviews mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) ist die am Montag gestartete "Hannover Messe", Deutschlands größte Industriemesse, bei der Loh als Präsident des deutschen Elektrotechnik-Verbandes ZVEI spricht. Sein Unternehmen "Rittal", einer der weltweit führenden Anbieter für IT-Systeme, feiert dort sein 50-jähriges Bestehen. "Rittal ist eine einzige Erfolgsgeschichte", sagte Ronald Pofalla (CDU), am Messestand. "Die vergangenen 50 Jahre haben gezeigt, dass deutsche Innovationskraft, wirtschaftlicher Erfolg und gute Produkte die Weltmarktführerschaft bedeuten." Mit Pofalla zusammen gratulierten auch der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister, Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der Rittal-Belegschaft zum Firmenjubiläum.

Keine Sonntagsarbeit in christlichem Unternehmen

Bei der Arbeit ist Loh gerne nah am Geschehen: "Ich will die Arme selbst in der Ölwanne haben, ich will mich in Probleme im Betrieb tief einarbeiten", so der 64-Jährige in der "SZ". Dabei versuche er, Sonntagsarbeit weitestgehend zu vermeiden: "Ich lehne das nicht nur wegen des biblischen Gebots ab, sondern auch, weil ich es für vernünftig halte. Die Leute gehören sonntags, wenn möglich, zu ihren Familien." Während der Weltwirtschaftskrise 2009 sei das Geschäft "geradezu abgestürzt", erklärt Loh, "Wir haben gelernt, dass Wachstum nicht selbstverständlich ist". Er betont, dass es gerade in Krisen wichtig sei, ehrlich und offen darüber zu informieren. Bereits 2010 sei es dann wieder aufwärts gegangen.

Kirchen kritisieren Wirtschaft "zu pauschal"

Auf die Frage, ob er sich über die "nicht gerade wirtschaftsfreundlichen" Positionen der Kirchenvertreter in Deutschland ärgere, antwortet Loh: "Kirchen sind auf Nächstenliebe fokussiert. Und wirklich ist ja jeder aufgefordert, seinem Nächsten zu helfen. Doch nur wer hat, kann geben und Einfluss nehmen, nur die Starken können den Schwachen helfen." Die Kritik der Kirchen an der Wirtschaft findet Loh zu verallgemeinernd: "Wenn die Kirchen Auswüchse im Wirtschaftsleben kritisieren, ist das in Ordnung, allerdings kommt die Kritik oft sehr pauschal über den Tisch, da geht es dann schnell und sehr allgemein gegen die 'gierigen Manager''". In Deutschland stehe die Wirtschaft sowieso schon in der Öffentlichkeit unter einem Generalverdacht: "Macht ein Manager einen guten Job und verdient daher viel, freuen wir uns nicht, dass er gut ist, sondern fragen, ob jemand so viel verdienen darf. Das ist eine Neiddebatte, die der Motivation schadet."

"Das Problem der Kirchen ist", analysiert Loh, "dass sie Teile der biblischen Botschaft aufgeweicht haben und häufig den Kompromiss suchen, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen. Deshalb reibt sich niemand mehr an den Positionen der Kirchen, sie verlieren an Bedeutung und Substanz. Es wäre besser für sie, klare Kante zu zeigen." Es sei nämlich der Glaube, der das "Wertesystem" der Menschen präge: "Er ist eine Leitlinie für ein sinnvolles und zielorientiertes Leben, ein entscheidender Motivator", so Loh. "Ich denke schon, dass wir mit dem Verlust des Glaubens einen Verlust an Gradlinigkeit und Disziplin erleben. Dabei kann die christliche Botschaft das Zusammenleben gut regeln, denken Sie zum Beispiel an die zehn Gebote."

Loh ist seit 1974 Geschäftsführer der Familienunternehmen Rittal und Ritto. Heute ist er Inhaber der Friedhelm-Loh-Group (Haiger) mit mehr als 11.000 Mitarbeitern in weltweit über 60 Tochtergesellschaften. Er ist seit 2006 Präsident des Zentralverbandes der Elektrotechnik und Elektroindustrie sowie Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Darüber hinaus engagiert sich Friedhelm Loh als Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Christliche Medien (SCM) und Vorstandsmitglied des Bibellesebundes. (pro)

Von: mb

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