Mehr Kirchen-Spenden durch Bonuskarte

Eine völlig neue Art der Spendeneinnahme hat sich der Kirchenkreis Hattingen-Witten im Ruhrgebiet ausgedacht. Eine Bonuskarte sichert gläubigen Einkaufslustigen bundesweit satte Rabatte. Die Besitzer der "KirchenCard" verpflichten sich im Gegenzug dazu, monatlich mindestens 5,50 Euro an die Evangelische Kirche zu spenden.

"Dem Kirchenkreis Hattingen-Witten im Ruhrgebiet geht es nicht anders als vielen Gemeinden in Deutschland", schreibt das Nachrichten-Portal "Spiegel-Online". "Von den 75.000 Mitgliedern treten jedes Jahr 600 aus. Im selben Zeitraum segnen 1.000 Gemeindemitglieder das Zeitliche." Die Folge seien sinkende Steuereinnahmen. Um die finanzielle Situation zu entschärfen, gründete der Kirchenkreis die "Stiftung Gemeindespendenwerk" und brachte die bundesweit erste "KirchenCard" auf den Weg.

Rabatt in über 27.000 Geschäften

Für eine monatliche Spende von mindestens 5,50 Euro erhalten Gemeindemitglieder eine Bonuskarte des Beamtenselbsthilfewerks (BSW). Diese sichert ihrem Besitzer zwischen drei und zehn Prozent Rabatt in über 27.000 Geschäften in Deutschland.

Als Kunde zahle man zunächst den vollen Betrag, der Rabatt werde später aufs Girokonto überwiesen, so "Spiegel-Online". Der Kirchencard-Kunde könne sich dann aussuchen, ob der Rabatt aufs eigene Konto oder auf das der Kirchengemeinde gezahlt wird.

"100-prozentiger Datenschutz"

"Martin Bartelworth vom Gemeindespendenwerk glaubt, mit dem BSW einen guten Partner gefunden zu haben", schreibt "Spiegel-Online". Anders als bei anderen Bonussystemen sei der BSW-Bonusclub nicht aus dem Handel entstanden. "In den 1960er Jahren gründeten 23 Zollbeamte in Hamburg das Beamtenselbsthilfewerk und handelten Rabatte bei Unternehmen aus. Mittlerweile gibt es über 800.000 Mitglieder – mit der Kirchencard bald noch mehr, hoffen die Initiatoren." Einkaufsdaten würden nicht an Dritte weitergegeben und es werde auch kein Kundenprofil erstellt, so Barthelworth.

"Bis zu 50.000 Euro lassen sich mit KirchenCard verdienen"

14 von 17 Gemeinden des Kirchenkreises wollten sich an dem Pilotprojekt beteiligen, schreibt "Spiegel-Online". Jeder könne die Karte erwerben, egal welcher Konfession er angehöre. Das Gemeindespendenwerk gehe davon aus, dass sich mit der KirchenCard 20.000 bis 50.000 Euro pro Gemeinde und Jahr verdienen lasse.

Die evangelische Kirche in Westfalen habe nichts gegen die Aktion des umtriebigen Kirchenkreises einzuwenden: "Die KirchenCard ist ein spannendes Pilotvorhaben", zitiert "Spiegel-Online" Sprecherin Andrea Rose. "Nach einer Weile werden wir sehen, wie die Resonanz ist und ob das Beispiel auch in anderen Regionen der Landeskirche Schule machen wird." Wenn das Konzept aufgehe, könnten bald Kirchengemeinden in ganz Deutschland aufspringen, hoffen zumindest der BSW und das Gemeindespendenwerk.

"KirchenCard ist pfiffige Idee"

Arne Stolorz, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde im nordrhein-westfälischen Sprockhövel, berichtet in einem Beitrag des ZDF-Mittagsmagazins: "Es ist das Ende der Fahnenstange erreicht, wo wir noch Einsparungen hinnehmen können, ohne Verluste, was die Qualität angeht. Deswegen müssen wir dem entgegenwirken. Freiwilliges Kirchgeld ist da ein Stichwort. Da finde ich die Kirchencard eine gelungene und pfiffige Idee."

Laut dem "Mittagsmagazin" sind die Steuereinnahmen der Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren um die Hälfte gesunken, da immer mehr Menschen aus der Kirche austreten.

Anreiz zur finanziellen Unterstützung

Gleichzeitig sei das Gotteshaus dringend renovierungsbedürftig, die Gasheizung funktioniere nach 30 Jahren auch nicht mehr richtig, und Mitarbeitern musste wegen Geldmangels gekündigt werden. Mit der neuen KirchenCard solle ein neuer Anreiz geboten werden, die eigene Kirchengemeinde finanziell zu unterstützen.

Viele Geschäftsinhaber fänden die Idee gut, heißt es in der ZDF-Sendung. 26 Geschäfte in Sprockhövel akzeptierten die Karte bereits. Allerdings besäßen erst 50 Sprockhöveler die KirchenCard.

Von: L.-M. Seelig

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