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“Wir sind der Puff Europas”

Am Montag haben Christen in Berlin darüber beraten, wie sie gegen Zwangsprostitution vorgehen können. Gemeinsam wollen sie ihr Anliegen in die Öffentlichkeit und in die Politik tragen. Zu dem Treffen hatte der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) eingeladen.

Von PRO
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Foto: Neustart

Mit dabei waren Vertreter teils internationaler Organisationen aus Deutschland, den USA und Schweden. Die Idee zum Treffen hatte Thorsten Riewesell vom christlichen Jugend-Netzwerk "Jumpers". Für den Politiker Frank Heinrich, selbst engagierter Christ, ist Menschenhandel ein Schwerpunktthema seiner Arbeit im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages. Es könne nicht angehen, dass moderne Sklaverei geduldet werde, sagt er im Gespräch mit pro. Der neue Arbeitskreis soll Organisationen, die sich gegen Zwangsprostitution stark machen, vernetzen und dabei helfen, ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. "Immerhin sind wir der Puff Europas", beschreibt er die Lage in der Bundesrepublik.

Über Prostitutionsgesetz und Asylrecht diskutieren

Seit 2002 ist Prostitution in Deutschland als Dienstleistung rechtlich anerkannt. Die Interessenvertretung für Prostituierte, "Hydra", schätzt, dass hierzulande 400.000 Frauen anschaffen gehen. Rund die Hälfte von ihnen soll aus dem Ausland stammen, die meisten aus Osteuropa. 2010 kam es in Deutschland zu insgesamt 1.498 Fällen von Menschenhandel, die gemeldet oder angezeigt wurden. Die Dunkelziffer liegt weit höher.

Die Gruppe um Riewesell und Heinrich will nun prüfen, welche politischen Initiativen künftig eingebracht werden können. Das Prostitutionsgesetz müsse ebenso diskutiert werden, wie das Asylrecht, sagt Heinrich. Obwohl die Arbeitsgemeinschaft künftig auch mit säkularen Organisationen zusammenarbeiten will, erachtet er das Thema besonders für Christen als relevant: "Wir müssen gegen Sklaverei vorgehen, das sagt schon die Bibel", erklärt er.

Menschenhandel ist Thema – auch für Evangelikale

Einer der Teilnehmer des Berliner Treffens war Gerhard Schönborn, Vorsitzender des Vereins "Neustart". Die Organisation betreibt ein Café in der Kurfürstenstraße, dem größten Berliner Straßenstrich. Prostituierte erhalten bei Schönborn kostenlos etwas zu trinken und zu essen. Doch die christlichen und größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter vermitteln die Frauen auch an Hilfseinrichtungen, die ihnen den Ausstieg, Drogenentzug oder Therapien ermöglichen. Schönborn empfindet es als "total motivierend", zu sehen, dass sich immer mehr Christen für das Thema Zwangsprostitution interessieren und dagegen vorgehen. Ein Grund dafür sei, dass es in den Medien präsenter als noch vor drei oder vier Jahren behandelt werde – gerade Evangelikale hätten sich lange Zeit gar nicht mit den Hintergründen der Prostitution beschäftigt.

Das Treffen im Bundestag könne dazu beitragen, dass engagierte Christen aus den jeweiligen Erfahrungen des anderen lernten, sagt Schönborn. Gerade in christlichen Gemeinden sieht er ein großes Potential: "Wenn sich Gläubige diesem Thema annehmen, könnte das ein öffentlicher Verstärker sein." Auch politisch könnte sich dann einiges verändern. So hält er es für dringend notwendig, dass Berater in Hilfsstellen ein Zeugnisverweigerungsrecht erhalten, sie also vor Gericht nicht gegen die Prostituierten, die sie selbst beraten, aussagen müssen. "Das würde das Vertrauensverhältnis stärken", findet er. Außerdem wünscht sich Schönborn einen Abschiebestop für Opfer von Zwangsprostitution. Gerade in Deutschland sei das wichtig. Denn eines müsse klar sein: "Wir leben hier an einem Umschlagplatz der Ausbeutung." (pro)

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