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„Wir sehen uns beim nächsten Anschlag“

Wenn die europäischen Regierungschefs sich jetzt nicht derjenigen annehmen, die weltweit für ihre öffentliche Meinungsäußerung bezahlen, bleibt „Charlie Hebdo“ kein Einzelfall. Der italienische Autor Roberto Saviano kämpft in der FAZ gegen das Vergessen.
Von PRO
Der italienische Autor Roberto Saviano weiß, was es heißt, für Meinungsfreiheit zu kämpfen. Er steht selbst unter Polizeischutz
Der italienische Autor Roberto Saviano weiß, was es heißt, für Meinungsfreiheit zu kämpfen. Er steht selbst unter Polizeischutz
Nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo bekundeten mit „Je suis Charlie“-Äußerungen viele schnell ihre Solidarität, schreibt Saviano in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Doch was bleibe davon? Der Italiener, der seit der Veröffentlichung seines Buches „Gomorrha“ über die Mafia-Organisation Camorra unter Polizeischutz steht, erinnert an Hunderte Journalisten, die für die Meinungsfreiheit starben oder immer noch leiden. 660 Journalisten seien im vergangenen Jahr ermordet worden, 178 verhaftet. „In der Türkei sitzen 23 Journalisten im Gefängnis, deren einzige ‚Schuld‘ darin besteht, für eine regierungskritische Tageszeitung zu schreiben“, schreibt Saviano. In Mexiko sei jemand wegen eines Tweets umgebracht worden, Saudi-Arabien habe den Blogger Raif Badawi wegen einer von ihm initiierten Islamismusdebatte auspeitschen lassen. Selbst in Italien ständen Dutzende Personen unter Polizeischutz, in Dänemark sei versucht worden, den Karikaturisten Kurt Westergaard zu töten, zählt der Italiener auf. „Ignorieren wir diese Fälle nur deshalb, weil sie sich nicht in Paris oder Berlin zugetragen haben?“, fragt er. Erst die Meinungsfreiheit mache die westliche Welt zu einer freien Welt. „Sie ist kein juristischer Papierkram. Sie ist eine Errungenschaft“, schreibt Saviano. Dazu zähle auch die Freiheit, blasphemische Satire zu verbreiten. Aktuelle Diskussionen darüber, ob diese verboten werden sollte oder welche Äußerungen politisch korrekt seien, bezeichnet der Italiener als eine Niederlage für die Meinungsfreiheit. „Denn das Problem besteht ja nicht darin, was man sagt, sondern darin, dass man dadurch zur Zielscheibe wird.“

Ein „Grundpfeiler der Gesellschaft“

Saviano ist davon überzeugt, dass „Europa das Recht auf Meinungsfreiheit vergessen“ hat. Aus Trägheit sei dieses Grundrecht vielleicht nicht ausreichend verteidigt worden. Ein Angriff wie der auf Charlie Hebdo sei jedoch nicht mit einem Anschlag auf einen Politiker, ein Amt oder eine Institution vergleichbar. Er ziele auf das, was den Westen zu einem besonderen Ort mache – die Meinungsfreiheit. „Greift man Künstler an, Intellektuelle oder Blogger, dann greift man den Gedanken an – das weiß der islamistische Terror ebenso gut wie ein Drogenkartell oder irgendein tyrannisches Regime“, heißt es. So ein Angriff schüchtere alle ein. „Deshalb fordere ich das Europäische Parlament, […] Matteo Renzi, Angela Merkel, Francois Hollande, David Cameron und die anderen Regierungschefs auf, einen Ausschuss einzurichten, der […] zusammenkommt und sich all derjenigen annimmt, die für die Meinungsfreiheit bezahlt haben und immer noch bezahlen“, schreibt Saviano. Europa müsse verstehen, dass die Freiheiten in Kultur, Kunst und Information Grundpfeiler der Gesellschaft seien. Wenn das nicht geschehe, dann „sehen wir uns beim nächsten Anschlag“. (pro)
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