Das christliche Medienmagazin

„Wir haben ja nichts gegen Gläubige“

Comedy darf (fast) alles, darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was darf Comedy?“ einig. Mit dabei waren die Macher von „Götter wie wir“ und „Jesus – das Comeback des Jahrtausends“.
Von PRO
„Was darf Comedy?“, das fragten sich (v.l.n.r.) der Arzt und Schriftsteller Jakob Hein, der Kabarettist Rainer Dachselt und der Drehbuchautor Carsten Strauch in Leipzig

Foto: pro

„Was darf Comedy?“, das fragten sich (v.l.n.r.) der Arzt und Schriftsteller Jakob Hein, der Kabarettist Rainer Dachselt und der Drehbuchautor Carsten Strauch in Leipzig
Über Opfer darf man keine Witze machen. Darin bestand Einigkeit bei den Diskutanten, die sich am Donnerstag beim 3. Evangelischen Medienkongress mit der Frage, was Comedy „darf“, auseinandersetzten. Ansonsten ist alles erlaubt. Eine „sinnvolle Ergänzung“ nannte der Arzt und Schriftsteller Jakob Hein die Frage, was Satire wolle: „Warum sollte ich jetzt noch Witze über Christian Wulff machen? Das jetzt noch zu machen wäre billig und doof.“ Neben ihm saßen der Kabarettist Rainer Dachselt, Drehbuchautor Carsten Strauch, der unter anderem die Serie „Götter wie wir“ verantwortet, Oliver Versch, der die Radio-Comedy „Jesus – das Comeback des Jahrtausends“ produzierte, und Thomas Weißer auf dem Podium. Versch ging auf die Bedeutung von Publikumsreaktionen ein. Auch wenn ein Format „total lustig“ sei, könnte es dennoch hin und wieder nicht umgesetzt werden. Der Grund seien starke Reaktionen von außen: „Die Hauptproblematik ist, dass Redaktionen durch Anfragen lahm gelegt werden.“

„Wir hatten nicht mit so heftigen Gegenreaktionen gerechnet“

Bei der Bewertung von Sendungen, die bei einigen Christen zu heftigen Diskussionen geführt hatten, herrschte auf dem Podium große Einigkeit. So erklärte „Götter wie wir“-Macher Carsten Strauch, dass die Intention der Sendung lediglich gewesen sei, einen „Blick auf den Menschen mit seinen Unzulänglichkeiten“ zu werfen. „Wir behandeln in jeder Folge sehr menschliche Themen. Die Bibelgeschichten sind mehr die Verpackung.“ Auch unter Christen habe es eine große Fangemeinde gegeben. „Und dann gab es auch Gruppierungen, denen das nicht so gut gefallen hat“, sagte Strauch. „Wir hatten nicht mit so heftigen Gegenreaktionen gerechnet. Wir haben ja nichts gegen Gläubige.“ Auch der Christliche Medienverbund KEP hatte sich kritisch mit der Sendung auseinandergesetzt. Der damalige Geschäftsführer Wolfgang Baake hatte kritisiert, dass „die Art und Weise, wie Gott von den zwei seltsamen Damen Inge und Renate dargestellt wird, […] die religiösen Gefühle vieler Christen und Juden zutiefst [verletze]“. Dies betreffe auch die Darstellung Jesu als fauler Taugenichts. Baake hatte sich dabei auf die Programmgrundsätze im ZDF-Staatsvertrag, Paragraf 41, nach der die Rundfunkprogramme „die Würde des Menschen sowie die sittlichen, religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen anderer zu achten“ hätten, bezogen. Strauch erklärte: „Dass sich Leute in ihrem Glauben so getroffen fühlen, war nicht unsere Absicht.“ Warum sich Menschen über die Sendung geärgert hätten, habe Strauch „nicht genau herausbekommen“. „Ich glaube, es hatte mit der Grundkonstellation zu tun: Gott dargestellt als zwei Frauen, von zwei Männern gespielt.“

„Wir wollen keine religiösen Gefühle verletzten“

Auch der Macher der Radio-Comedy „Jesus – Das Comeback des Jahrtausends“, Oliver Versch, hat nach eigener Auskunft eine andere Intention bei seiner Sendung gehabt, als einige Kritiker vermutet hätten: „Obwohl der religiöse Gedanke gar nicht im Vordergrund stand, haben wir mit Jesus eine bekannte Figur ins Zentrum gestellt, die positiv besetzt ist.“ Der Produzent erklärte: „Wir wollen keine religiösen Gefühle verletzten, sondern unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.“ Selbstkritisch zeigte sich Versch im Hinblick auf Gags wie „Du hast einen so großen Nierenstein, damit könnte man ein Grab zurollen“. Das versuchten sie „eigentlich zu vermeiden.“

Relevanzindiz Comedy

Die Kritik „Bei Moslems würdet ihr das nicht machen“ können weder Strauch noch Versch nachvollziehen. Das Erklärungsmodell, aus Angst keine Witze über den Islam zu machen, trage nicht. Ihre Antwort auf die Frage: „Wir machen keine Witze über den Islam, weil wir in einer christlich geprägten Welt leben.“ Thomas Weißer erklärte: „Humor braucht Kenntnisse über das, über das ich Witze mache, sonst versteht man ihn nicht.“ Beim Islam fehlten weiten Teilen der Gesellschaft die grundlegenden Kenntnisse, weswegen auch für Witze über den Islam das gemeinsame Fundament fehle. „Über Jesus ist mehr gemeinsames Wissen da.“ Aus Weißers Sicht könnten sich Kirchen deswegen darüber freuen, wenn Jesus und Gott in Comedy eine Rolle spielten: „Wahrzunehmen, dass Glaube überhaupt noch ein Thema ist, ist ein wichtiger Punkt.“ Schriftsteller Hein wies darauf hin, dass es „billig“ sei, sich über Glaube lustig zu machen, weil Glaube ja nicht beweisbar sei. Gags über Personen wie Franz-Peter Tebartz van Elst zu machen, sei dagegen legitim: „Der wahrhaft Gläubige sollte darüber lachen können.“ Versch brachte den Tenor der Runde auf den Punkt, als er fragte: „Wie schwach muss man in der Selbstwahrnehmung sein, um sich von sowas angegriffen zu fühlen?“ (pro)
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