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Wir alle stehen tief in der Schuld des Judentums

In Europa flammt erneut Antisemitismus auf. Dabei haben nicht nur Christen dem Judentum sehr viel zu verdanken. Ein Gastkommentar von Klaus John
Von PRO
Die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem dokumentiert, welche verheerenden Folgen Antisemitismus in Europa bereits hatte

Foto: pro/Christoph Irion

Die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem dokumentiert, welche verheerenden Folgen Antisemitismus in Europa bereits hatte

Der jüdische Einfluss ist zu groß, sagen die einen und der Jude liebt das Geld, meinen die anderen. Wer beim Friseur ins Gespräch kommt oder am Stammtisch in der Ecke sitzt, kann diese Sprüche wieder hören. Was heißt wieder? Diese antisemitischen Gedanken schlummerten nach dem Ende des 2. Weltkriegs in vielen deutschen Seelen. Man tat sie kund hinter vorgehaltener Hand und vielleicht etwas mutiger nach dem dritten Bier.

„Natürlich, was der Hitler mit den Juden gemacht hat, das war nicht gut. Aber Hand aufs Herz, die Juden sind mit ihrer Art und ihrer Politik an der Misere doch selbst schuld.“ Solche Sätze habe ich schon in meiner Kindheit auf dem Schulhof gehört. Dabei plapperten meine Schulkameraden das nach, was ihre Eltern zu Hause dachten.

Neid auf eine erfolgreiche Minderheit

Nur rund 15 Millionen Menschen sind Juden. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung liegt bei etwa 0,2 Prozent. Warum also so viel Aufhebens um eine Ethnie, die in den Ländern der Welt kleine Minderheiten bildet? Was motivierte den 3.500 Jahre alten Antisemitismus zu regelmäßigen Gewaltexzessen gegen die Abrahams, Saras, Leas und Jakobs in der Nachbarschaft?

Wir werden das Phänomen antijüdischer Vorurteile nie völlig ergründen können, aber nicht selten spielt Neid auf die Nachfahren Davids eine Rolle. Jeder fünfte Nobelpreis wird an einen jüdischen Wissenschaftler vergeben. Etwa 30 Prozent der Fakultätsmitglieder amerikanischer Eliteuniversitäten wie Harvard und Yale sind jüdischer Abstammung. Eine Vielzahl gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Fortschritte verdankt die Menschheit jüdischen Mitbürgern.

Paul Ehrlich begründete die Chemotherapie. Bob Dylan alias Robert Zimmermann beschenkte die Bürgerrechtsbewegung mit seinem Song „Blowing in the wind“. Sigmund Freud revolutionierte die Psychologie und Albert Einstein beschrieb die Relativitätstheorie. Steven Spielberg leitete als Regisseur einige der erfolgreichsten Filmprojekte. Und die leidenschaftlichen Benutzer von Facebook sollten nicht vergessen, dass Mark Zuckerberg ebenfalls Sohn jüdischer Eltern ist. Diese Liste ließe sich seitenweise fortsetzen.

Ruhetag, Hygiene – und Jesus Christus

Der Ruhetag des Sabbats ist eine monumentale Errungenschaft des Judentums über die sich auch die internationale Arbeiterbewegung freute. Moderne Hygienevorschriften und viele medizinische Vorsorgemaßnahmen haben ihre Wurzeln in der Thora. Gesellschaftliches Zusammenleben wäre ohne die 10 Gebote, die Mose auf dem Berg Sinai empfing, kaum vorstellbar. Und die Weltliteratur wäre um vieles ärmer ohne die Propheten des Alten Testaments.

Aber den größten Segen sehen Christen im Wirken Jesu Christi, den sie als den Retter der Welt verehren. Jesus war Jude und sagte explizit, dass das Heil von den Juden kommt.

Über Politik lässt sich ewig streiten und natürlich ist auch die israelische Politik voller Fragwürdigkeiten. Aber im Nahen Osten gibt es nur eine einzige echte Demokratie und die heißt Israel. Während des Libanonkriegs demonstrierten 400.000 Bürger gegen ihre eigene Regierung. In jedem anderen Land im Orient hätten die Machthaber die Panzer rollen lassen.

Glaube an Gott der Juden fordert Handeln

Aber was hat das Thema mit Diospi Suyana zu tun? Unser Verein betreibt in Peru ein Krankenhaus, eine Schule und ein Medienzentrum. Unser Aktionsfeld liegt fernab von den palästlinensischen Autonomiegebieten und unsere Spendenquellen speisen sich nicht aus jüdischen Konten in New York.

Wir glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – an den Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Wenn man Sara Mandelbaum wieder aus dem ersten Stock abführt, wollen wir nicht hinter der Gardine stehen. Und wenn die Steine in jüdische Synagogenfenster fliegen, zu Hause nicht die Musik etwas lauter stellen. Und sollte es für Juden eines Tages wieder Pflicht werden den gelben Davidstern zu tragen, dann sollten wir die ersten sein, die morgens mit diesem Zeichen auf der Jacke aus dem Haus gehen.

Dr. Klaus John ist Direktor und Gründer des Missions-Hospitals Diospi Suyana in Curahuasi (Peru). Foto: Diospi Suyana e.V.
Dr. Klaus John ist Direktor und Gründer des Missions-Hospitals Diospi Suyana in Curahuasi (Peru).

Von: Klaus John

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