Das christliche Medienmagazin

Wikileaks: Hintergründe zum Datenleck

Erneut sorgt die Internetplattform Wikileaks mit ihren Veröffentlichungen für Schlagzeilen. Dieses Mal enthüllen die Betreiber hunderttausende Berichte des US-Außenministeriums, die wenig schmeichelhafte Urteile der Amerikaner über Politiker in aller Welt enthalten. Hintergründe zu Wikileaks bringt die in dieser Woche erscheinende aktuelle Printausgabe des Christlichen Medienmagazins pro.
Von PRO

Foto: elnavegante/istockphoto

Kanzlerin Merkel werden "Teflon"-Eigenschaften bescheinigt, weil vieles von ihr abgleite, sie sei selten kreativ und meide das Risiko. Finanzminister Schäuble gelte als "zorniger alter Mann" und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel sei eine "schräge Wahl". Außenminister Guido Westerwelle werde, wenn er direkt herausgefordert wird, aggressiv und äußere sich abfällig über die Meinungen anderer Leute.

Die Dokumente, die dem "Spiegel" bereits vorab zugespielt wurden und aus denen das Magazin in seiner neusten Ausgabe zitiert, machen deutlich: Wertschätzung klingt anders. Und deshalb hat das US-Außenministerium schon frühzeitig damit begonnen, die betroffenen Regierungen über die geplanten Wikileaks-Enthüllungen zu informieren. Das Weiße Haus verurteilte das Vorgehen der Internetplattform-Betreiber. Die Publikation der vertraulichen und teils geheimen Dokumente gefährde weltweit Regimekritiker und Oppositionsführer, die im Kontakt mit US-Diplomaten stünden.

Auch geheime Daten veröffentlicht

Laut "Spiegel" stammen 90 Prozent der Dokumente aus der Zeit seit 2005. Nur sechs Prozent seien als "geheim" eingestuft, 40 Prozent als "vertraulich". Der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, räumte in einem "Spiegel"-Interview ein, er sei "unglaublich wütend" auf denjenigen, der das Material heruntergeladen habe.

Das Christliche Medienmagazin pro schildert in seiner aktuellen Ausgabe die Vorgehensweise der Webseite "Wikileaks", die 2006 ins Leben gerufen wurde. Betrieben werde das Internetportal von etwa fünf festen Mitarbeitern, über die wenig bekannt ist, sowie Hunderten von freiwilligen Helfern. Der Ablauf sei normalerweise so, dass jemand, wie jüngst geschehen, anonym geheime Daten über das Internet Wikileaks zuspielt. Dort prüften die Mitarbeiter sie auf Authentizität, woraufhin das Dokument auf verschiedene Server weltweit gelegt werde, wo es von jedem Internetnutzer eingesehen werden könne.

Die anonymen Informanten sind laut Wikileaks geschützt, niemand solle je erfahren, wer da etwas ausgeplaudert hat. Für die Opfer des Online-Verrats – selbst für die "Supermacht" USA – ist es hingegen schwierig, gegen Wikileaks vorzugehen. Ein Server steht zum Beispiel in Schweden, wo journalistische Quellen rechtlich gut geschützt sind.

Der Beitrag in pro listet spektakuläre Veröffentlichungen von Wikileaks in der jüngsten Vergangenheit auf. So unter anderem den Feldjägerbericht über den NATO-Angriff auf entführte Tanklastzüge bei Kunduz. Zuletzt war Wikileaks in den Schlagzeilen, weil dort Ende Oktober 391.832 Dokumente über den Irakkrieg erschienen waren. Wie bei den aktuellen Enthüllungen hatten Medien wie der "Spiegel", die "New York Times" oder der "Guardian" vorab Einsicht erhalten.

Aber Wikileaks wird auch von Journalisten scharf kritisiert. pro zitiert die bekannte investigative Reporterin Dana Priest, zweifache Pulitzer-Preisträgerin und Mitarbeiterin der „Washington Post“: Die Plattform sei „verantwortungslos“. Dort würden "Informationen ungeprüft an die Öffentlichkeit gebracht, ohne jeden Filter, obwohl sie den eigenen Truppen oder dem Land eine Menge Schaden zufügen können.“ Wie groß nun im aktuellen Fall der außenpolitische Schaden für die USA ist, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Was durch die Internetplattform angerichtet werden kann, das machen die „Afghanistan-Protokolle“ deutlich, die im August 2010 über Wikileaks den Weg an die Öffentlichkeit fanden: Sie enthüllten die Identität von mindestens 100 Afghanen, manchmal mitsamt der Namen ihrer Dörfer und ihrer Familienmitglieder und sogar ihre GPS-Koordinaten. Taliban-Kämpfer machten sich demnach  umgehend auf die Suche nach diesen „Verrätern“. Ein Stammesführer wurde entführt und exekutiert. (pro/dpa)

Die aktuelle Ausgabe des Christlichen Medienmagazins kann unter 06441/915-151 kostenlos angefordert werden.

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