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Wieviel Shitstorm ist erlaubt?

Die Moral bleibt im Netz immer wieder auf der Strecke. Das haben Medienexperten am Dienstag auf der Netzkonferenz re:publica festgestellt und Lösungen diskutiert. Für Unterhaltung sorgte eine Zusammenfassung der witzigsten Internetlügen.
Von PRO
Bernhard Pörksen vertraut auf die Selbstheilungskräfte des Internets

Foto: Stephan Röhl

Bernhard Pörksen vertraut auf die Selbstheilungskräfte des Internets
Für Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen steht fest: Ethische Netzprinzipien sind nicht im Kirchenstil und „von der Kanzel herunter“ zu predigen. Vielmehr vertraue er darauf, dass Netznutzer ihre eigenen moralischen Richtlinien entwickeln. Shitstorms bezeichnete er als eine „moderne Form der Wertedebatte“, weil den Protestwellen oft eine Gegenbewegung folge. „Vertrauen wir doch noch ein wenig länger auf die Selbstheilungskräfte im Internet“, forderte er statt konkreter Gegenmaßnahmen.

„Wir müssen uns um Eckpfeiler Gedanken machen“

Petra Grimm, Leiterin des Instituts für Digitale Ethik, widersprach: „Wir müssen uns um Eckpfeiler Gedanken machen“, sagte sie über Verhaltensrichtlinien im Netz. Sie erklärte das am Beispiel von Köpfungsvideos des Islamischen Staats (IS), die sich im Internet verbreiten. „Kriegspornografie ist die Grenze“, sagte sie. Wenn es nur noch um die Bilder der Gewalt gehe und diese keine Zusatzinformation böten, sei das Teilen nicht angebracht. Zudem spiele es der Propaganda der Terroristen in die Hände. Im Internet sei jeder ganz individuell in einer Verantwortungsposition. Grimm warnte außerdem vor der Gefahr des Mobbings, etwa durch Shitstorms. „Immer, wenn sich der Protest gegen Einzelne richtet, halte ich das für nicht vertretbar“, sagte sie. Auch bei Personen des öffentlichen Lebens müsse die Verletzlichkeit des Menschen anerkannt werden. „Medienkritik ist notwendig“, sagte sie, aber die Art und Weise mache den Unterschied. Der Journalist Stefan Niggemeier appellierte an Netzaktivisten, bei Postings einzukalkulieren, dass sich schon eine kleine öffentliche Kritik in einen riesigen Shitstorm verwandeln könne. Von den Betreibern von Netzwerken wie Twitter wünschte er sich eine größere Bereitschaft, in solchen Fällen einzugreifen. Dennoch hält er Kritik im Internet für einen berechtigten Ausdruck von Protest. Als Beispiel nannte er die Petition zur Absetzung von Markus Lanz als Moderator der Sendung „Wetten, dass..?“.

Lügen im Internet: spaßig bis schädlich

Was tatsächlich bei der Kommunikation im Internet schief laufen kann, zeigte die re:publica bei einer Veranstatung zum Thema Hoax-Kampagnen. So werden Geschichten bezeichnet, die sich im Internet verbreiten, sich aber im Nachhinein als unwahr herausstellen. Prominente Beispiele solcher Kampagnen sind etwa die Bonsai-Kittens. Vor einigen Jahren verbreiteten sich im Internet Fotos kleiner Katzen, die in Gläser gepresst wurden, scheinbar mit dem Ziel, sie zu verkaufen, damit Käufer damit ihre Wohnung dekorieren können. Auch die Widerspruchspostings bei Facebook – Fotos, die einen Text zeigen, mit denen Nutzer den AGBs des Sozialen Netzwerks widersprechen – zählen zu den Hoax-Kampagnen. Die Journalisten Deef Pirmasens und Christian Schiffer identifizierten verschiedene Formen von Hoaxes. Manche entstünden zufällig, etwa durch Übersetzungsfehler von Journalisten oder weil Satire nicht als solche erkannt werde. Andere Kampagnen seien politisch motiviert oder reine PR. Um einen erfolgreichen Hoax zu kreieren brauche es ein emotionales und glaubwürdiges Thema sowie Social Media-Aufmerksamkeit, die einen Schneeballeffekt auslöst. Damit User nicht auf Hoaxes hereinfallen, gaben die Referenten zwei einfache Ratschläge: Vor dem Posten sei jeder aufgerufen, innezuhalten und sich zu fragen, ob das Teilen wirklich notwendig sei. In jedem Fall solle jeder Internetnutzer eine Meldung aber durch eine zweite Quelle verifizieren. Wer übrigens glaube, Hoaxes seien ein Phänomen der modernen Netzwelt, irre, sagten Pirmasens und Schiffer. Zum Beweis präsentierten sie das Titelbild des Magazins Stern aus dem Jahr 1983. Damals veröffentlichte das Medium nachweislich gefälschte Hitlertagebücher. Der Vorgang zählt zu den größten Skandalen des Journalismus in Deutschland. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/republica-sucht-nach-der-wahrheit-91943/
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