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Wie viel Satire müssen Christen aushalten?

In Deutschland wird immer wieder über Sinn und Unsinn „stiller Feiertage" gestritten. Soll man am Karfreitag tanzen und religionskritische Filme zeigen dürfen? Norbert Schäfer und Johannes Weil diskutieren.
Von PRO
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Darf die Kernbotschaft des christlichen Glaubens am Karfreitag Gegenstand von Satire sein? Foto: Mika Springwald / Bernd Arnold
Darf die Kernbotschaft des christlichen Glaubens am Karfreitag Gegenstand von Satire sein?

Das Bundesverfassungsgericht hat am Mittwoch geurteilt, dass sich Religionskritiker am Karfreitag nicht pauschal über Gesetze hinwegsetzen dürfen, um den Monty-Python-Film „Das Leben des Brian” zu zeigen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) stuft den Film als „nicht feiertagsfrei” ein. Die Satire darf daher an „stillen Feiertagen“ wie dem Karfreitag nicht ohne weiteres öffentlich gezeigt werden. Dazu braucht es eine Sondergenehmigung, die die Bochumer Initiative „Religionsfrei im Revier” nicht eingeholt hatte. Dadurch handelte sie sich ein Bußgeld von 300 Euro ein. Das wollten die Konfessionsfreien nicht hinnehmen und klagten.

Das muss man aushalten können!

Von pro-Redakteur Norbert Schäfer

Bei dem Film, in dem der Hauptdarsteller Brian zufällig zeit- und ortsgleich mit dem Heiland geboren wird, später dann jedoch gegen seinen Willen als Messias verehrt und schließlich gekreuzigt wird, bleibt vielen Christen das Lachen förmlich im Halse stecken. Der Film ist grenzwertig. Aber: Ich muss mir den Streifen ja nicht ansehen. Die Freiheit habe ich und nehme ich mir. Einerseits muss man sich fragen, ob in der zunehmend säkularisierten Gesellschaft die christlichen Feiertage ihre Bedeutung für das Gros der Bevölkerung ohnehin bereits eingebüßt haben. Andererseits drängt sich die Frage auf, wie weit es mit der gegenseitigen Rücksichtnahme her ist. Wer als Religionsloser darauf pocht, an wenigen Tagen im Jahr einen Film, der augenscheinlich die religiösen Gefühle von Menschen verletzt, zeigen zu dürfen, hat in puncto Rücksichtnahme einiges nicht verstanden.

Wer andererseits als gläubiger Christ darauf besteht, dass ein Film partout nicht gezeigt werden darf, weil er darin eine blasphemische Provokation erkennt, hat die Themen Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit nicht in Gänze auf dem Schirm. Für eine plurale Gesellschaft wäre es wünschenswert – und für ihr Gelingen und Fortkommen wohl auch erforderlich –, wenn gegensätzliche Positionen, Vorlieben und Geschmäcker wechselseitig ausgehalten werden können. Das muss für Christen, für Muslime, Agnostiker, Steakliebhaber und Vegetarier gelten.

Provokation muss nicht immer sein!

Von pro-Redakteur Johannes Weil

Wenn Christen zum ersten Mal „Das Leben des Brian“ anschauen, bleibt ihnen oft das Lachen im Halse stecken, weil sie ihre religiösen Gefühle verletzt sehen. Natürlich können die Konsumenten selbst entscheiden, ob sie sich den Film anschauen oder eben nicht. Aber es kann auch eine Provokation sein, ihn ausgerechnet am Karfreitag zu zeigen. Vielen ist die Bedeutung des Feiertags eben nicht mehr bewusst – oder egal. Und genau deswegen sollten Christen (auch in einer säkularen Gesellschaft) nicht alles hinnehmen und auch ihre Befindlichkeiten äußern dürfen.

Respekt und Rücksicht gehören zum Leben dazu. Gepriesen sei die Meinungsfreiheit. Aber an diesem Tag des Jahres wünsche ich mir Rücksicht als oberstes Gebot. Das heißt nicht, dass ich gegensätzliche oder gegenteilige Positionen nicht aushalten kann. Aber der „stille Feiertag“ kann ruhig ein solcher bleiben. Ein Tag, an dem manches eben nicht erlaubt ist, etwa die Verballhornung der Kreuzigung Jesu.

Es geht darum, diesen Tag „auszuhalten“ und über seinen Sinn nachzudenken: Die Tatsache, dass Gott leidet, und für andere stirbt. Das ist für den gesunden Menschenverstand nicht immer leicht nachvollziehbar. Dass Gott seinen Sohn verbluten lässt – für uns. Übrigens: Spätestens beim Weihnachtsprogramm in den kommenden Tagen stelle ich mir die Frage, ob nicht der eine oder andere Film mehr als „nicht feiertagsfrei” hätte eingestuft werden müssen.

Von: Norbert Schäfer und Johannes Weil

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