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Wie unsere Gemeinden zu Filialen der Liebe Gottes werden

Die Jahreslosung für 2021 fordert dazu auf, barmherzig zu sein. pro-Kolumnist Jürgen Mette erklärt, was das bedeutet und welche Kraft darin steckt.
Von PRO
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Jürgen Mette hat erlebt, was Barmherzigkeit heißt

Foto: pro/Jürgen Mette

Jürgen Mette hat erlebt, was Barmherzigkeit heißt

Mal angenommen, wir würden die Jahreslosung von der Barmherzigkeit Gottes in der ganzen Tiefe und Breite verstehen und als Lebenskonzept übernehmen: Dann wären unsere Gemeinden Filialen der Liebe Gottes, Quartier für die Verachteten, Herberge für die Rastlosen, Unterstand für die Missbrauchten, Anlaufstelle für Fragen, für die man sich nicht mehr schämen muss.

„Seid barmherzig!“

Begründung: Weil euer Vater (im Himmel) auch (mit euch) barmherzig ist!

Dieses Zitat Jesu aus der Feldrede bei Lukas (Kapitel 6,36) ist einfach, kompakt, konkret und einprägsam. Jeder des Lesens Kundige kann diesen Aufruf zur Barmherzigkeit erfassen und bedenken. Dieses Jesus-Wort soll mir im ersten Jahr nach Corona zu einem Lebensmotiv werden. Mal angenommen, wir würden in einer dienenden, hingegebenen und demütigen Weise jedes Geschöpf Gottes achten. Es ist eine Barmherzigkeit, die sich von Erbarmen Gottes her erschließt.

Barmherzigkeit ist nicht das kölsche „Et hätt noch emmer joot jejange.“, auch nicht das fränkische „Bast scho!“. Barmherzigkeit ist das Wahrnehmen eines Menschen, der unter die Räder gekommen ist, und ein Mühen um seine leibliche und seelische Gesundung.

Mal angenommen, du machst ernst mit der Jahreslosung. Deine Frau oder dein Mann werden das spüren, eure Kinder werden euch wie verwandelt vorkommen. Und sie werden bei ihren Eltern eine neue Liebe, Geduld, Verständnis und Zärtlichkeit entdecken. Wenn einer dem anderen in Demut und Respekt begegnet, dann herrscht nicht der Mann über seine Frau und die Frau nicht über ihren Mann. Göttliche Barmherzigkeit zu erfahren, ist das Tiefste, was sich in unserer Erinnerung speichern wird.

Lösemittel für festgefahrene Beziehungen

Wenn ich an meinen Vater denke: wie er als selbstständiger Holzbauunternehmer ein Leben lang hart gearbeitet hat und nach einem 14-Stunden-Tag nach Hause kam und mich noch über den Hausaufgaben sitzen sah, sich kurz von Mutter ein kleines Nachtessen servieren ließ und sich dann meiner erbarmte und meine Ladehemmung in Algebra überwand. Und das alles in einem freundlichen Ton, ohne Zorn und Zweifel. Mathe war nie mein Wohlfühlfach. Mein Vater hätte es nicht als Barmherzigkeit bezeichnet, aber für mich wurde das zum Anschauungsunterricht der besonderen Art. Ich frage mich, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht von Kindheit an pure Barmherzigkeit erlebt hätte. Weil mir so viel Barmherzigkeit geschenkt und gewährt wurde, darum kann ich nicht schweigen von dem Gott der Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit ist das Lösemittel für festgefahrene Beziehungen. Nur einer muss den Anfang machen. Barmherzigkeit ist typisch Gott. Er hat sich in der Geschichte seines Volkes und der Christentumsgeschichte barmherzig gezeigt.

Von der Barmherzigkeit sind die getrieben, die aus dem Ruhestand als Ärzte und Pflegekräfte sich jetzt freiwillig für den Dienst an Covid-19-Infizierten melden.

Ja, ich höre schon den Protest derer, die das große „Aber“ aufrichten: Sie predigen Barmherzigkeit und gewähren sie nicht, sie reden von Gnade, aber sie erteilen sie nicht. Das „Aber“ ist vernünftig, ist biblisch fundiert, aber es ist das Gegenteil von Gnade und Barmherzigkeit.

Ich wünsche meinen Lesern die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes. Unser Platz ist bei denen, die am Ende verloren haben.

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