Content-Plattformen werden das Geschäft von christlichen Medienhäusern und Verlagen immer stärker herausfordern. Das sagte Matthias Brender, Geschäftsführer von Bibel TV, bei der Mitgliederversammlung der Christlichen Medieninitiative pro. Es sei gut, wenn christliche Medien auf Plattformen wie Instagram oder TikTok präsent sind.
Doch je bedeutsamer die Plattformen als Ausspielwege werden, desto schwieriger sei es für Medienhäuser, sich zu finanzieren. Denn Inhalte auf Social Media seien für die Nutzer kostenlos. Zugleich nehme die Reichweite der linearen Medien ab, was sie für Werbekunden weniger interessant mache. Wenn diese direkt auf den Plattformen Anzeigen schalteten, nütze dies nur den Tech-Unternehmen, nicht aber den Medien, die ihre professionell erzeugten Inhalte dort posteten.
Plattformen seien keine klassischen Gatekeeper, die Inhalte nach Relevanz filterten, wie es Journalisten traditionell machen. Vielmehr seien sie „Rule Setter“: Sie bestimmten durch Algorithmen die Regeln, nach denen Inhalte verbreitet werden. Religiöse und ernsthafte Inhalte hätten es daher auf einer Unterhaltungsplattform wie TikTok schwerer. Außerdem könne sich die politische Regulierung der Plattformen – etwa durch die Gewichtung von Diversitätskriterien – darauf auswirken, wie die Algorithmen bestimmte Inhalte anzeigten oder zurückhielten.
Plattformen mit christlichen Inhalten wachsen
Auch auf dem internationalen christlichen Markt werden Plattformen zukünftig eine größere Rolle spielen, prognostizierte Brender. Er verwies auf die US-amerikanische App „YouVersion“, die mit Online-Bibeln bekannt geworden ist und mittlerweile auch andere Angebote wie Predigten und Inhalte lokaler Ministries zur Verfügung stellt. Ähnlich sei es mit der App „pray.com“. Diese arbeite gerade daran, ihre Inhalte mithilfe künstlicher Intelligenz für den spanischsprachigen Markt bereitzustellen. „Was passiert, wenn eine hochkapitalisierte Plattform, die bisher nicht in Deutschland ist, per KI all ihre bewährten Inhalte – geprüft und optimiert – auf einmal in unsere Sprache kippt?“, fragte Brender mit Blick auf die Auswirkungen für hiesige christliche Medienunternehmen.
„Wir haben ein sich schließendes Zeitfenster für christliche Medien, für die wesentlichen Bereiche eine für uns möglicherweise hilfreichere Plattform zu bauen, bevor globale christliche Plattformen den deutschen Markt aufteilen“, wagte Brender einen Ausblick. Doch dies sei sehr teuer. Während die Plattform-Ökonomie das Geschäftsmodell traditioneller Medienhäuser infrage stelle, hätten es „die von Gott begabten christlichen Köpfe auch ohne uns Medienhäuser über globale Plattformen“ immer leichter, die Botschaft von Jesus zu verkündigen. Der Bedarf an der Art solcher Inhalte, wie sie christliche Anbieter hätten, werde immer wichtiger, je orientierungsloser Menschen würden.
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden drei neue Mitglieder in die Christliche Medieninitiative pro aufgenommen: die Baptisten-Pastorin und Rundfunkbeauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen Jasmin Jäger, Tobias-Benjamin Ottmar, Leiter Kommunikation des Verbandes diakonischer Dienstgeber, sowie Thomas Nawrath, Redakteur bei der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ sowie Korrespondent des Evangelischen Pressedienstes für Sachsen-Anhalt.