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Wie Hass die nationale Identität steigern kann

Hasstaten treten in Deutschland verhäuft auf. Was die Menschen dazu motiviert, andere zu erniedrigen, ihnen Angst einzuflößen oder sogar gewalttätig zu werden, erforscht der Sozialpsychologe Andreas Zick.
Von PRO
Laut des Sozialpsychologen Andreas Zick lässt sich eine starke Zunahme bei den vorurteilsbasierten Hasstaten verzeichnen
Laut des Sozialpsychologen Andreas Zick lässt sich eine starke Zunahme bei den vorurteilsbasierten Hasstaten verzeichnen

Sogenannte „Hate Crimes“ – Hasstaten – nähmen in Deutschland immer mehr zu, wie Andreas Zick, Sozialpsychologe und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld, in einem Interview der Zeitung Die Welt berichtet. Damit seien Angriffe auf Asylbewerberheime, aber auch Gewalt gegen Polizisten, häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen gemeint. Zick betont, dass die Zunahme von Kriminalität nicht primär an der Zuwanderung von Flüchtlingen liege. Immer mehr Menschen radikalisierten sich. Darunter seien nicht nur Rechtsextreme. „Viele Hassraten passieren dort, wo der Ausländeranteil gering ist“, erläutert der Sozialpsychologe.

Die Flüchtlingskrise habe allerdings das Gefühl ausgelöst, dass die nationale Identität bedroht sei. Der Selbstwert des Menschen basiere auf der persönlichen und sozialen Identität. Es gebe immer mehr Menschen, deren soziale Identität aufgrund der unsicheren Arbeitssituation bröckele. „Aber wenn die Menschen gar nichts mehr haben, dann haben sie immer noch eines: ihre Nationalität“. Sobald Menschen sich mit Gruppen identifizierten, die aus der Höherwertigkeit gegenüber anderen Nationen und Kulturen ihre Identität beziehen, bestehe die Gefahr, dass sie ihren Selbstwert durch die Abwertung von anderen gewännen. Die nationale Identität könne dadurch gesteigert werden.

Politik muss dringend investieren

Menschen, die sich abgrenzen, wendeten sich Parteien zu, die sich gegen das System, gegen die Elite richten, wenn sie merkten, dass alte Bindungen nicht mehr funktionieren. Dass die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition gescheitert sind, habe den Eindruck bei diesen Menschen bestätigt, dass Kompromisse etwas Schlechtes seien, weil sie da nur verlieren könnten. „Aber um Konflikte aufzulösen, muss man Kompromisse eingehen“, betont Zick.

Er plädiert für eine große Koalition mit einem mittelfristigen Generationswechsel. Nun müsste die Regierung dringend Maßnahmen ergreifen, wie beispielsweise einen Kommunalfonds, für den sich Kommunen mit besonderen Integrationsprogrammen bewerben könnten. Zudem müsse die Politik in Bildung investieren und dringend ein Integrations- und Migrationskonzept erstellen. Außerdem müsse mit denen eng zusammengearbeitet werden, die die Maßnahmen umsetzen sollen.

Von: Jennifer Adam

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