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Wie Gott die Menschen in Krisenzeiten versorgt

Am Erntedankfest kommen Himmel und Erde zusammen. Aber wovon leben wir eigentlich, wenn es knüppeldick kommt? Gott hat in Krisenzeiten für die Menschen vorgesorgt. Ein Gastbeitrag von Jürgen Mette
Von Jürgen Mette
Erntedankfest in der Kirche: „Ein die Sinne betörender Farbenrausch“

Foto: Gemeinfrei

Erntedankfest in der Kirche: „Ein die Sinne betörender Farbenrausch“

Erntedankfest.

Seit meiner Kindheit eines der schönsten Feste im Kirchenjahr. Ein prall gefüllter, knackig-frischer und herb-süßlich duftender Bio-Altar betört unsere Sinne im Farbenrausch und provoziert die Speichelproduktion so heftig, dass man das AMEN des Predigers herbeisehnt. So appetitlich kann Kirche sein. Ich habe mich hinterher immer gefragt, wer dieses geweihte Grünzeug verzehrt. Der Pfarrer wahrscheinlich.

Am Erntedankfest kommen Himmel und Erde zusammen. Früchte von Bäumen und Früchte aus der Erde zeigen unsere Abhängigkeit von Gott, dem Geber aller Gaben. Damit demonstrieren wir auch unseren Dank gegenüber den Bauern und dem Nahrungsmittelgewerbe, die in Verantwortung gegenüber der Schöpfung unser täglich Brot liefern. Vogelgrippe, BSE, MKS und allerhand Futtermittelskandale haben manchen Bauern und Viehzüchtern den Spaß an der Arbeit verdorben. Und auch das Ei, Inbegriff eines reinen Lebensmittels, kommt immer mal wieder in die Schlagzeilen. Seitdem wasche ich jedes Ei, über dessen Herkunft ich nicht genau Bescheid weiß. Und wenn ich ganz sicher sein will, dann schäle ich das Ei vor dem Essen.

Kaktusscheibchen wären schon schön gewesen

Ein kleiner Exkurs in die alte Geschichte Israels: Das Exodus-Protokoll im Alten Testament berichtet von der größte Völkerwanderung aller Zeiten. Das war ein nicht mehr enden wollender riesiger Familien-Wandertag mit jeder Menge Haustieren im Schlepptau. Nicht auszudenken, jeden Abend vor dem Biwak Tausende von Hühnern einzufangen. Die waren völlig verdattert, weil sie sich nie ans Nest gewöhnen konnten – da ging es schon wieder weiter.

Hinter ihnen lag die Gastarbeiterkolonie in Gosen, einer ägyptischen Provinz, vor ihnen lag Kanaan im Jordantal. Man munkelte was von Milch und Honig.

Aber dann ging der Stress erst richtig los. Die Heimat musste erkämpft werden. Gott schickte sie in den Wüstentest. Sie sollten entdecken, was wirklich trägt. Kein Wort mehr von Milch und Honig und weit und breit kein Erntedankfest in Sicht. Ein Schluck Brackwasser und ein rasiertes Kaktusscheibchen wären schon schön gewesen.

Gegen den Wahn der Machbarkeit aller Dinge

Das kennen wir ja auch: Wenn wir nichts zu futtern haben, dann sind wir ungenießbar. Dieses uralte Protokoll einer Völkerwanderung wirft eine elementare Frage auf: Wovon leben wir eigentlich, wenn es knüppeldick kommt? Von den hohlen Versprechungen mancher Politiker, die sich meistens als Versprecher herausstellen, oder von scheinbar sicheren Prognosen der Statistiker. Bei allem Respekt vor unseren Politkern, aber sie balgen sich nur mit den Symptomen einer chronisch kranken Gesellschaft herum, an die Ursachen kommen sie nicht heran. Ursachen müssen auf einer anderen Ebene bekämpft werden. Darum feiern die Christen jedes Jahr wieder Erntedankfest. Wir stellen uns damit gegen den Wahn der Machbarkeit aller Dinge. Nichts muss gehen, wenn Gott es nicht gelingen lässt.

Das Volk Israel war während der Zeit in Ägypten ziemlich anspruchslos geworden. Sie lebten von den Resten ihrer Herren. Kübelweise Kaviar und gegrillte Kamelhaxen, direkt vom Mülleimer auf den Tisch der Hungrigen. Kleiner Appetizer gefällig?

4. Mose 11,5 ff: Wer will uns Fleisch zu essen geben? Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und der Gurken, der Melonen, des Lauchs, der Zwiebeln und des Knoblauchs …“

Das war der Reiz der alten ägyptischen Speisekarte. Die wären lieber wieder in die Gefangenschaft gegangen, Hauptsache, sie hätten was zum Futtern gehabt. Und nun kommt die entscheidende Passage, die ich zur kernigen Kernaussage des Erntedankfestes machen möchte:

Nun aber ist unsere Seele matt, unsere Augen sehen nichts als das Manna! Aber das Manna – sprich Müsliriegel – war wie Koriandersamen und anzusehen wie Baumharz. Und das Volk lief hin und her und sammelte und zermalmte es in Mühlen, oder zerstieß es in Mörsern, und kochte es im Topf und machte Kuchen daraus, und es schmeckte wie Ölkuchen.

Göttlicher Müsliriegel Manna

Gott versorgt sein an Fett gewöhntes Volk mit einem überaus diätischen Lebensmittel: Manna. Das war ein hochnahrhaftes und überaus gesundes Baumharz, das nachts von den Bäumen oder einfach vom Himmel gefallen war. Das war das Extrakt, nicht nur ein Surrogat.

Sie wurden auf eine vegetarische Diät gesetzt, um ihnen das Überleben zu sichern. Das Zeug war nicht besonders schmackhaft, vielleicht klebte es an den Zähnen, so eine antike Variante von Stork-Riesen, diesen klebrigen Schokobonbons. Aber das Manna hatte alles, was die Menschen zum Überleben brauchten. Ballaststoffe, Mineralien, Vitamine und Proteine, und eine gepflegte Portion Cholesterin.

Anstatt das Volk sich dankbar über diese Müsliriegel hermacht, fangen sie an zu motzen und zu jammern: „Ach wären wir doch in Ägypten geblieben.“ Das klingt wie „Ach hätten wir wieder die gute alte DDR“ oder „Bei Adolf hätte es nicht so viel Faulenzer gegeben!“

Dieser Auszug aus dem Exodus-Protokoll lehrt uns zweierlei, etwas über gesunde Ernährung und über die Art und Weise, wie Gott seine Leute durchbringt. Das Manna, diese göttlichen Müsliriegel, stehen in der Bibel symbolisch für die Art und Weise Gottes, seine Leute in Krisenzeiten zu versorgen, nicht nur mit Essen, sondern mit dem Leben schlechthin. Und wenn Jesus von sich selbst sagt, dass er das Brot und das Wasser des Lebens ist, dann ist das mehr als eine Ernährungsempfehlung oder ein Hinweis auf die Bedeutung des guten Vollkornbrotes. Er nährt uns. Und wir lernen zu teilen.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Foto: privat
Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Von: Jürgen Mette

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