Das christliche Medienmagazin

Wie entwickeln Kinder Charakter?

Warum entwickeln manche Kinder Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Fairness oder Respekt vor anderen – und andere eben nicht? Authentische Vorbilder, aber auch tiefgehende Gespräche in der Familie spielen für die Entwicklung eigener Werte und Moralvorstellungen eine wichtige Rolle.
Von PRO

Foto: flickr, Michael Beat

"Ein Kind mit gefestigtem Charakter denkt an andere, handelt
selbstbestimmt, es scheut Auseinandersetzungen nicht, und kann seine eigenen Schwächen
und Stärken realistisch einordnen", so die Psychologin Nicola Baumann
gegenüber dem Magazin "Focus Schule". Das Magazin für Eltern untersucht
in der aktuellen Ausgabe, welche Voraussetzungen nötig sind, damit Kinder einen
"guten Charakter" entwickeln.

" Eltern sollten die Kinder schon früh auf den Unterschied zwischen  richtig und falsch aufmerksam machen", davon ist der amerikanische Rabbi Wayne Dosick überzeugt. "Schon kleine Kinder brauchen klare moralische Werte, an denen sie sich ausrichten können", schreibt er  in seinem Erziehungsratgeber "Kinder brauchen Werte – 10 Lebensregeln, die Kindern Halt und Orientierung geben". "Kinder sind glücklicher, wenn sie aus Elternhäusern kommen, in denen es Ideale gibt, die über Ansehen, Erfolg und Konsum hinausgehen", davon ist Rabbi Dosick überzeugt.

Eigene Werte entwickeln

In dem Artikel von Anne Kathrin Reiter kommen Pädagogen und Theologen, aber auch Kinder und junge Erwachsene  zu Wort. So auch die 13-jährige Ronja aus Berlin. Sie engagiert sich ehrenamtlich bei der Jugendfeuerwehr und sagt: "Helfen macht mir einfach Spaß." Dieses Gefühl sei einfach da gewesen. Der 22-jährige Linus sieht heute seine ehemalige  Computerspielleidenschaft kritisch. Bis zu sieben Stunden am Tag spielte er Counterstrike. Inzwischen bezeichnet er es als Fehler, so viel Zeit "verballert" zu haben.

"Durch das Spielen habe ich einige Jahre meiner Jugend verloren und wertvolle Zeit verpasst, die ich besser mit Freunden oder Freundinnen verbracht hätte." Heute spielt er zwar immer noch, aber wesentlich seltener und vor allem im Team. Seinen Computerkenntnissen verdankt er allerdings seine Ausbildungsstelle. Er rät Eltern aus eigener Erfahrung zu mehr Gelassenheit. "Das Computerspielen hat mich spät erwachsen werden lassen, aber jetzt mache ich mir umso mehr Gedanken, worauf es im Leben wirklich ankommt", sagt er gegenüber "Focus Schule".

Die 24-jährige Tabea, die zu den "Jesus Freaks" in Köln gehört, will versuchen, die Welt in kleinen Dingen zu verändern. "Ich versuche, Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen", sagt sie."Jesus ist der Mittelpunkt meines Lebens." Religion, Gott, Barmherzigkeit und Demut spielten eine wichtige Rolle für ihre Eltern, beide gläubige Baptisten. Dennoch habe sie einige Jahre gebraucht, bis sie begann, ihren Glauben aktiv leben.

Wie entwickeln sich Moralvorstellungen?

"Moralische Intelligenz erwirbt man sich nicht durch das Auswendiglernen von Regeln und Vorschriften oder durch abstrakte Schuldiskussionen …", schreibt der Autor und Pulitzer-Preisträger Robert Coles ("Kinder brauchen Werte. Wie Eltern die moralische Intelligenz fördern können", Rowohlt). Gemeinsame Gespräche in der Familie sind seiner Ansicht nach wichtig für die Werteentwicklung von Kindern. Im anstrengenden Tagesgeschäft moderner Familien werde häufig nur noch Organisatorisches abgeklärt, für tiefgründige Gespräche bleibe kaum Zeit übrig. Er appelliert an Eltern, sich "echte Gespräche mit ihren Kindern regelrecht vorzunehmen", damit sie nicht im Alltagsstress auf der Strecke bleiben.

Demut und Mitmenschlichkeit wichtige Werte

"In der Kirche lernen Kinder wichtige Rituale", so die Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler (München. Man brauche  nicht unbedingt eine Religion, damit aus Kindern gute Menschen werden aber die uralten Tugenden wie Respekt vor Mitmenschen oder Demut, die die Kirche lehre, gäben Kindern Halt. Mitmenschlichkeit sei ein wichtiger Wert, der heute verloren gegangen zu sein scheine. Deswegen sei das Gebot, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, heute wichtiger denn je. "Selbst wenn Eltern Zweifler sind, sollten sie Kindern Feste wie Erntedank, Weihnachten oder Ostern nicht vorenthalten." Die Feste strukturierten das Leben der Kinder und zeigten ihnen, dass es sich lohnen könne, auch einmal auf etwas zu warten.

Viele seien heutzutage auf der Suche nach dem "Herrn in ihrem Leben": Konsum, Erfolg, Urlaub, Jugendwahn. Da Kinder sich auf der Suche nach der eigenen Rolle befänden, sollten ihnen Väter und Mütter in ihren Lebensentwürfen nachahmenswerte Vorbilder sein. Aber Eltern müssten nicht perfekt sein, um Kindern Geborgenheit zu vermitteln und sie gut zu erziehen, so die Psychologin Nicola Baumann. Wichtig sei, dass Eltern ein nachahmenswertes Vorbild abgeben, dass sie  authentisch seien und den eigenen Prinzipien treu bleiben.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Diskutieren Sie mit!

Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Meinung sagen. Gerne klar, ehrlich, prägnant – aber bitte immer respektvoll, damit sich viele Menschen mit unterschiedlicher Meinung beteiligen. Daher achten wir besonders auf eine respektvolle Debattenkultur.
Jeder Leserkommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft. Bitte beachten Sie dazu unsere Kommentar-Richtlinien. Manchmal kann es etwas dauern, bis ein Kommentar freigeschaltet ist. Sie haben ab Veröffentlichung sieben Tage Zeit, einen Artikel zu kommentieren. Danach wird der Kommentarbereich automatisch geschlossen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen