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Wie ein Napalm-Opfer neues Leben fand

Sie ist das Mädchen auf einem Bild, das um die Welt ging – nackt, schreiend, flüchtend. Phan Thị Kim Phúc wurde während des Vietnamkriegs von einer Napalmbombe verbrannt. In dem Buch „Ins Herz gebrannt“ beschreibt sie, wie sie die Schrecken des Krieges hinter sich ließ und bei Jesus Hoffnung fand. Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil
Von PRO
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Opfer von Napalm-Bomben waren im Vietnam-Krieg keine Seltenheit

Foto: The U.S. National Archives

Opfer von Napalm-Bomben waren im Vietnam-Krieg keine Seltenheit

Phan Thị Kim Phúc verlebte in der vietnamesischen Provinz Tay Ninh eine unbeschwerte Kindheit. Der beginnende Krieg zwischen ihrem Land und den USA veränderte ihr Leben radikal. Beim Napalm-Angriff eines südvietnamesischen Flugzeugs erlitt die Neunjährige schwerste Verbrennungen, aber sie überlebte. Über den Vorfall und darüber, wie sich ihr Leben unter Gottes Führung veränderte, schreibt sie in dem Buch „Ins Herz gebrannt“, das bei Gerth Medien erschienen ist.

Ihr Name bedeutet „Goldene Glückseligkeit“. Kim Phuc und ihre Geschwister erleben für vietnamesische Verhältnisse eine schöne und unbeschwerte Kindheit. Diese ermöglicht ihnen vor allem die Mutter, die mit Unterstützung des Vaters ein Restaurant betreibt und das Geld für die Familie investiert. Als Kim Phuc neun Jahre alt ist, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung. Bei einem Angriff auf ihr Dorf Trảng Bàng werden auch Napalm-Bomben abgeworfen. Das chemische Mittel verbrennt ein Drittel ihrer Körperoberfläche. Der Pressefotograf Nick Ut fotografierte die schreienden und flüchtenden Kinder in dieser Situation. Das Foto, das das nackte, rennende Mädchen zeigt, ging um die Welt.

„Das Leben war zerstört, aber ich lebte noch“

Der Fotograf bringt Kim Phuc in ein Krankenhaus. Die Überlebenschancen bei Verbrennungen von bis zu 1.200 Grad sind nicht besonders hoch. Obwohl ihr Leben am seidenen Faden hängt, gibt die Mutter die Hoffnung auf das Überleben ihrer Tochter nicht auf. Erst nach zwei Jahren Hauttransplantationen, Operationen und Therapie kann das Mädchen in seinen Heimatort zurückkehren. Mehrere hundert Male muss sie in einer Lösung baden, die höllische Schmerzen verursach. Kim Phúc beschreibt ihren Zustand drastisch: „Das Leben war zerstört, aber ich lebte noch.“

In ihrer Familie spielt die Caodai-Religion eine wichtige Rolle, die sich als Vollendung aller göttlichen Offenbarung sieht. Doch zu wem sie in ihrer Religion betet, weiß Kim Phúc nicht genau. Sie findet keinen Halt in ihrer Religion.

Nach Begegnungen mit Christen beginnt sie, sich intensiver mit der Bibel zu beschäftigen. Sie entdeckt, dass jeder Einzelne mit und durch den Glauben etwas Wertvolles geschenkt bekommt. Dies möchte sie in ihrem Leben umsetzen. Sie beginnt zu beten und vertraut Gott ihre wichtigsten Lebensthemen an. Im Weihnachtsgottesdienst 1982 bekennt sie sich in der christlichen Gemeinde öffentlich zu Jesus. Die Familie betrachtet diesen Schritt skeptisch. Das gegenseitige Vertrauen bekommt einen Knacks.

„Ich habe Amerika nie gehasst“

Jahrelang wurde Kim Phuc in Vietnam noch als Kriegsopfer des Vietnamkriegs vorgeführt. Im Buch schreibt sie jedoch, dass sie entgegen aller Medienberichte „Amerika nie hasste“. Authentisch berichtet sie von Hunger- und Krisenzeiten: „Ich hatte oft Hunger und absolut nichts zu essen, bis mir meine Studienkollegen freundlicherweise etwas Brot und Milch schenkten.“ Zudem verstärkte der Zustand in den kommunistischen Ländern ihre Sehnsucht nach Freiheit und Frieden. Mit politischer Hilfe bekommt sie einen Studienplatz für Medizin in Kuba. Dort lernt sie Bùi Huy Toàn kennen. Ihre große Liebe heiratet sie dort. Auf dem Rückflug der Hochzeitsreise nutzen die beiden den Stopp ihres Flugzeugs in Kanada, um dort politisches Asyl zu beantragen und der Enge ihrer kommunistischen Heimat zu entfliehen.

Kim Phuc erlebt zwei Wunder, als sie zwei gesunde Söhne zur Welt bringt. Kim Phuc wusste nicht, ob sie wegen der Folgen ihrer Verletzungen Kinder bekommen kann. Mit der „Kim Phuc Foundation“ gründete sie 1997 eine Stiftung, die sich für medizinische und psychologische Hilfe für Kinder einsetzt, die Opfer eines Krieges wurden. Ihren gesamten Schilderungen und Aufzeichnungen spürt man ein tiefes Gottvertrauen ab, trotz der traumatischen Erlebnisse im Krieg.

Luxemburgs Großherzog nach seinem Glauben befragt

Weil sie sich für Aussöhnung und Frieden einsetzt, wird sie 1994 UNESCO-Sonderbotschafterin. In dieser ehrenamtlichen Funktion hat sie auch Kontakt mit vielen Prominenten wie Queen Elizabeth oder dem luxemburgischen Großherzog Henri. Die Begegnung mit ihm nutzte sie, um ihn auf Glaubensthemen anzusprechen. Ihr Anliegen ist es, „möglichst viele Samen auszustreuen“. Für das Gedeihen sorgt Gott selbst, ist sie sich sicher.

Das Buch ist keine tiefer gehende kritische Stellungnahme zum Vietnamkrieg, aber das verrät die Autorin schon in ihrem Vorwort. Es ist ein gut lesbares Buch, das trotz einer anfänglich grausamen Geschichte Mut machen soll, Gottes Wunder im menschlichen Leben zu sehen. Und es soll dazu anregen, Jesus ähnlicher zu werden, die Welt mit Liebe zu gestalten und Versöhnung zu ermöglichen.

Kim Phuc Phan Thi: „Ins Herz gebrannt Ins Herz gebrannt. Wie ich die Schrecken des Krieges hinter mir ließ und Frieden, Vergebung und Hoffnung fand“, Gerth Medien, 384 Seiten, 18 Euro, ISBN 9783957345028 Foto: Gerth Medien
Kim Phuc Phan Thi: „Ins Herz gebrannt Ins Herz gebrannt. Wie ich die Schrecken des Krieges hinter mir ließ und Frieden, Vergebung und Hoffnung fand“, Gerth Medien, 384 Seiten, 18 Euro, ISBN 9783957345028
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