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“Wichtiges Thema”: SWR-Redakteur Uwe Mönninghoff über “Verfolgte Christen”

Die Reportage "Verfolgte Christen - Die bedrohte Religionsfreiheit", die die ARD am Mittwochabend sendete, wurde von NDR, SWR und WDR hergestellt. Die Federführung lag beim SWR. Vier Korrespondenten berichteten in dem Programm über das Schicksal von Christen, die unter Verfolgung leiden, ihren Glauben nicht frei äußern können. Wir haben mit Uwe Mönninghoff, beim Südwestrundfunk (SWR) Redakteur für Religion, Kirche und Gesellschaft, über die Dokumentation gesprochen.
Von PRO

Herr Mönninghoff, in zahlreichen islamischen Ländern leben Christen gefährlich. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit steht hier nur auf dem Papier. Der Film “Verfolgte Christen” befasst sich mit der Situation von Christen in vier unterschiedlichen Ländern und Städten: Bethlehem, Ägypten, Indonesien und Nigeria. Christen werden oder wurden dort von Muslimen verfolgt, angegriffen oder gar ermordet. Was hat Sie und Ihre Kollegen dazu gebracht, eine Reportage über Christenverfolgung zu machen?

Es gibt zwei aktuelle Anlässe. Zum einen ist da der Fall Rahman in Afghanistan. Außerdem gab es bereits einen Film, der über die Lage in Palästina berichtete. Der Beitrag von Uri Schneider sollte Mitte März in der ARD laufen. Er musste abgesetzt werden, weil sich Menschen, die in dem Film vorkommen, bedroht fühlten. Der Schutz von Informanten ist natürlich wichtig. Deshalb haben wir den Beitrag zurückgezogen. Das Thema ist aber zu wichtig, um ganz davon abzulassen. Teile des Beitrages von Uri Schneider sind in der Sendung “Verfolgte Christen” übrigens verwendet worden.

In Alexandria in Ägypten werden Christen auf offener Straße von Moslems angegriffen, ebenso in Bethlehem. In Indonesien haben Moslems ein Mädchen ermordet – weil sie als Christin mit ihrer Familie in die Kirche geht. Die Momentaufnahmen des Schicksals von Christen zeigen den Zuschauern die Gefahr, der Christen in vielen Ländern ausgesetzt sind, auf brutale Weise. Kann man als Beobachter da noch Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Religionen haben?

Wer keine Hoffnung hat, hat schon verloren. Ich denke, ein Frieden zwischen den Religionen ist nur möglich, wenn die Beteiligten aufeinander zugehen und miteinander reden. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass Christen immer bereit sind, Vertretern einer anderen Religion auf Augenhöhe zu begegnen. Wenn ein Kontakt zu Anhängern anderer Religionen immer nur als ein Mittel von Mission betrachtet wird, läuft hier nichts. Ja, ich denke, alle – auch die Opfer von Unterdrückung – haben eine Bringschuld in Sachen Gewalt-Deeskalation. In unserer Sendung haben wir dafür ein gutes Beispiel aus Nigeria gezeigt: der Pastor einer Pfingstkirche und ein Imam machen gemeinsam Friedensarbeit.

Christenverfolgung wurde – nicht erstmals, aber doch in bislang unbekanntem Umfang – durch den Fall Abdul Rahman in den Medien präsent. Menschenrechtsorganisationen weisen zwar immer wieder auf die Verfolgung von Christen hin, doch die Medien haben sich lange zurückgehalten. Warum ist das so?

Schwer zu sagen. Vielleicht deshalb, weil die von Ihnen genannten Menschenrechtsorganisationen immer irgendwie auf einem Auge blind zu sein scheinen. Wer nur und ausschließlich die Unterdrückung von Christen anprangert, ist nicht glaubwürdig. Andere Organisationen wie Amnesty international kommen mit ihren Anliegen durchaus in die Medien. Vielleicht nicht genug, aber sie kommen.

Das Thema “Christen gegen Moslems” ist grundsätzlich heikel, umstritten. Nicht erst seit dem so genannten “Karikaturenstreit” ist viel von dem “Kampf der Kulturen” die Rede. Sind die Berichte über verfolgte Christen Ihrer Ansicht nach Beispiele für die Realität dieses Aufeinanderprallens der christlichen und moslemischen “Kultur”?

In den meisten Fällen sollte man vom “Kampf innerhalb der Kulturen” sprechen. Es ist ja nicht so, dass alle Muslime auf Christen losgehen. Sowenig wie alle Christen Unterdrückung lammfromm erdulden. Innerhalb der muslimischen Gesellschaften konkurrieren unterschiedliche Wege einer Modernisierung. Und diese Auseinandersetzungen werden mit Gewalt ausgetragen. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaften. Dabei werden immer wieder auch äußere Feinde gesucht, die dann den Sündenbock abgeben. Ähnliche Auseinandersetzungen um den richtigen Weg einer Modernisierung gibt es auch innerhalb der christlichen Gruppen. Denken Sie nur an die Frage: Wie halten wir es mit Homosexuellen? Zum Glück ist die Gewaltbereitschaft bei Christen aber meist geringer entwickelt als bei Muslimen. In unserer Sendung mussten wir aber auch von Mordtaten durch Christen berichten.

Befürchten Sie aufgrund des Filmbeitrags mögliche Reaktionen von Muslimen, die sich in ein falsches Licht gerückt fühlen?

Es ist immer denkbar, dass sich Menschen, über die berichtet wird, missverstanden fühlen. Ich hoffe, dass sich diese Zuschauerinnen und Zuschauer an uns wenden. Wir werden versuchen, ihnen zu erklären, wie wir vorgegangen sind. Aber aus Furcht vor Widerstand darf man keine Berichterstattung zurückhalten.

Die Fragen stellte Andreas Dippel.

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