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“Wer Parkinson hat, muss nicht verzweifeln”

Am Dienstag hat Jürgen Mette ein Buch über seine Parkinson-Erkrankung vorgestellt. In "Alles außer Mikado" setzt sich der langjährige Vorsitzende der Stiftung Marburger Medien mit neuen Einschränkungen, bewahrten Freiheiten und mit Gott auseinander.
Von PRO

Foto: pro

"Der geheimnisvolle Herr P. ist in mein Leben getreten. Ich schieße mich zornig auf ihn ein, personifiziere ihn, nenne ihn beim Namen. Dieser P. scheint fest entschlossen zu sein, mich zu einem Behinderten zu machen. Für immer!" Jürgen Mette, engagiert in Kirche und christlichen Medien, erreichte der Befund vor vier Jahren – Parkinson.

Die Krankheit zu bekommen ist das eine, etwas anderes, ein Buch darüber zu schreiben. Für Mette gibt es mehrere Anlässe, seine Krankheitsgeschichte schriftlich festzuhalten: Vor allem möchte er Betroffenen Mut machen: "Wer Parkinson hat, der muss nicht verzweifeln". Es geht ihm aber auch darum, sein Leid zu verarbeiten, indem er es niederschreibt. Außerdem möchte er um Vergebung bitten für allzu forsche und unsensible Predigten vor Leidgeprüften. Durch seine Krankheit, sagt Mette, sei er nun sensibilisiert für deren Lage.

"Ich schreie lautlos zu Gott"

In dem Buch beschreibt Mette die ersten Anzeichen der Krankheit, die anfängliche Flucht vor ihr, einfühllose und ermutigende Ärzten, die Hindernisse im Alltag und seine Depression: "Ich (…) schreie lautlos zu Gott und finde keinen Schlaf." Hinzu kommt die unausweichliche Frage nach Gott – wie kann er das nur zulassen? Doch für Mette steht fest: "Gott sitzt nicht im Himmel und verteilt Krankheit." Er ist sich sicher: "Wenn mein Glaube mich nicht durch diese Krise trägt, dann taugt das ganze System nichts."

Das Buch imponiert durch die Ehrlichkeit des Autors. "Fromme Sprüche", die vorschnell "alles gut" aussehen lassen wollen, gibt es hier nicht. Auf der Buchvorstellung sagt Mette: "Der Weg zur Akzeptanz ist nicht abgeschlossen, ich weiß nicht, ob er jemals abgeschlossen sein wird." Offen sei auch, ob die kommenden Jahre besser oder noch schlimmer werden. Doch die zentrale Botschaft, die er weitergibt, ist: "Dass ich meinen Frieden gefunden habe mit Gott, der über allem steht."

"Leben trotz Parkinson"

Auf diese Weise beschreibt das Buch Mettes Auseinandersetzung mit Gott. Anhand der biblischen Personen Hiob und Paulus befasst sich Mette mit der Theodizee-Frage. Doch auch Humor hat seinen Platz im Leben des Autors behalten. Humor, Musik und Gemeinschaft mit Leidensgenossen sind für Mette wichtige Linderungsmittel neben der Medizin.

In Zukunft will sich Mette verstärkt Vorträgen und Predigten widmen, in denen er diese Botschaft weitergeben möchte. Perfekte oder "aalglatte" Auftritte früherer Tage werde es nicht mehr geben. Doch die Hoffnung sei, dass sich durch die "Brüchigkeit der physischen Fassade der Inhalt des Evangeliums viel besser verströmt". Sein Amt als Geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung Marburger Medien gibt Mette Ende Januar auf. "Kein Abschied, wie ich ihn mir vorgestellt habe." Doch er folgt damit der Aufforderung seines Arztes: "Leben Sie jetzt das, was Sie 30 Jahre lang gepredigt haben." "Das ist wie eine Re-Ordination", sagt Mette.

UPDATE:
Mettes Buch landete Anfang Mai 2013 auf Platz 32 der "Spiegel"-Bestsellerliste Hardcover Sachbuch.

(pro)

Jürgen Mette, "Alles außer Mikado. Leben trotz Parkinson", Gerth Medien 2013, 192 Seiten, 14,99 Euro.

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