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Wer ist hier Muslim?

"Der Islam gehört zu Deutschland." Mit dieser Aussage sorgte Bundespräsident Christian Wulff im vergangenen Jahr für Aufsehen. Die muslimischen Verbände bejubelten den Satz und in Deutschland entbrannte eine gesellschaftliche Debatte. Die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus hat in ihrem Buch "Wer ist hier Muslim" die Entwicklung des islamischen Bewusstseins in Deutschland untersucht.
Von PRO

Foto: Ikhlasul Amal (flickr)

Durch integrationsunwillige Jugendliche, Zwangsheirat oder Bilderbuchkarrieren mit Migrationshintergrund sei, so die Feuilletonistin Karen Krüger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), das Thema allgegenwärtig: "Deutschland ist sich auf einmal eines islamischen Lebens bewusst." Gewandelt habe sich die Brille durch die muslimische Personen des öffentlichen Lebens wahrgenommen werden würden, etwa der Grünen-Chef Cem Özdemir oder der Schriftsteller Navid Kermani.

Die Forscherin, die der Humboldt Universität Berlin lehrt und ehrenamtlich im Vorstand in der Muslimischen Akademie tätig ist, fragt, wie die Religion zu einem derart wichtigen Unterscheidungskriterium werden konnte. Für die Islamwissenschaftlerin ist es nicht deren Profilierungssucht, sondern sie wer-den auch durch die Gesellschaft zu solchen gemacht. Für ihr Buch "Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutsch-land zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung", das zugleich ihre Dissertationsschrift ist, hat sie die Islam-Debatte und deren Protagonisten begleitet.

"Unabhängig von spirituellen Gründen"

Da soziale Konflikte zunehmend als Glaubenskonflikte wahrgenommen würden, bliebe den Muslimen nichts anderes übrig, als sich zu positionieren. Der Islam erscheine insofern als gesellschaftliches Problem, weil er durch sein Wesen und Inhalt ein enormes Erregungspotential für die Gesellschaft besitze. Eine These ist, dass in dem Maße in dem die Anfeindungen gegen Muslime wachsen, auch die Hinwendung zur Auseinandersetzung mit der Religion wächst. "Es ist in der Tat so, dass ich stärker als Teil dieses Kollektivs ‘Islam’ agiere. Weil ich zum Teil dieses Kollektivs gemacht werde. Und zwar unabhängig von spirituellen Gründen", wird der Autor Navid Kermani in der "FAZ" zitiert.

Muslime in Deutschland seien nicht das homogene Gebilde, als das sie oft dargestellt würden, sondern eher ein Mosaik. In dieser Feststellung sieht die Berliner Forscherin eine Chance: "Der Paradigmenwechsel stellt vor allem neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einflussnahme am Diskurs zur Verfügung", erklärt Spielhaus. Das 225-seitige Buch ist im Ergon-Verlag erschienen und kostet 29 Euro. (pro)

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