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Wer ist hier eigentlich der Phobiker?

Matthias Matussek ist der erste Journalist, der sich offen als „homophob“ bezeichnet hat. Auch wenn das Manche befremdlich finden: Für die Diskussion um Homosexualität ist diese Klarheit erhellend. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Bezeichnete sich selbst als homophob: Welt-Autor Matthias Matussek
Bezeichnete sich selbst als homophob: Welt-Autor Matthias Matussek

Der Vorwurf der „Homophobie“ galt lange Zeit als Wunderwaffe, als zuverlässiger Maulkorb für alle, die gegenüber Homosexualität Vorbehalte irgendeiner Art hatten – seien sie begründet oder unbegründet. Wer auch immer sich dieses Wort ausgedacht hat, hat hervorragende Arbeit geleistet. Denn wer seinen Gegnern im Diskurs eine zwanghafte, irrationale Angstvorstellung vorwerfen kann – nichts anderes ist eine „Phobie“ – der spart sich weitere Nachweise für die eigene Position.

„Ich bin wohl homophob“

Schließlich helfen bei Phobien keine rationalen Argumente weiter. Sie ist ja krankhaft. Unbegründet. Wer Angst vor Spinnen hat, dem wird man auch nicht helfen können mit dem Hinweis, dass Weberknechte für den Menschen vollkommen ungefährlich sind. Armer Phobiker. Niemand, der sich an einer Debatte beteiligen will, will als gestört gelten. Homophob, das sind immer die anderen. Daher ist dieses Wort auch immer eine Fremdbezeichnung gewesen.
Bis zum vergangenen Mittwoch. Da nämlich erdreistete sich Welt-Autor Matthias Matussek doch tatsächlich, seinen Kommentar zu überschreiben mit den Worten „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“. Dabei kann man den früheren Kulturchef des Spiegel sicherlich als jemanden sehen, der aufgrund seiner oft energischen Wortmeldungen möglicherweise einen höheren Tastaturverschleiß hat als die Kollegen. Dennoch hat es seine Botschaft in sich. Er argumentiert, jeder, der Homosexualität für „defizitär“ halte, werde bestraft. In Spanien per Gesetz, in Deutschland durch soziale Ächtung.
Matussek referiert den Moment in der Maischberger-Sendung, an dem Birgit Kelle sich nicht entlocken ließ, ob sie eine Familie mit Kindern besser finde als eine homosexuelle Partnerschaft. Der Journalist kommentiert: „Was für ein Eiertanz um die einfache Tatsache, dass die schwule Liebe selbstverständlich eine defizitäre ist, weil sie ohne Kinder bleibt.“

„Ich lasse mir meine Gedankenfreiheit nicht nehmen“

Den katholischen Philosophen Robert Spaemann zitiert er „zustimmend“: „Das Natürliche ist auch moralisches Maß für die Beurteilung von Defekten. Nehmen Sie die Homosexualität: Die Abwesenheit der sexuellen Anziehungskraft des anderen Geschlechts, auf dem die Fortexistenz der menschlichen Gattung beruht, ist ein solcher Defekt. Aristoteles nennt das einen Fehler der Natur. Ich sage, es ist einfach ein unvollständig ausgestattetes Wesen, wenn es über die Dinge nicht verfügt, die zu einem normalen Überleben gehören.“
Er lasse sich seine „Gedankenfreiheit“ nicht nehmen, schreibt Matussek, das gehöre zu seinem „Stolz als Publizist“. Außerdem halte er nicht die „Veranlagung“ für „Sünde“ – „ich glaube, der liebe Gott liebt alle seine Geschöpfe. Doch ich glaube auch an die Polarität der Schöpfung und daran, dass es für Kinder wichtig ist, diese Polarität zu erleben.“ Besonders den Hinweis, dass Gott alle Menschen liebt, vergaßen viele der 26.000 Facebook-User, die diesen Artikel geteilt haben. Öffentliche Diskussionen über Homosexualität können sehr verletzend für Betroffene sein, und diese Komponente kommt oft zu kurz. Schließlich handelt es sich um etwas sehr Persönliches.

Kommunikativer Geniestreich

Mit seinem Kommentar beweist Matussek aber, dass seine Position alles andere als das Produkt einer diffusen Angststörung ist. Er argumentiert, warum es in einer Demokratie erlaubt sein muss, seine Meinung auch in dieser Frage zu äußern. Er zeigt, dass es in Spaemann und Aristoteles Menschen gab und gibt, die auf hohem intellektuellen Niveau homosexuellen Partnerschaften eine andere Bedeutung zuweisen als Familien.
Dass er sich trotz dieser vernunftbasierten Erklärung nun „homophob“ nennt, erscheint nur auf den ersten Blick masochistisch. In Wahrheit ist diese Selbstbeleidigung nicht weniger als ein kommunikativer Geniestreich. Matussek wusste, dass er als homophob bezeichnet werden würde, egal was er schreiben würde. Indem er dem zu erwartenden Vorwurf vorauseilt, zeigt Matussek, wie armselig und hilflos dieses Etikett eigentlich ist. Denn seine Meinung ist gut begründet, auch wenn seine Voraussetzungen von seinen Kritikern nicht geteilt werden.

Zieht Matussek in den Krieg?

Damit zwingt er seine Gegner, sich inhaltlich mit seiner Position auseinanderzusetzen – oder sich selber als irrational zu outen. Die Welt-Redaktion sah sich daher auch zu einer ungewöhnlichen Maßnahme genötigt. Gleich zwei „Gegenreden“ veröffentlichte das Blatt, die eine nannte Matusseks „Homophobie“ „unchristlich“, die andere „verletzend“ – mit dem etwas hilflos wirkenden Versuch, das Philosophenzitat mit einem Nena-Song zu kontern.
Der angesehene Medienjournalist Stefan Niggemeier zitierte – ebenfalls zustimmend – den kruden Vergleich seines Freundes Michalis Pantelouris: „Wenn Opa vom Krieg erzählen will, dann tun wir eben so, als würden wir zuhören, wenn das macht, dass er sich besser fühlt. Sollte er allerdings nochmal Stiefel anziehen und in den Krieg ziehen wollen, müsste man ihm schon klarmachen, dass er in der Welt heut nichts mehr zu sagen hat.“ Den beiden Bloggern reicht es also schon, das Alter des 59-jährigen Matussek zum Anlass zu nehmen, um ihn als ewiggestrigen Prädemokraten zu verleumden und damit aus dem Diskurs auszuschließen.
Das sind keine Argumente, sondern Diffamierungen aus Angst, jemand wie Matussek könnte einmal noch mehr zu sagen haben. Doch muss man wirklich Angst vor Diskussionen haben, wenn man sich seiner Sache doch sicher ist? Oder anders gefragt: Wer ist hier eigentlich der Phobiker? (pro)

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