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Wer darf über den Tod entscheiden?

Der Deutsche Ethikrat tagt. Der 78-jährige Richard Gärtner hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital beantragt. Er möchte nach dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Körperlich und geistig ist er noch fit. Ferdinand von Schirach hat die Debatte zum Thema seines Buches „Gott“ gemacht.
Von PRO
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Ferdinand von Schirach hat wieder ein ethisches Thema zum Bestandteil seines neuesten Buches und Theaterstückes gemacht: die Frage über die Selbstbestimmung am Lebensende.
Ferdinand von Schirach hat wieder ein ethisches Thema zum Bestandteil seines neuesten Buches und Theaterstückes gemacht: die Frage über die Selbstbestimmung am Lebensende.

Richard Gärtner möchte nicht mehr leben. Seine Frau ist vor drei Jahren gestorben, die letzten 18 Monate hat sie sich gequält. Gärtner bat seine Ärztin um Beihilfe zum Suizid und hat ein Medikament beantragt, das in anderen Ländern von Sterbehilfe-Organisationen eingesetzt wird. Jetzt muss der Ethikrat entscheiden, wie weiter vorzugehen ist.

In Ferdinand von Schirachs Buch „Gott“ hören sich die Mitglieder den Fall an und müssen dann ein Urteil fällen. Zunächst wird der Fall geschildert. Dann kommen die Sachverständigen zu Wort: ein Arzt, ein Jurist und ein Theologe. Aus juristischer Sicht gibt es nämlich ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Rechte von Herrn Gärtner garantiert. Übrig bleibt die ethische Dimension des Stücks.

Antragsteller möchte in Ruhe sterben

Dies ist der Stoff des neuen Stücks des Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Bereits in seinem ersten Drama „Terror“ hat er das abschließende Urteil den Lesern und Zuhörern überlassen. Beim Fall von Richard Gärtner dreht sich alles um die Frage, wer über Tod von Menschen entscheidet. Richard Gärtners Frau litt an einem Hirntumor. Die Beiden waren 42 Jahre verheiratet. Er fragt sich, ob es richtig sein kann, dass er noch da ist und seine Frau nicht. Eigentlich möchte er auch nur in Ruhe sterben.

Dann treten die Sachverständigen in Erscheinung. Der Jurist erklärt die Rechtslage in Deutschland, der Arzt zeigt die Chancen der Palliativ-Medizin auf, verschweigt aber nicht, dass Gärtner Anspruch auf das Medikament hätte, der katholische Theologe weist auf das Wächteramt der Katholischen Kirche hin.

In der Debatte der Sachverständigen mit dem Richter werden viele ethische Themen gestreift. Würde es bei einer Pro-Entscheidung zu einem Dammbruch kommen und das Sterben verhandelbar werden? Muss die Entscheidung nach christlichen Werten getroffen werden? Wie würde sich das Bild eines Arztes verändern, der nicht im und beim, sondern zum Sterben hilft?

Starke Charaktere sorgen für Emotionen

Gärtners Anwalt nutzt ein Bild, um sein Plädoyer deutlich zu machen. Notausgänge seien gebaut worden, um sie zu benutzen. Auch der Patient selbst habe eine Autonomie und Würde und der Mensch sei frei genug, um über sein Leben zu entscheiden. Von Schirach gelingt es, mit den Charakteren auch Emotionen in die Debatte einzubringen.

Am Ende des Buches müssen sich Ethikrat und Leser entscheiden. Soll alleine Gott die Entscheidung über Leben und Tod treffen, weil er es geschenkt hat? Oder ist der Tod, um Gärtners Sichtweise einzunehmen, kein abstraktes Problem, sondern ein persönliches, aus dem sich Staat und Religion herauszuhalten haben? Ergänzt wird der Band um Essays von drei namhaften Wissenschaftlern, die das Thema der ärztlichen Suizidbegleitung aus medizinethischer, juristischer und theologisch-philosophischer Perspektive beleuchten.

Das Erste zeigt im November 2020 den mit Barbara Auer, Lars Eidinger, Matthias Habich, Ulrich Matthes, Anna Maria Mühe, Christiane Paul, Götz Schubert und Ina Weisse besetzten Fernsehfilm, den der mehrfach ausgezeichnete Regisseur Lars Kraume nach dem gleichnamigen Theaterstück und Buch „GOTT“ von Ferdinand von Schirach inszeniert hat. Wie bei „TERROR – Ihr Urteil“, sind auch diesmal die Zuschauer aufgerufen, multimedial abzustimmen und zu diskutieren. Nach Verkündung des Ergebnisses wird Frank Plasberg die Zuschauerentscheidung in seiner Sendung „hart aber fair” mit Experten erörtern.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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