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Wenn Humor zum Krieg wird

Wo hört der Spaß auf und wo fängt der Ernst an: Der französische Komiker Dieudonné ist bekannt für religionsfeindliche Äußerungen in seinem Programm. Für sein aktuelles Programm „Le Mur“ (Die Mauer) erteilte ihm die französische Justiz ein Auftrittsverbot. In einem Video an seine Fans wirft er der Politik vor, ihm den Krieg erklärt zu haben.
Von PRO
Der französische Komiker Dieudonné hat mit seinen Aufführungen eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, wie sich Humor und Religion vertragen

Foto: Copyleft / wikipedia (CC0 1.0)

Der französische Komiker Dieudonné hat mit seinen Aufführungen eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, wie sich Humor und Religion vertragen

Weil das Auftrittsverbot lediglich für „Le Mur“ gelte, möchte er stattdessen sein neues Bühnenprogramm „Asu Zoa“ präsentieren. Mit dem Verzicht auf „Le Mur“, hoffe er, „die Affäre Dieudonné“ zu beenden. Er beuge sich, dem in einem Rechtsstaat gesprochenen Recht, zitiert ihn die französische Nachrichtenagentur afp.

Verbot durch den Polizeipräsident

Das Alternativ-Programm soll demnach aus „überlieferten Mythen und primitivem Volksglauben“ bestehen sowie Musik, Tanz und einige Tai-Chi-Bewegungen enthalten, beschreibt er in seiner Videobotschaft. Der Pariser Polizeipräsident hatte die für Samstag, Sonntag, Montag und Mittwoch geplanten Auftritte Dieudonnés in der Hauptstadt untersagt. Auch in anderen Städten verhängten Gerichte ein Verbot.
Dem französischen Innenminister Manuel Valls warf Dieudonnés vor, ihm „den Krieg erklärt“ zu haben. Valls hatte den örtlichen Behörden empfohlen, die Auftritte Dieudonnés zu verbieten. Es gehe nicht um humoristische, sondern um politische Versammlungen, bei denen der Komiker antisemitische und rassistische Parolen verbreite.

Nachahmer bei Sportlern gefunden

Dieudonné ist unter anderem für den sogenannten Quenelle-Gruß bekannt. Der nach einer speziellen Sorte Klöße benannte Gruß ist eine Geste, bei der man eine Hand auf den anderen durchgestreckten Arm legt. Sie wird mittlerweile von vielen Sportlern verwendet und erinnert an den Hitler-Gruß. Dieudonné sieht sie als systemkritische Geste. Sein Programm spickt der Komiker mit regelmäßigen Ausfällen gegen Israel, Huldigungen für Irans Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad oder die libanesische Hisbollah. Die rabiaten Attacken bescherten ihm laut Spiegel Online mehr als ein halbes Dutzend Verurteilungen.
Nach Recherchen von France-Info erzielt der Komiker mit seiner Firma einen jährlichen Umsatz von rund zwei Millionen Euro. Der Justiz schuldet er laut dieser Angaben noch 65.000 Euro an Strafgeldern. Er selbst bezeichnet sich als mittellos. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2011 wegen des Verdachts auf „betrügerische Insolvenz“. Wie die Neue Zürcher Zeitung meldet, war es am vergangenen Donnerstag zu Auseinandersetzungen zwischen Befürworten und Gegner von Dieudonné gekommen. Die Gruppen beschimpften und beleidigten sich, zu ernsteren Vorfällen kam es aber nicht. Die Polizei löste die nicht angemeldeten Proteste auf und nahm rund 50 Menschen fest.
Die Debatte in Frankreich hat den bloggenden Religionswissenschaftler Michael Blume veranlasst, sich Gedanken über den Zusammenhang von Religion und Humor zu machen: Die Gattung interkonfessioneller Witze gewinne an Bedeutung. Bei Dieudonné gehe es allerdings nicht um Humor, sondern um Bedienen und Schüren gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Die Niedertracht religiöser Witze

Erfreulicherweise sei das Bewusstsein für die Niedertracht solcher Witze inzwischen gestiegen und werde wenigstens in öffentlichen Bereichen des Internets meistens durch andere Nutzer geahndet. „Dabei gibt es jedoch leider eine beunruhigende Ausnahme: Verletzender Humor auf Kosten religiöser Menschen gilt als angesagt und ‚aufgeklärt‘ und wird von einer Mehrheit der Nutzer schulterzuckend oder gar zustimmend akzeptiert.“ Eine steigende Zahl von Menschen lebe ihre Aggressionen und Minderwertigkeitskomplexe gegen eine der letzten „vogelfreien“ Gruppen aus.
Statt solche Attacken gütig lächelnd wegzustecken, bestehe die „schwierigste, aber vielleicht notwendige Übung der Christen darin, Religionsfeindlichkeit standhaft und besonnen als das zu entlarven, was sie ist: Eine weitere Variante von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die kein bisschen besser, lustiger oder gar ‚aufgeklärter‘ ist als etwa Sexismus, Homophobie oder Rassismus. Der Religionswissenschaftler bloggt den scilog „Natur des Glaubens“. Er ist auch Autor zahlreicher theologischer Bücher. (pro)

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