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Wenn Gesunde sterben wollen

Eine Studie zur Sterbehilfe sorgt in den Niederlanden für Aufsehen. Demnach hegen 0,18 Prozent der älteren Bürger den Wunsch, zu sterben – ohne dass sie ernsthaft krank sind. Für die linksliberale Partei D66 bedeutet das einen Dämpfer.
Von Nicolai Franz
Hochgerechnet wollen mehr als 10.000 der über 55 Jahre alten Niederländer ihrem Leben ein Ende setzen, ohne dass sie krank sind

Foto: Marcelo Leal on Unsplash

Hochgerechnet wollen mehr als 10.000 der über 55 Jahre alten Niederländer ihrem Leben ein Ende setzen, ohne dass sie krank sind

Schätzungsweise mehr als 10.000 aller Niederländer, die über 55 Jahre alt sind, wollen ihr Leben beenden – ohne dass sie ernsthaft krank sind. Das ist das Ergebnis einer vergangene Woche veröffentlichten repräsentativen Studie der Universität Utrecht mit 21.000 Teilnehmern.

Vor allem die verstärkenden Faktoren für den Todeswunsch lassen aufhorchen. Demnach geben 56 Prozent Einsamkeit an, 42 Prozent äußerten die Sorge, anderen Menschen zur Last zu fallen, 36 Prozent haben Geldsorgen. 44 Prozent von ihnen haben einen geringen Bildungsabschluss.

Betroffenen wieder Lebenssinn geben

Hintergrund ist die Debatte, ob in den Niederlanden auch künftig gesunde Menschen aktive Sterbehilfe erhalten dürfen, die ihr Leben als „vollendet“ ansehen und damit abgeschlossen haben. Die linksliberale Partei D66 bereitet gegenwärtig einen Gesetzesentwurf vor, der aktive Sterbehilfe für Menschen ab 75 legalisieren würde, auch wenn sie gesund sind. Die Ergebnisse der Studie gäben Gegnern des Vorhabens wichtige Argumente, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Mehrere Kritiker hätten sich zu Wort gemeldet, etwa eine Biologin, die in einem Fachmagazin gefordert habe, bessere Seniorenheime zu bauen, statt den Todeswunsch zu „normalisieren“. Auch die Studienautorin, die Care-Ethik-Professorin Els van Wijngaarden, habe Bedenken angemeldet. Es sei für Betroffene wichtiger, dass sie mit anderen über den Sterbewunsch zu sprechen, anstatt aktive Sterbehilfe zu gewähren.

Die beiden Koalitionspartner, die ChristenUnie und die christdemokratische CDA, stellen sich gegen die Liberalisierung. Das CDA-geführte Gesundheitsministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. Gesundheitsminister Hugo de Jonge erklärte, statt dem Todeswunsch nachzugeben, solle die Gesellschaft alles tun, den betroffenen Menschen wieder Lebenssinn zu geben.

Die Niederlande gelten als eines der liberalsten Länder der Erde, was Sterbehilfe angeht. 2001 wurde dort die aktive Sterbehilfe unter Einschränkungen erlaubt. Wenn der Patient unheilbar krank ist, unerträgliche Schmerzen hat und mehrfach um Sterbehilfe gebeten hat, darf ein Arzt Hilfe zur Selbsttötung leisten. Unter strengen Auflagen dürfen auch todkranke Kinder ab zwölf Jahren, in Ausnahmefällen auch Neugeborene ohne reelle Lebenschance, durch die Gabe von Medikamenten getötet werden.

Von: Nicolai Franz

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