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Wenn christliche Schulen Christliches lehren

Dass die Evolutionstheorie ein Faktum ist, wird in den meisten Schulen im Biologie-Unterricht gelehrt. In manchen christlichen Bekenntnisschulen jedoch werden zudem Lücken in der Evolutionstheorie behandelt und dem die Möglichkeit eines Schöpfergottes gegenübergestellt. Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen protestiert, dass die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) ihre Arbeit in einem Artikel falsch dargestellt habe.
Von PRO

Foto: *MarS (CC-BY-NC-SA)

SZ-Journalistin Ann-Kristin Schäfer hatte für ihre Zeitung die Freie Christliche Bekenntnisschule Gummersbach (FCBG) besucht, eine von 89 Schulen im Verband evangelischer Bekenntnisschulen. "Schüler machen dort das landesübliche Abitur, ihren Real- oder Hauptschulabschluss." Die Autorin erklärt, dass diese Schulen auf der Basis des Glaubensbekenntnisses der Evangelischen Allianz arbeiteten – einem "Netzwerk evangelikaler Gruppen". Schäfer schreibt: "Es beinhaltet den Glauben an die ‘göttliche Inspiration der heiligen Schrift’ und ihre ‘völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität in allen Fragen der Lebensführung.’"

"Unser Ziel ist es, den christlichen Glauben in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen", sagt ihr der Chemie- und Biologielehrer Eduard Martens, der den Realschulzweig der FCBG leitet. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu öffentlichen Schulen. Denn auch wenn es um die Evolutionstheorie geht, wird der Glaube nicht außen vorgelassen. Er bringe seinen Zehntklässlern nicht nur die Evolutionstheorie bei, und zwar "so, wie sie in den Schulbüchern steht", sondern konfrontierte sie dann auch mit der Weltanschauung des "Intelligent Design". Dahinter steht die Annahme, dass die Welt deswegen so ist, wie sie ist, weil sie ein höheres Wesen erschaffen hat.

Die Reporterin führt Kritiker an, die nicht glauben wollen, dass in diesen christlichen Schulen die Evolutionstheorie wie vom Lehrplan vorgesehen unterrichtet wird. Der Publizist Christian Baars etwa, der mit Oda Lamprecht das kritische Buch "Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland" verfasste, findet es "erschreckend", dass in naturwissenschaftlichen Fächern Glaubensinhalte vermittelt werden. Ulrich Kutschera, Professor für Evolutionsbiologie in Kassel und Stanford, sieht im Kreationismus eine "gefährliche Tendenz" und warnt vor "kreationistischem Hokuspokus".

"Artikel enthält drei Fehler"

Der Artikel, der am 19.12.2011 unter der Überschrift "Wenn die Bibel zum Gesetz wird" in der SZ erschien, enthalte drei Fehler, sagt Clemens Volber, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS). In einer Stellungnahme kritisiert er, dass der Artikel und seine Überschrift ein gesetzwidriges Handeln und Lehren an der Freien Christlichen Schule Gummersbach und den Bekenntnisschulen implizierten. "Richtig ist, dass die FCSG und die Mitgliedsschulen des VEBS als Ersatzschulen staatlich anerkannt sind", so Volber. Außerdem erfüllten die Bekenntnisschulen "die Gleichwertigkeitsanforderungen bezüglich der Lernziele gegenüber den staatlichen Schulen laut Artikel 7 Abs. 4 des Grundgesetzes".

Die christlichen Bekenntnischulen seien auf Grundlage der Artikel 7 Abs. 4 und 5 der Verfassung genehmigt und staatlich anerkannt worden, heißt es in der Stellungnahme weiter. Eine durchgängige Bekenntnisprägung der christlichen Bekenntnisschulen sei laut einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19.02.1992 sogar erforderlich.

In dem SZ-Artikel werde zudem behauptet: "Diese Privatschulen (…) werden meist von freikirchlichen Organisationen getragen." Volber erklärt, das sei falsch, denn die Schulträger seien eingetragene gemeinnützige Trägervereine, parteipolitisch ungebunden und überkonfessionell. Die Mitglieder dieser Trägervereine seien natürliche Personen und gehörten "in der Regel" verschiedenen Evangelischen Landeskirchen, evangelischen Gemeinschaften und evangelischen Freikirchen an.

Der Artikel behaupte zudem fälschlicherweise, dass die Bibel nach Meinung der Vertreter der "Evangelischen Allianz" "zwar interpretiert, aber nicht kritisiert werden" dürfe. Dem hält Volber entgegen: "Das ist falsch. Richtig ist, dass an den Bekenntnisschulen die Kritikfähigkeit der Schüler trainiert und praktiziert wird." Es gebe keine kritikfreien Räume an den Bekenntnisschulen. (pro)
http://www.sueddeutsche.de/karriere/naturwissenschaften-an-evangelikalen-schulen-wenn-die-bibel-zum-gesetz-wird-1.1238547
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