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Welt-Leitartikel: Christlicher Glaube tut Menschen gut

Dass nach islamistischen Terroranschlägen Religion insgesamt verurteilt wird, findet die Welt-Autorin Claudia Becker ungerecht. Das Christentum sei aufgeklärt, Religion könne glücklich machen, und aktive Christen seien „Säulen der Gesellschaft“, schreibt die Redakteurin in ihrem Leitartikel in der Zeitung.
Von Jörn Schumacher
Zahllose Studien belegten, „dass Glaube gesund ist“, schreibt die Journalistin Claudia Becker in der Tageszeitung Die Welt
Zahllose Studien belegten, „dass Glaube gesund ist“, schreibt die Journalistin Claudia Becker in der Tageszeitung Die Welt

Angesichts des islamistischen Terrors gerieten auch das Christentum und Judentum ins Fadenkreuz der Kritik, stellt Welt-Autorin Claudia Becker fest und nennt dies einen „fatalen Fehler“. „Seit der zunehmenden Bedrohung durch Terroranschläge ist der Islam zum Angstfaktor geworden.“ Damit einhergehend gebe es eine wachsende Skepsis gegenüber muslimischen Wertvorstellungen. „Ein Iman, der der Lehrerin seines Sohnes nicht die Hand geben will, der Bericht über eine muslimische Schule in Schweden, die von einem Schulbus angefahren wird, in dem Mädchen nur hinten einsteigen dürfen – das alles bringt den Islam zunehmend in Misskredit“, schreibt Becker und fügt hinzu: „Aber nicht nur ihn.“

Religion insgesamt stehe mittlerweile unter Generalverdacht. Unberechenbarkeit und die Angst vor einem Rückfall in Zeiten ohne Gleichberechtigung seien Gründe dafür. Das Berliner Stadtmagazin Zitty habe etwa nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo getitelt: „Gott ist doof“. Becker schreibt: „In dem antireligiösen Pamphlet wurde erklärt, warum wir weder Islam noch Christentum noch Judentum bräuchten. Religion, so der Tenor, gleichgültig welche, verleite zu Diskriminierung und Gewalt. Der Krieg in Syrien diente dabei ebenso als Beleg wie die Kreuzzüge.“

So werde in den sozialen Netzwerken immer häufiger das Ende jeder Religion herbeigesehnt. Dabei hält sie es für ungerecht, nach Gräueltaten von muslimischen Fanatikern Religion als solche zur Ursache allen Übels zu erklären. „Pauschalurteile über den Glauben, Versuche, ihn lächerlich zu machen oder abzuwerten, sind fatal. Sie unterschlagen nicht nur, wie menschenverachtend es in den totalitären Systemen zugegangen ist, die Religion entweder als Opium des Volkes bezeichnet haben oder das Christentum als mit dem ‘deutschen Wesen’ unvereinbar. Sie diffamieren auch eine Kraft, ohne die die Welt eine traurige Einöde wäre.“

Aufgeklärtes Christentum dank Jesus

Zahllose Studien belegten, „dass Glaube gesund ist“, so Becker. „Menschen mit einer spirituellen Einstellung haben demnach nicht nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern überwinden auch leichter Süchte und Depressionen.“ Der Glaube tue Menschen gut, findet die Autorin.

So wie die parteipolitisch Engagierten seien auch die aktiven Christen „Säulen der Gesellschaft, jeder an seinem Platz“, schreibt die Journalistin und erklärt: „Sie tragen nicht nur Kirchenbriefe aus, kochen Kaffee am Seniorennachmittag im Gemeindehaus, stricken für den Adventsbasar, besuchen Kranke und geben Flüchtlingen Deutschunterricht. Christen mischen in politischen Debatten mit, setzen sich für Menschenrechte ebenso wie für den Umweltschutz ein. Manche riskieren ihr Leben, wenn sie für diakonische Einrichtungen in Katastrophengebiete reisen, um Opfern von Erbeben oder Kriegen zu helfen.“

Religion sei nicht nur die Grundlage karitativer Arbeit und der Ursprung jeder Kultur, sondern auch Leitmotiv für gelingendes Leben. „Wer sich dabei mit den Evangelien beschäftigt, kann sich nur schwerlich des Eindrucks erwehren, dass die Berichte über Jesus von einer Freiheit und Modernität getragen sind, die dem Islam überlegen sind.“

Dass das Christentum aufgeklärt sei, zeigten auch biblische Texte wie die von Jesus, der der beabsichtigten Steinigung einer Ehebrecherin eine klare Absage erteilte und stattdessen die aufgebrachte Menge nach ihren eigenen Fehlern fragte. „Und während es sich noch heute für einen muslimischen Mann nicht schickt, einer Frau die Hand zu reichen, hatte Jesus schon vor mehr als 2000 Jahren keine Probleme damit, sich von einer stadtbekannten ‘Sünderin’ die Füße einbalsamieren zu lassen.“

Becker schließt: „Wer sich damit begnügt, die Kirchen pauschal als rückständig abzuurteilen, ignoriert die zahllosen Debatten, die über die Rolle eines modernen Glaubens in der Gesellschaft geführt werden, über einen Glauben, der die Menschen glücklicher machen kann.“ Claudia Becker ist seit 2000 Redakteurin bei der Welt. (pro)

Von: js

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