Die stellvertretende Politikchefin von „Welt TV“, Dorothea Schupelius, hat die Linke in Sachsen-Anhalt für eine Formulierung in ihrem Wahlprogramm scharf kritisiert. Die Partei stelle dort christlich-evangelikalen Fundamentalismus neben dschihadistischen Fundamentalismus. Schupelius bezeichnete in einem Kommentar diese Gegenüberstellung in der Sendung „Meine Welt, meine Meinung“ am Donnerstag als „falsch“ und „sehr gefährlich“.
Tatsächlich findet sich die von Schupelius angesprochene Passage im Wahlprogramm der Linken zur Landtagswahl 2026. Unter der Überschrift „Für eine freie Religionsausübung in Sachsen-Anhalt“ fordert die Partei, „dass religiöser Fundamentalismus, sei er christlich-evangelikaler oder jihadistischer Prägung, durch Intervention, Aufklärungsarbeit, Prävention und zivilgesellschaftliche Initiativen entschieden bekämpft wird“.
Das Programm wurde nach Angaben des Landesverbandes am 14. März 2026 auf einem Landesparteitag beschlossen.
„Nicht nur falsch, sondern auch sehr gefährlich“
Schupelius widersprach der darin vorgenommenen Gegenüberstellung grundsätzlich. „Religiöser Fundamentalismus ist nicht gleich religiöser Fundamentalismus“, sagte sie in dem Beitrag bei „Welt TV“. Dschihadismus sei mit Gewalt und Terror verbunden. Als Beispiele verwies sie auf Anschläge und die Sicherheitsmaßnahmen vor Weihnachtsmärkten und größeren Menschenansammlungen. Evangelikale Christen seien dagegen als „definitiv nicht gewaltbereit“ und „extrem friedlich“ einzustufen.
„Wenn man hier so blind ist wie die Linke und das gleichsetzt, dann ist das nicht nur falsch, sondern […] auch sehr gefährlich“, sagte Schupelius. Die Journalistin verwies zudem auf die Verfolgung von Christen durch Islamisten und beklagte, darüber werde zu wenig berichtet.
Schupelius erinnerte außerdem an die Geschichte der Linken als Rechtsnachfolgerin der SED. In der DDR seien bekennende Christen diskriminiert und verfolgt worden. Sie betonte zugleich ausdrücklich, dass sie der heutigen Linken eine solche Politik nicht unterstelle. Angesichts der eigenen Historie solle die Partei beim Thema Christentum jedoch besonders sensibel sein.
Schupelius forderte die Linke in Sachsen-Anhalt auf, die Formulierung zurückzunehmen: „Großes ‚Achtung‘! Bitte zurücknehmen, liebe Linke in Sachsen-Anhalt. Das ist gefährlich.“
Bemerkenswert ist der unmittelbare Kontext der Passage: Wenige Zeilen zuvor bezeichnet die Linke Religionsgemeinschaften ausdrücklich als „unverzichtbaren Bestandteil der Zivilgesellschaft“ und fordert, dass alle Religionsgemeinschaften ihr Gemeindeleben gleichberechtigt und ohne Angst vor Repressionen gestalten können.
Das Wahlprogramm der Linken in Sachsen-Anhalt richtet sich dem Wortlaut nach also nicht pauschal gegen Christen, sondern gegen das, was die Partei als „christlich-evangelikalen“ Fundamentalismus bezeichnet. Eine Definition, welche Gruppen oder Überzeugungen sie darunter versteht und anhand welcher Kriterien diese von anderen Christen abgegrenzt werden sollen, enthält die entsprechende Passage nicht.