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Welt: Die letzten Geheimnisse der Bibel

Der Bibelforscher Holger Strutwolf arbeitet in Münster an einer kritischen Gesamtausgabe des Neuen Testaments. Der Welt am Sonntag erklärt er, die Liebe zu Gott und zur Bibel gebe ihm Kraft für diese „Knochenarbeit“.
Von PRO
Der Text des Neuen Testaments ist aus Abschriften zusammengestellt, wie dieses Manuskript in syrischer Sprache aus dem 11. Jahrhundert

Foto: pro

Der Text des Neuen Testaments ist aus Abschriften zusammengestellt, wie dieses Manuskript in syrischer Sprache aus dem 11. Jahrhundert
Das Institut für neutestamentliche Textforschung an der Universität Münster gilt als „Silicon Valley der Bibelwissenschaft“, schreibt die Welt am Sonntag. Dessen Leiter Holger Strutwolf möchte bis 2030 eine kritische Ausgabe des Neuen Testamentes fertigstellen, die alle 5.600 bekannten Handschriften des Neuen Testamentes vergleicht, dazu außerbiblische Quellen. Bei dem Arbeitsaufwand geht darum, mit „maximaler Genauigkeit“ sicherzustellen, dass der heutige Bibeltext mit den Quellen übereinstimmt. Vom Bibeltext gibt es keine „echten“ Handschriften mehr, also etwa einen Brief, den Paulus selbst verfasst hat. Es handelt sich immer um Abschriften oder Abschriften von Abschriften. Beim Abschreiben sind naturgemäß Fehler entstanden oder aber Fehldeutungen, die dem Original nicht mehr entsprechen. Bibelwissenschaftler versuchen, möglichst nahe an das Original heranzukommen, indem sie Quellen untersuchen und vergleichen. Eine Revolution im Verständnis des christlichen Glaubens wird es durch seine Arbeit jedoch nicht geben, beschwichtigt Strutwolf. Oft gehe es um Wortumstellungen oder Ergänzungen, etwa „Christus“ anstatt „Jesus Christus“. Eine größere Änderung habe er im 5. Vers des Judasbriefes vorgenommen: Dort heißt es, „der Herr“ habe Israel aus Ägypten geführt. Für Strutwolf und seine Mitarbeiter hat der Verfasser des Briefes jedoch geschrieben, Jesus habe Israel aus Ägypten geführt und damit eine Präexistenz Jesu angenommen. Angst vor den Ergebnissen der Textkritik hat Strutwolf nicht. „Dann wäre mein Glaube doch schrecklich schwach“, sagt er. „Ich glaube nicht an die Bibel. Ich glaube an Jesus Christus.“ Er versteht die Textkritik als Hilfswissenschaft, „um die Bibel zum Sprechen zu bringen. Dafür lohnt sich die Knochenarbeit“. Ohne die Liebe zu Gott und zur Bibel könnte er diese Arbeit nicht machen, ergänzt er. (pro)
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