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“Welt”: Christen in Türkei werden bespitzelt

Christen in der Türkei leben gefährlich – das zeigte etwa der Mord an Tilmann Geske und zwei weiteren Missionaren  im Jahr 2007. Neueste Ermittlungen zeigen: Der Deutsche wurde vor seinem Tod wohl von staatlicher Seite bespitzelt. Ähnlich ergeht es vielen anderen Christen im Land am Bosporus.

Von PRO

Foto: Welt Online

Seit zwei Jahren wird im Fall Geske ermittelt. Die Tageszeitung "Die Welt" schreibt in der aktuellen Ausgabe: "Eines aber scheint ganz klar: Die Missionare waren vor ihrem Tod von der Gendarmerie bespitzelt und ausspioniert worden." So berichte etwa die türkische Zeitung "Hürriyet" von einem für "Aufklärung" zuständigen Gendarmerieoffizier, der einem Informanten namens "Kommandant Asaf" fast 5.000 Euro für Informationen über Missionarsgruppen gezahlt haben soll. Darunter seien auch Geske und seine beiden ebenfalls ermordeten Kollegen gewesen. Noch Monate nach dem Mord seien Gelder für die Bespitzelung von Christen gezahlt worden.

"Wenn die Information stimmt, dann wird damit zum ersten Mal sichtbar, dass die staatliche Bespitzelung von Christen den türkischen Steuerzahler echtes Geld kostet", schreibt die "Welt". Mittlerweile werde sogar gemutmaßt, dass die Morde von der Polizei organisiert wurden. Zudem werden die Taten in Verbindung mit der nationalistischen Organisation "Ergenekon" gebracht, gegen die derzeit wegen angeblicher Putschpläne ein Mammutprozess läuft. Letztendlich könnten die Christen umgebracht worden sein, um der islamisch geprägten Regierung zu schaden, oder weil die  Nationalisten in Missionaren eine Gefahr für die nationale Sicherheit sahen.

"Potenzielle Feinde der Nation"

Laut "Welt" gelten Christen in der Türkei als "potenzielle Feinde der Nation". Für viele Priester seien Bespitzelungen Bestandteil des täglichen Lebens. Offizielle heiße es,  die Beschattung geschehe zum Schutz der Kirche und der Priester – es gebe genug Verrückte und islamische Fanatiker, die auf dumme Gedanken kommen könnten.

Missionieren ist in der Türkei nicht verboten, aber das Verkaufen und Verteilen von Bibeln ist rechtlich eingeschränkt, und auch eine "Erniedrigung des Islam" ist strafbar. "Die Welt" berichtet von Priestern, die Konvertiten in ihren Gemeinden haben, darüber aber aus Sorge um das Wohl der Menschen und der Kirche Stillschweigen wahren: "Die Geistlichen bitten Journalisten stets, darüber nicht konkret zu schreiben."

Am 18. April 2007 hatten fünf junge Türken in Malatya die Christen Necati Aydin, Ugur Yüksel und Tilmann Geske ermordet, indem sie ihnen die Kehlen durchschnitten und sie verbluten ließen. Necati Aydin und Ugur Yüksel waren konvertierte Christen, und wie Geske Mitarbeiter des christlichen Verlagshauses "Zirve". (PRO)

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