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Weiter Kritik an „Orientierungshilfe“

Die Kritik an der „Orientierungshilfe“ der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Familienbild reißt nicht ab. Die Tageszeitung Die Welt schrieb am Montag von einem „theologischen Armutszeugnis“, der Verband Familienarbeit beklagte die wirtschaftsorientierte Perspektive des EKD-Papiers.
Von PRO

Foto: artikularis/fotolia

Der Glaube müsse sich nicht immer um Deckungsgleichheit mit Mentalitätsveränderungen bemühen, schreibt Welt-Redakteur Matthias Kamann in einem Kommentar für die Montagsausgabe der Zeitung. „Der Glaube braucht Distanz, er lebt von der Spannung zwischen Weltlichem und Theologischem“, findet er. Da diese Distanz in der „Orientierungshilfe“ aufgehoben werde, erlahme die Glaubenskraft. Orientierung vermittle das Familienpapier kaum: „Eine Orientierungshilfe ist dieser Text nur insofern, als dort beschrieben wird, was man über den Wandel der Lebensformen und der Rechtslage sowie über die soziale Lage von Familien in vornehmlich rot-grüner Deutung wissen muss.“

Kamann kritisiert besonders die Herabwertung der Ehe, die er durch die Familienschrift gegeben sieht. Er findet jedoch auch, dass es aus Sicht eines evangelischen Christen zu begrüßen sei, dass die EKD eine deutliche Aufwertung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften fordert. „Aber wie will man die Homo-Ehe stärken, nachdem man die Form der Ehe allgemein geschwächt hat?“

Familienverband: „Thema verfehlt“

Auch der Verband Familienarbeit e.V. ist mit dem Papier der EKD unzufrieden, führt aber andere Gründe an: Die „Orientierungshilfe“ gebe „die bekannten Auffassungen der Wirtschafts- und Erwerbswelt wieder, die heute die Politik bestimmen“, heißt es in einer Pressemitteilung. "Die Lebensfrage der Familien, wie deren Erziehungsaufgabe von der Gesellschaft behandelt wird, wird ausgespart. Das Papier verfehlt sein Thema.“

Johannes Resch, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, sagte: „Die Verlässlichkeit der Familie basierte – wirtschaftlich gesehen – auf dem über Jahrtausende hinweg selbstverständlichen Geben und Nehmen zwischen Eltern und Kindern. Eltern versorgten ihre Kinder und wurden im Alter wieder von ihnen versorgt. Erst unsere Sozialgesetzgebung hat die Eltern ohne Ausgleich enteignet.“ Resch kritisierte, dass die gesetzliche Altersversorgung statt an die Erziehung von Kindern an die Erwerbsarbeit gebunden sei. Die Verlässlichkeit der Familie „kann aber weder durch Verstaatlichung noch durch Verkirchlichung der Kinderbetreuung wiederhergestellt werden, sondern nur durch direkte – auch finanzielle – Anerkennung der elterlichen Erziehungsleistung“. Familienarbeit sei zum Frondienst für die Gesellschaft und zum Armutsrisiko verkommen.

Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte gegenüber pro: „Das Bild, das die Evangelische Kirche in ihrem neuen Papier zu Ehe und Familie beschreibt, wird von vielen zu Recht als Aufgabe religiöser Grundüberzeugungen gesehen.“

EKD: „Wollen keine Normen aufstellen“

Johannes Friedrich, Mitglied im Rat der EKD und Herausgeber der Zeitschrift chrismon, verteidigte die „Orientierungshilfe“ in der jüngsten chrismon-Ausgabe. „Die soziale Lage und das Erscheinungsbild vieler Familien haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert“, schrieb er. Ausdrücklich bekannte er sich zu dem am häufigsten an der Familienschrift kritisierten Aspekt, nämlich dem, dass die Kirche Normen relativiere: „Weit spannt sich der Bogen der Lebensformen heute. Angesichts dieser Vielfalt ist es gut evangelisch, wenn die neue ‚Orientierungshilfe‘ nicht Normen für die Formen des Zusammenlebens aufstellt, sondern die gesellschaftliche Situation als gegeben ansieht und sie beschreibt.“ (pro)

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