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Weihnachtsgottesdienst „per Livestream im Schlafanzug vor dem Fernseher“

„Der Shutdown im März hat uns eiskalt erwischt. Plötzlich stand alles auf null.“ Ein Pfarrer einer Großgemeinde aus Hamburg erzählt im Spiegel, wie er die Pandemie in seiner Arbeit erlebt. Auch das Weihnachtsfest sieht er mit Sorge.
Von Jörn Schumacher
„Heiligabend wird ganz anders werden – ohne Krippenspiel und ohne Chor“, sagt der 48-jährige Christoph Scieszka, Pastor der St. Ansverus-Gemeinde in Hamburg, zu der auch die Spiegel-Autorin gehört

Foto: Olga Kononenko on Unsplash

„Heiligabend wird ganz anders werden – ohne Krippenspiel und ohne Chor“, sagt der 48-jährige Christoph Scieszka, Pastor der St. Ansverus-Gemeinde in Hamburg, zu der auch die Spiegel-Autorin gehört

„Ich habe in den vergangenen acht Monaten kein einziges Kind getauft, kein Paar getraut, es gab nur Beerdigungen.“ Das sagt Christoph Scieszka, Pfarrer der katholischen Großgemeinde St. Ansverus im Norden Hamburgs, in einem Interview des Magazins Der Spiegel. Spiegel-Autorin Silvia Dahlkamp, die selbst der 14.000 Mitglieder zählenden Gemeinde angehört, schreibt unter der Überschrift „Halleluja aus der Boombox“ über den Zustand der Kirchen während der Corona-Pandemie.

Der 48-jährige Pastor Scieszka sagt ihr: „In der Osternacht habe ich vor leeren Bänken die Osterkerzen gesegnet.“ Es sei ein Gefühl von Traurigkeit und Einsamkeit gewesen. Scieszka ergänzt: „Niemand hat Halleluja gesungen. (…) Das möchte ich nie wieder erleben.“

Auch auf Heiligabend blicke er eher sorgenvoll. „Heiligabend wird ganz anders werden – ohne Krippenspiel und ohne Chor, der ‚Zu Bethlehem geboren‘ singt. Im vergangenen Jahr war die Kirche so voll, dass ich Decken aus meiner Wohnung holen musste, damit die Kinder auf dem Boden sitzen konnten.“

„Gemeinde in der Krise erst richtig zusammengewachsen“

Der Geistliche berichtet, in den vergangenen Monaten habe es „sehr schlimme Momente“ gegeben, „in denen ich mir gewünscht hätte, dass mehr Nähe möglich gewesen wäre“. Als Beispiel nennt er einen Besuch bei einer Frau im Altenheim, die im Sterben lag. Sie bat um eine Salbung durch den Pfarrer, aber Scieszka durfte nicht kommen. „Tagelang habe ich immer wieder angerufen, regelrecht gebettelt. Als ich endlich zu ihr durfte, kamen Dutzende alte Menschen an ihre Zimmertüren.“

Auf der anderen Seite sei er beeindruckt von der Hilfsbereitschaft während der Ausnahmesituation. „Pfadfinder und Konfirmanden kaufen für ältere Gemeindemitglieder ein. Es wurden Masken im Akkord genäht, Ehrenamtliche organisieren Nachbarschaftshilfen und vieles mehr.“ In der Krise sei seine Gemeinde „erst richtig zusammengewachsen“.

Scieszka berichtet zudem von virtuellen Treffen, Newsletter, Gottesdiensten im Livestream auf Youtube und Gebetskreise per Zoom-Konferenz. „Ich denke, dass sich die Gesellschaft gerade enorm verändert.“ Angesichts des Weihnachtsfestes und der hohen Fallzahlen sagt Scieszka: „Ich habe Angst, dass gerade alte Menschen vor Einsamkeit krank werden, und ja, letztlich einsam sterben.“

Weiter stellt er fest: „Vor allem Familien ziehen sich zurück – vielleicht aus Angst. Vielleicht feiern sie die Heilige Messe aber jetzt auch per Livestream im Schlafanzug vor dem Fernseher.“

Von: Jörn Schumacher

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