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WDR: Pfarrer verneint Sühnetod in Morgenandacht

In fünf Morgenandachten hat sich ein Pfarrer diese Woche gegen die "Theorie" vom Sühnetod Jesu ausgesprochen. Gott, so erklärte Burkhard Müller, habe den Tod Jesu am Kreuz nicht gewollt. Am morgigen Samstag predigt Müller erneut – und erreicht damit rund 1,8 Millionen Menschen.
Von PRO

„Wir sollten an den Gott der Liebe glauben. Eine Liebe, wie Jesus sie gepredigt hat. Und für deren Wahrheit er bis zum Tode eingestanden ist“, predigte der Bonner Pfarrer Burkhard Müller am Mittwoch dieser Woche im Westdeutschen Rundfunk. So weit so gut. Doch was er aus der Liebe Gottes ableitete, mag vielen Christen Probleme bereitet haben: „Nein, was wäre das für ein grausamer Gott, der ein Menschenopfer braucht, um damit seinen Zorn zu stillen! Und die Sache wird noch unappetitlicher, wenn dieser Mensch sein einziger Sohn ist!“, erklärt er seinen Zuhörern weiter. Im Klartext heißt das: Jesus ist nicht als Sühneopfer für die Menschen gestorben.

Müller: „Gott hat nicht den Tod Jesu gewollt“

An sechs Tagen hält der Pfarrer in dieser Woche etwa auf WDR4 die fünfminütigen Andachten um 8.55 Uhr. Nach Angaben des Senders hören 1,8 Millionen Menschen regelmäßig die Botschaften wechselnder Geistlicher. Die Andacht soll „ein kurzes Atemholen mit guten Gedanken, bevor die Nachrichtenlage über uns zusammenschlägt“ sein. Tief Luft geholt haben viele christliche Hörer wohl auch bei Müllers Worten vom heutigen Freitag: „Gott hat nicht den Tod Jesu gewollt. Gewollt haben das seine Feinde. Jesus hätte vor ihnen fliehen können. Seinen Jünger zuliebe blieb er standhaft bei seiner Botschaft, und bewies, wie ernst er es meinte mit Gottes Liebe und Vergebung. So kann man sagen: er ist ‚Für uns‘ gestorben. Aber er ist nicht von Gott als Sühnopfer für unsere Sünden dahingegeben. Das ist nur ein Bild unter vielen anderen Bildern für Jesu Tod, aber es hinkt besonders stark, es hinkt nicht nur auf einem Bein, sondern es hinkt auf beiden Beinen. Weg mit dem Bild! Kein Menschenopfer bitte! Unser Gott ist nicht so.“

Das Thema von Jesu Tod zieht sich durch sämtliche Predigten dieser Woche. Die vermeintlich falsche Lehre vom Sühnetod führt Müller auf den mittelalterlichen Kirchenlehrer und Philosophen Anselm von Canterbury zurück. Biblisch sei die Idee vom stellvertretenden Opfer Jesu für alle menschlichen Sünden nicht nachvollziehbar. In den Evangelien werde sie nicht geäußert. Zudem zeige die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak, dass Gott keine Menschenopfer wolle. Im ersten Buch Mose wird geschildert, wie Gott von Abraham die Opferung seines Sohnes fordert, diese aber im letzten Moment verhindert. Diese Ablehnung des Menschenopfers gelte auch für Jesus, so Müller.

Die Dienststelle des Evangelischen Rundfunkbeauftragten des WDR erklärte gegenüber pro, der Pfarrer bewege sich mit seinen Theorien auf festem Grund. Ähnliche Thesen seien in der theologischen Debatte weit verbreitet.

Vermutlich wird Burkhard Müller auch am morgigen Samstag wieder über die „Fehllehre“ von Jesu Sühnetod sprechen. Fraglich, welche Botschaft er besonders Nichtchristen damit vermittelt. Nicht zuletzt sind die Morgenandachten im WDR auch für diese eine Möglichkeit, Zugang zur Bibel zu bekommen. Für die meisten Christen offenbart sich die Liebe Gottes gerade durch Jesu Opfertod. Indem Gott seinen eigenen Sohn gab, weil ihm die Menschen so am Herzen liegen. (PRO)

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