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Was (nicht) gezeigt werden muss

Der Absturz des Germanwings-Flugzeugs über den französischen Alpen hat nicht nur große Trauer und Betroffenheit hervorgerufen, sondern auch ein ununterbrochenes Interesse der Medien. Dabei fallen zwei gegensätzliche Dinge auf. Ein Kommentar von Swanhild Zacharias
Von PRO
Das Medieninteresse am verunglückten Germanwings-Flugzeug reißt nicht ab. Oft wird dabei die Grenze der Sensationslust überschritten

Foto: germanwings

Das Medieninteresse am verunglückten Germanwings-Flugzeug reißt nicht ab. Oft wird dabei die Grenze der Sensationslust überschritten
Erstens: Zurückhaltung und Sensibilität gegenüber den Opfern und deren Angehörigen kann man vielen Medienvertretern nicht bescheinigen. Jedes noch so kleinste Detail wird in Spezialsendungen über den Absturz ausgeschlachtet. In Zeiten, in denen Journalisten Live-Ticker auf Webseiten füllen müssen, werden schnell auch weniger relevante Details dramatisiert. Dabei ist es dann egal, ob es sich um wirkliche Nachrichten oder um nichtssagende Informationen handelt. Focus Online schreibt, dass sich die Menschen am Düsseldorfer Flughafen weinend in den Armen liegen. Bilder ohne Unkenntlichmachung trauernder Angehöriger zeigen sowohl ARD und ZDF als auch Bild.de. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung befragte die Mutter einer Klassenkameradin eines verunglückten Schülers. Unschön sind auch Artikel-Überschriften wie „Eltern versuchten, ihre toten Kindern anzurufen“. Das muss nicht sein. Bild.de zeigte den Co-Piloten, der das Flugzeug offenbar absichtlich abstürzen ließ, unverpixelt und schreibt: „Er flog 150 Menschen mit Absicht in den Tod“, obwohl die Ermittlungen dazu noch nicht abgeschlossen sind. Aber auch ein Zweites fällt auf: Im internationalen Vergleich gehen deutsche Medien verhältnismäßg sensibel mit diesem und ähnlichen Unglücken um. Die meisten zeigen Fotos des Co-Piloten nur verpixelt und auch sein voller Name wird nicht genannt. Der Nachrichtensender N24 entschuldigte sich binnen Minuten dafür, in einer Live-Übertragung kurz sein Elternhaus gezeigt zu haben. Ausländische Medien veröffentlichten derweil ungerührt Fotos und Namen des Mannes. Sichtlich bemüht um eine faire Berichterstattung waren auch Zeit Online und die Süddeutsche Zeitung. Letztere leitete einen Artikel zum Thema selbstkritisch mit den Worten „Was wir wissen“ und „Was wir nicht wissen“ ein. Einzelne Medienvertreter reagierten besonders sensibel. So erklärte Moderator und Wissenschaftler Ranga Yogeshwar auf seiner Facebook-Seite, er habe alle Anfragen von Talkshows und Sendern abgelehnt: „Nein ich will und kann nicht über die Ursachen des Absturzes spekulieren. In solchen Momenten gibt es für mich nur ein wirkliches Mitgefühl: Schweigen.“ Journalisten, die zum Unglückszeitpunkt Dienst hatten, bleibt diese Option freilich nicht. Entertainer Stefan Raab ließ seine Comedy-Show „TV Total“ aus Respekt ausfallen. Die Begründung: Es gebe Tage, an denen es „nichts zu lachen gibt“. Und eine Radio-Moderatorin des Hessischen Rundfunks erklärte, solche Nachrichten seien „für uns Moderatoren“ nicht einfach. Die passenden Worte und Formate für eine derartige Tragödie zu finden und die Grenze zu setzen zwischen dem, was zu berichten ist und dem, was lieber ungesagt bleibt, ist für uns Journalisten besonders schwierig. Ein „Schema F“ gibt es nicht. Aus Respekt vor Opfern und Betroffenen sollten die Berichte jedoch nicht in Sensationslust münden. (pro)
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