Das christliche Medienmagazin

Was Christen von „Berlin – Tag und Nacht“ lernen können

Reality-Formate haben den TV-Bildschirm erobert. Ob echt oder gespielt, der Trend zu Geschichten aus dem wahren Leben hält an, sind sich die Teilnehmer des „19. CFF-Forum für Christen in Film und Fernsehen“ einig. Die Film- und Fernsehmacher diskutierten am vergangenen Wochenende, wie sich erfolgreiche Formate in den christlichen Bereich übertragen lassen.

Von PRO

Foto: RTL 2

Das Forum christlicher Film- und Fernsehmacher stand unter der Überschrift „Social Media – Herausforderung, Heilmittel oder Fernsehen von Morgen“. 30 Interessierte waren dazu im thüringischen Volkenroda zusammengekommen. Der Gründer der Kommunikationsagentur Shift, Stefan Walz, der Leiter der Onlineredaktion des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Alexander Gajic, und Rechtsanwalt Frank Schilling sprachen über Social Media und Marketing, Blogs und rechtliche Rahmenbedingungen im Internet.

Schlüssel: Crossmedialität

Als Hauptredner hatten die Organisatoren Christian Rudnitzki eingeladen. Der Abteilungsleiter Unterhaltung – Scripted Program ist unter anderem für die Serie „Berlin – Tag und Nacht“ am Vorabend von RTL2 zuständig. Die Sendung besticht nicht durch inhaltliche Tiefe. Die Inhalte könne man kritisieren, darauf hatten die Organisatoren aber nicht abgezielt. Ihnen kam es darauf an, von der Machart eines der erfolgreichsten Formate der vergangenen Jahre zu lernen. Nur wer verstehe, was beim Zuschauer gut ankomme und warum, könne für seinen Bereich davon lernen. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass christliche Medien profitieren können, wenn sie sich mit der Machart erfolgreicher Formate auseinandersetzen.

Über Berlin – Tag und Nacht sagte Radnitzki: „Anfangs hatte das Format niedrige Quoten, aber durch die ständig steigenden Facebook-Zahlen spürten wir, dass wir hier einen Nerv getroffen hatten. Jugendliche haben die Sendung über ihre Social Media Aktivitäten entdeckt.“ Berlin – Tag und Nacht habe durch die crossmediale Ausrichtung von Beginn an Zuschauer für das Format begeistert. Ohne die Facebook-Begleitung hätte die Serie sich nicht so fest im deutschen TV-Vorabendprogramm etablieren können.

Rudnitzki erklärte den Teilnehmern, wie sein Team Facebook nutzt, um die Zuschauerbindung zu erhöhen. Teilweise ergänze es Handlungsstränge zwischen den einzelnen Sendungen auf Facebook oder führe neue Geschichten über Facebook ein, um sie später in die Sendung zu integrieren. Im Drehbuch seien beispielsweise extra Szenen vermerkt, in denen ein Protagonist mit seiner Handykamera filmt. Die Zuschauer können die entsprechende Szene aus dem Blickwinkel seiner Kamera dann auf Facebook anschauen.

„Auch ‘Fotobeweise‘ erhöhen die Glaubwürdigkeit“, sagte Rudnitzki. Kinder- und Jugendfotos der Protagonisten beispielsweise unterstützen die emotionale Bindung der Zuschauer an die Figuren und erhöhen das Interesse.

Besonders erfolgreich seien auch interaktive Elemente über Facebook. So hätten die Protagonisten einmal bei einem Second Screen Event in der Sendung Pizza bestellt. Second Screen bedeutet, dass die Zuschauer die Darsteller online verfolgen, während sie die Sendung im Fernsehen betrachten. So können sie auf zwei Bildschirmen, TV und Online, ein parallel stattfindendes Ereignis anschauen. Die Zuschauer konnten während der Sendung auf Facebook darüber abstimmen, welche Beläge die Pizzen haben sollten. „Wenn die Zuschauer sehen, dass sie auf diese Weise Teil des Geschehens werden, erhöht sich ihre Bindung an die Serie“, erklärte Rudnitzki. In einer Umfrage erklärten jüngst 90 Prozent der Zuschauer, dass sie keine Folge verpassen würden.

Social Media als Werkzeug für Gott

Für die MDR-Journalistin und Mitorganisatorin der Veranstaltung Iris Völlnagel war Rudnitzkis Vortrag lehrreich: „Christian Rudnitzki hat uns erklärt, was in Social Media funktioniert und was nicht. Er hat zum Beispiel aufgezeigt, wie wichtig es ist, authentisch zu sein. Gerade als Christen müssen wir uns  immer wieder fragen, sind wir das?“ Unabhängig von einer inhaltlichen Bewertung der Sendung Berlin – Tag und Nacht geht es ihr darum, von erfolgreichen TV-Formaten zu lernen: „Ich muss es nicht übernehmen, ich muss es nicht verdammen, aber ich muss hingucken“, erklärte die Journalistin. Denn nur, wer versteht, warum manche Formate erfolgreich seien, könnte dies in den christlichen Bereich übertragen.

Der Filmemacher Konrad Schmid stimmte Völlnagel zu: „Christliches Fernsehen muss sich weiterentwickeln. Dafür müssen wir uns anschauen, was erfolgreich läuft und davon lernen. Und „Berlin – Tag und Nacht” ist nun einmal eins der erfolgreichsten Formate der vergangenen zwei Jahre.“ (pro)

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Diskutieren Sie mit!

Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Meinung sagen. Gerne klar, ehrlich, prägnant – aber bitte immer respektvoll, damit sich viele Menschen mit unterschiedlicher Meinung beteiligen. Daher achten wir besonders auf eine respektvolle Debattenkultur.
Jeder Leserkommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft. Bitte beachten Sie dazu unsere Kommentar-Richtlinien. Manchmal kann es etwas dauern, bis ein Kommentar freigeschaltet ist. Sie haben ab Veröffentlichung sieben Tage Zeit, einen Artikel zu kommentieren. Danach wird der Kommentarbereich automatisch geschlossen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen