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Warum Merkel zurecht „Person of the Year“ ist

Das amerikanische Time-Magazin hat die Bundeskanzlerin zur „Person of the Year“ gewählt – mit einer überraschenden Begründung. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Merkel in Öl: Der Nordire Colin Davidson porträtierte die Bundeskanzlerin für das Time-Cover

Foto: Time

Merkel in Öl: Der Nordire Colin Davidson porträtierte die Bundeskanzlerin für das Time-Cover
Adolf Hitler, Konrad Adenauer, Willy Brandt. Die deutschen „Persons of the Year“ des Time-Magazins sind ohne Zweifel Figuren von historischer Bedeutung. Gestern ist eine hinzugekommen: Auf dem Cover der amerikanischen Time prangt in diesem Jahr die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, standesgemäß in Form eines Ölgemäldes. Als „Person of the Year“ werden die Menschen ausgewählt, die nach Ansicht der Time-Redaktion im vergangenen Jahr den größten Einfluss auf das Weltgeschehen hatten. Nicht immer ist dies mit Ehre und Anerkennung verbunden. Nur so ist die Wahl von Hitler 1938 oder Stalin 1939 zu erklären. In die engere Auswahl hatte es dieses Jahr auch der Führer der IS-Terrormiliz, Abu Bakr Al-Baghdadi, geschafft.

„Die Pfarrerstochter benutzte Gnade als Waffe“

Das Mädchen aus der DDR, der „Orwellschen Horrorshow“, habe als heutige „Kanzlerin der freien Welt“ und „de facto Anführerin eines Kontinents“ Europa drei Mal vor dem Zusammenbruch bewahrt: Als die Griechenland-Krise die Eurozone bedrohte, als die Flüchtlingskrise das Prinzip freier Grenzen erschütterte und als die Pariser Attentate den „Reflex wiederbelebte, Türen zuzuschlagen, Mauern zu bauen und niemandem zu vertrauen“. Jedes Mal habe Merkel federführend eingegriffen: „Die Pfarrerstochter benutzte Gnade als Waffe. Man kann ihr zustimmen oder nicht, aber sie wählt nicht den bequemen Weg.“ Es ist bemerkenswert, dass historische Leistungen schon anerkannt werden, während sie erbracht werden. In Wahrheit ist keine der Krisen vollständig gelöst. Griechenland wird noch lange ein Sorgenkind bleiben, die Frage um die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge wird uns noch Jahre beschäftigen. Und was den IS angeht, so fehlt weiterhin eine durchdachte Strategie für einen koordinierten Militäreinsatz in Syrien – und vor allem für die Zeit danach. Doch was man Merkel nicht vorwerfen kann, ist Verantwortungslosigkeit oder gar Opportunismus, wie er ihr früher häufig unterstellt wurde . Sie betrachtet Probleme nicht unter dem Mikroskop, sondern mit dem Weitwinkelobjektiv.

Merkels Führungsstil ist vorbildlich

Genau genommen wurden in der Eurokrise die Maastricht-Kriterien und die No-Bailout-Klausel außer Kraft gesetzt. Genau genommen hat Deutschland in der Flüchtlingskrise das Dublin-Abkommen missachtet. Doch wäre es wirklich besser gewesen, den Zusammenbruch der Währungsunion zu riskieren oder tausende Flüchtlinge in Ungarn ihrem Schicksal zu überlassen? In Europa gewinnen rechte und rechtsextreme Parteien an Zulauf. Abspaltungsversuche und egoistisches Denken machen die Runde. Dem Friedensnobelpreisträger 2012, der Europäischen Union, droht das Zerwürfnis. Daher war es wichtig, dass Merkel Griechenland einerseits Zugeständnisse machte und andererseits klare Forderungen durchgesetzt hat. Und dass sie bei der Flüchtlingsfrage einerseits großzügig agiert und andererseits Druck auf EU-Staaten ausübt, die sich ihrer Verantwortung entziehen. Nur dieses Zusammenspiel aus fördernder Hilfsbereitschaft und fordernder Entschlossenheit hat dazu geführt, dass Deutschland unter Merkel in weiten Teilen der Welt eine vorbildliche Führungsrolle attestiert wird. Das sollten die Deutschen gerade im Hinblick auf deren eigene Geschichte und trotz aller Kritik zu schätzen wissen.Gnade kann eine Waffe sein. Das Time-Magazin hat das erkannt. Manchmal hilft eben ein Blick von außen, um sich selbst schärfer zu sehen. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/merkel-deutsche-nicht-so-bibelfest-wie-sie-tun-94343/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/merkel-fuer-einsatz-gegen-antisemitismus-ausgezeichnet-94309/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/freikirchen-loben-merkels-fluechtlingspolitik-94041/
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